965 Parkplätze für Daimler Heikle Investition in bessere Luft

Von Jörg Nauke 

Die Stadt genehmigt am Tag des Feinstaubalarms Daimler für drei Jahre fast 1000 neue Parkplätze. Das lässt sich nur rechtfertigen, wenn man daran glaubt, dass es dem ÖPNV einmal nutzen wird, meint StZ-Autor Jörg Nauke.

Hier sollen drei Jahre lang Autos geparkt werden dürfen. Foto: Storck/StN-Bearbeitung: Lange
Hier sollen drei Jahre lang Autos geparkt werden dürfen. Foto: Storck/StN-Bearbeitung: Lange

Stuttgart - Jede einzelne Fahrt, die nicht mit dem Auto zurückgelegt wird, ist ein Beitrag für die Gesundheit aller“, so lautete anlässlich der Feinstaubwarnung der Appell von OB Fritz Kuhn (Grüne), öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen. Nur wenige Stunden zuvor hat der Gemeinderat allerdings der Schaffung von 965 Parkplätzen vor dem Daimler-Werkstor zugestimmt. Von dort sind es nur vier Kilometer Luftlinie zum neuralgischen Neckartor. Widersprüchlicher kann Kommunalpolitik nun wirklich nicht mehr daherkommen – vor allem wenn man sich vorstellt, man würde bereits 2018 schreiben, denn dann würde Kuhn nicht alarmieren, sondern das Fahren in der Stadt ganz verbieten. Man darf davon ausgehen, dass dann auch Daimler-Mitarbeiter einbezogen würden.

Parkleitsystem soll nichts bringen

Maßnahmen gegen die Luftverschmutzung zu fordern und gleichzeitig das Problem zu verschärfen, dürften nicht nur die Linksausleger im Gemeinderat für inkonsequent erachten. Wenig zielführend ist aber auch die Haltung der Verwaltung, die ein Parkleitsystem rund ums Stadion für unnötig hält, weil keine Anwohner betroffen seien. Jedes ausgestoßene Gramm Stickoxid im Neckarpark schlägt sich zum Teil auch am Neckartor nieder.

Der Umstand, dass ein vorübergehender Engpass im Werk durch Neu- und Umbauten kompensiert werden solle, und das auch nur für drei Jahre, lässt die Forderung aus Sicht des Automobilkonzerns verständlich erscheinen. Allerdings hat es die Daimler AG nicht für nötig erachtet, ihre Bitte nach Interimsparkplätzen, die wie eine Forderung daher kommt, mit aussagekräftigem Zahlenmaterial zu unterlegen. Hier liegt eine eindeutige Bevorzugung vor. Sinnvolle Alternativen zur Anreise mit dem eigenen Auto wollte man der neuen Belegschaft offenbar nicht zumuten.

Verbunden mit der Baugenehmigung ist nun die Hoffnung, den Verkehr zwischen Daimlerstraße und Werkstor mehr als bisher auf Bus und Bahn zu konzentrieren. Aktuell sind die Anreize stärker, mit dem Mercedes zur Arbeit zu fahren, vor allem, weil das Parken kostenlos ist. Soll der ÖPNV eine Alternative sein, müsste sich das ändern – bei einem besseren Angebot, also der Verlängerung der U 19 bis vors Museum.

Sonderthemen