950-Jahr-Jubiläum Ein Hauch von Hollywood weht durch Dagersheim

Die Eröffnung des Abends übernahm die Feuerwehr-Musikkapelle. Foto: Stefanie Schlecht

Schluss, aus, vorbei: Mit der Vorführung der Dokumentation enden die Feierlichkeiten zu „950 Jahre Dagersheim“. Der Film ist ein außergewöhnliches Zeugnis der Zeitgeschichte geworden.

Böblingen: Rebecca Baumann (rmu)

Der Duft von frischem Popcorn weht am Samstagabend durch die Dagersheimer Festhalle. Den Gang zwischen den Stuhlreihen ziert ein roter Teppich. Über der Bühne hängt eine Leinwand. Schon auf den ersten Blick wird deutlich: Dieser Abend wird ungewöhnlich, um nicht zu sagen außergewöhnlich. Was den Zuschauern geboten wird, ist nämlich nicht nur ein filmischer Rückblick auf die Festivitäten des vergangenen Jubiläumsjahres – es ist ein Blick in die Dagersheimer Seele.

 

Doch zunächst werfen Ortsvorsteher Hendrik Queck und Böblingens Oberbürgermeister Stefan Belz (Grüne) einen Blick zurück auf 2025, ein Jahr, das im Leben sehr vieler Dagersheimer seine Spuren hinterlassen haben dürfte. Rund 80 Veranstaltungen zum 950-jährigen Jubiläum des Ortes hätten stattgefunden, 1200 ehrenamtliche Helfer hätten sich engagiert, führt Belz aus. Er wolle „den Hut davor ziehen, was hier geleistet worden ist.“

OB Belz spricht zu Beginn der Veranstaltung. Foto: Stefanie Schlecht

Die Projektleiterin Melanie Häußler sagt, sie könne gar nicht glauben, wie schnell die Zeit vergangen sei und dass die Jubiläums-Festivitäten mit diesem Kinoabend ihr Ende finden sollten. Sie lobt den Film als „sichtbares Ergebnis einer großartigen Gemeinschaftsleistung“.

Film wird Teil des Stadtarchivs

Der Jubiläumsfilm an sich setzt sich zusammen aus Drohnenaufnahmen des Ortes, Filmschnipseln von Veranstaltungen, Interviews mit Würdenträgern, Vereinsvertretern, Zeitzeugen und Organisatoren sowie einem kurzen historischen Rückblick auf Dagersheims Entstehungsgeschichte. Die Stadt Böblingen habe „Erinnerungen an ein großes Jubiläum – Jubiläums- und Dokumentarfilm mit Zeitzeugen (2025)“ einst in Auftrag gegeben, sagt der Böblinger OB. Er werde als wichtiges Zeitdokument einen Ehrenplatz im Stadtarchiv finden. Vielleicht werde die Datei ja auch in 50 Jahren, pünktlich zum 1000. Ortsjubiläum, wieder geöffnet, „und dann sehen sie uns, unser Lachen, unsere Gemeinschaft“. Dieser Film sei ein „lebendiges Porträt dieses Stadtteils“.

Und so beginnt der rund 70-minütige Film mit einem Drohnenflug über den Ort und Ausschnitten aus den Interviews mit OB Belz und Hendrik Queck, die das Filmteam der Firma Blue Media Entertainment aus Dettenhausen bereits im vergangenen Jahr unter der frisch gepflanzten Jubiläumslinde gedreht hat. Dagersheim sei „idyllisch, bodenständig, engagiert“, sagt Belz darin. Und Queck fügt hinzu: „Dagersheim bedeutet für mich Heimat.“

127 Stunden Material hat das Filmteam aufgenommen, ein Großteil entstand bei den 14 ganz unterschiedlichen Veranstaltungen, die filmisch begleitet worden sind. Darunter sind etwa die Vorstellung des historischen Heimatfilms im Januar 2025, ein Seniorennachmittag, das im Sommer aufgeführte Musical, das Schlapphüadle-Fest oder der Weihnachtsmarkt. Immer und überall zu sehen: lachende Gesichter, gelebte Gemeinschaft, ehrenamtliches Engagement.

Maskottchen Dagoldi darf nicht fehlen

Einen prominenten Platz im Reigen der Erinnerungen nimmt auch Dagersheims Maskottchen Dagoldi ein, jene überlebensgroße, rote Schlange mit Krone auf dem Kopf, die eigens für das Jubiläumsjahr geschaffen worden ist und die sich seitdem in die Herzen vieler Dagersheimer geschlängelt hat.

Wegen ihrer Beliebtheit hat sie mittlerweile gar als Stofftier einen Platz in vielen Kinderzimmern gefunden – genau wie in den Einsatzfahrzeugen der Feuerwehr, wie Feuerwehr-Veteran Werner Eisenhans im Interview erzählt.

Dagoldi hat sich in die Herzen vieler Dagersheimer geschlängelt. Foto: Böblingen

Besonders eindrückliche Szenen

Die Szenen aber, die nach dem Abspann am längsten nachhallen, sind die Zeitzeugen-Interviews. Darin erzählen fünf Menschen von ihrer Kindheit und Jugend in Dagersheim. Gerhard Rösch etwa, der sich an die Nacht der Bombardierung Pforzheims während des Zweiten Weltkriegs erinnert. „Der Himmel war voller Flieger“, sagt er. Der ganze Horizont sei vom Feuerschein rot gefärbt gewesen. „Das vergisst man nie mehr.“

Oder Katharina Hedwig, die sehr offen und anrührend von ihren Verlustängsten als Kriegskind berichtet, die aus dem Kindergarten weglief, weil sie meinte, ihre Mutter durch ein Fenster gesehen zu haben.

Und so ist der Jubiläumsfilm ein Spiegel des Lebens in all seinen Facetten geworden: Freud’ und Leid, Kameradschaft, Engagement, Heimat, Zusammenhalt, in guten wie in schlechten Zeiten. Es wäre in der Tat interessant zu wissen, was die Mitarbeiter des Böblinger Stadtarchivs in 50 Jahren bei einem Klick auf die Filmdatei wohl denken werden.

Der Film fürs persönliche Archiv

Kontakt
 Wer sich den Jubiläums-Film ansehen möchte, am Wochenende aber zu keiner der beiden Premieren-Vorstellungen kommen konnte, oder wer ihn gar für sein persönliches Archiv besitzen möchte, der muss sich bis Freitag, 13. März, per E-Mail bei Projektleiterin Melanie Häußler unter der Adresse m.haeussler@boeblingen.de melden.

Kosten
 Der Film wird dann auf einem USB-Stick gespeichert und anschließend an die angemeldeten Adressaten verteilt. Die Kosten betragen ungefähr 15 Euro, sagt Melanie Häußler.

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