80 Menschen betroffen Das steckt hinter der Magen- und Darm-Erkrankung im Europa-Park

Im­ Europa-Park war es Mitte Juni zu Magen- und Darmerkrankungen gekommen – nun steht die Ursache dafür fest. Foto: Europa-Park/Hans-Joerg Haas

Nach einem Fan-Treffen im Europa-Park waren mehrere Teilnehmer erkrankt. Einige von ihnen hatten das servierte Essen in Verdacht – zumal kurz darauf eine weitere Gruppe erkrankte. Nun stellte das Ortenauer Gesundheitsamt die Ursache für die Erkrankung fest.

Fieber, Übelkeit und Erbrechen: Unter diesen Symptomen litten nach einem Bericht des Schwarzwälder Boten Dutzende Europa-Park-Besucher, nachdem sie Mitte Juni an einem Fan-Treffen teilgenommen hatten. Als ein möglicher Übeltäter geriet dabei das Büffet ins Visier, das es am Freitagabend, 14. Juni, im Schlosspark gegeben hatte. Am Abend des Folgetags hatten dann die ersten Symptome eingesetzt. Der Europa-Park bestritt vergangene Woche aus Nachfrage einen Zusammenhang zwischen Speisen und Erkrankung. „Eine interne Überprüfung der Gastronomie ergab keine Auffälligkeiten“, teilte Sprecher Florian Kornprobst damals mit. Die Frage der Redaktion des Schwarzwälder Boten, wie diese interne Überprüfung ausgesehen hatte, blieb jedoch unbeantwortet.

 

Der Verdacht, die Qualität des Büffets könnte etwas mit der Erkrankung der Europa-Park-Fans zu tun haben, schien sich zu bestätigen, als sich eine zweite Gruppe meldete, die am Samstag, 15. Juni, am selben Ort gefeiert und gegessen hatte – und einen Tag später ebenfalls an Fieber, Übelkeit und Erbrechen litt. Von 140 Teilnehmern waren laut Organisator mehr als 50 betroffen.

Nun stellte sich jedoch heraus: Der Übeltäter war kein verdorbenes Essen, sondern ein Norovirus. Nach dem Vorfall hatte das Gesundheitsamt Stuhluntersuchungen von rund 70 betroffenen Gästen und ebenfalls rund zehn erkrankten Park-Mitarbeitern veranlasst. Das Ergebnis: Bei ihnen wurden Noroviren nachgewiesen, wie das Landratsamt am Mittwoch mitteilte. „Bei einer Inkubationszeit von sechs bis 50 Stunden passt das auch zum gemeldeten Erkrankungsbeginn.“

Infektion ist über Gegenstände möglich

Nach aktuellen Untersuchungen des Gesundheitsamts „lassen sich nun mit ziemlicher Sicherheit Nahrungsmittel als Quelle ausschließen“. Da es schon am Freitag, 13. Juni, erkrankte Personen gegeben habe, müsse es durch sogenannte Schmierinfektionen oder Kontakt zu Erkrankten zu Übertragungen gekommen sein.

Damit ist klar, dass die Speisen nichts mit dem Magen- und Darmerkrankungen im Europa-Park zu tun hatte. Das betonte auch nochmals der Europa-Park gegenüber unserer Redaktion. „Ich kann Ihnen nochmals bestätigen, dass die Überprüfung der Lebensmittelhygienesituation im Europa-Park durch das Amt für Veterinärwesen und Lebensmittelüberwachung einwandfrei war“, so Park-Pressesprecherin Corinna Zanger.

In der Regel steckt man sich mit dem Norovirus über eine sogenannte Schmierinfektion von Mensch zu Mensch an. Die Erreger werden über kleinste Reste von Erbrochenem oder Stuhlresten übertragen – etwa wenn die Hände nicht richtig gewaschen wurden. Dafür muss die Übertragung nicht direkt von Mensch zu Mensch stattfinden, sondern funktioniert auch über verunreinigte Gegenstände wie etwa Türgriffe. So wäre auch eine Übertragung über das Essen oder das Besteck grundsätzlich möglich gewesen.

Cannstatter Wasen

Wie schnell sich eine größere Menschenmenge auf engem Raum mit dem Norovirus anstecken kann, zeigt das Beispiel der Cannstatter Wasen: Nach dem Besuch des Frühlingsfestes im April klagten mehr als 700 Menschen über Magen-Darm-Symptome. Alle Betroffenen hatten dasselbe Festzelt besucht. Der Auslöser dafür war auch damals das Norovirus. Für eine Übertragung durch die Speisen hatte das Gesundheitsamt auch damals keine Hinweise gefunden.

 

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