Weihnachten im Kreis Böblingen Erlebnis für die ganze Familie: Christbäume selber schlagen

, aktualisiert am 19.12.2025 - 15:57 Uhr
Bernhard Weimer liebt das Geschäft mit den Weihnachtsbäumen. Foto: Stefanie Schlecht

Die Aufzucht von perfekten Christbäumen macht viel Arbeit. Ein Besuch auf der Hofschuir in Bondorf, wo Bernhard Weimer Nadelbäume aufzieht und Kunden selbst Hand anlegen dürfen.

Böblingen: Leonie Schüler (lem)

Es gibt dicke und dünne, gerade und leicht gebogene, haushohe und kniehohe. Fast alle sind prächtig gewachsen, ganz wenige Kümmerliche möchte man gern aus Mitleid zu sich ins Wohnzimmer holen. Die Weihnachtsbäume, die auf dem Gelände der Hofschuir Weimer in Bondorf wachsen, sind so unterschiedlich wie die Menschen, die sie für ihre weihnachtlichen Wohnstuben besorgen. „Meistens wollen die Kinder einen anderen als die Eltern“, weiß Bernhard Weimer aus Erfahrung und stapft durch die harzig duftenden Reihen.

 

Am Samstag vor dem ersten Advent hat auf seinem Hofgelände der Verkauf von Weihnachtsbäumen begonnen. Das Besondere: Neben transportfertigen Bäumen können die Kunden ihren Weihnachtsbaum auch selbst schlagen. Wobei „schlagen“ eine trügerische Redewendung ist: „Man muss sie sägen“, sagt Weimer, der den Hof zusammen mit seinen beiden Söhnen betreibt. Handsägen verleiht er am Hof, Motorsägen sind nicht erlaubt.

Die größten Christbäume sind 15 Jahre alt

Wer durch die Baumreihen wandelt, hat die Qual der Wahl. Wie viele Nordmanntannen und Blaufichten er auf seinem Gelände stehen hat, verrät der Baumzüchter nicht. Nur so viel: Es seien mehrere Felder in verschiedenen Lagen, um das Risiko von Frost- oder Hagelschäden zu streuen. Die größten Bäume sind vier, fünf Meter hoch und zwischen zwölf und 15 Jahre alt. Die klassische mannshohe Größe, die ins Wohnzimmer passt, ist zwischen acht und zehn Jahre alt. Wer will, kann auch ein ganz kleines Bäumchen sägen. „Viele verschätzen sich und kaufen den Baum zu groß. Sie haben kein Maß, weil über ihnen der Himmel ist“, sagt Weimer.

Große Weihnachtsbäume, kleine Weihnachtsbäume – für alle ist was dabei. Foto: Stefanie Schlecht

Vor 40 Jahren hat der Forstunternehmer mit dem Verkauf von Christbäumen auf seinem Hofgelände angefangen und bald darauf begonnen, eigene zu pflanzen. Längst verkauft er ausschließlich eigene Bäume; seit sechs Jahren bietet er das Selberschlagen an, „weil die Leute danach gefragt haben“. Das Angebot kommt gut an, Kunden kämen teils aus 100 Kilometern Entfernung angefahren, sagt Weimer. Sie schätzten die Frische der Nadelbäume, die nicht aus Dänemark oder Polen weite Transportwege zurückgelegt haben. „Bei uns sind alle Bäume, die hier stehen, diese Woche geschlagen worden“, betont Weimer. Bis Weihnachten werde jede Woche gesägt, je nach Bedarf.

Weihnachtsbäume machen das ganze Jahr über Arbeit

Auch wenn die Adventszeit die umtriebigste Zeit auf der Hofschuir ist, machen die Weihnachtsbäume das ganze Jahr über Arbeit. Unter anderem werden krumme Spitzen festgebunden, damit sie sich gerade aufrichten. Jeder Baum bekommt einen Stab an die Spitze gebunden, um zu verhindern, dass sich ein Vogel darauf niederlässt und die Spitze abbricht. Jahr für Jahr im Frühjahr werden an allen Bäumen die Äste geschnitten, damit sie nicht zu breit wachsen. Jungpflanzen müssen in heißen Sommern bewässert werden. Nach Pilzen und Läusen wird geschaut, gedüngt und das Gras gemäht. Auch gespritzt werden müssen die Bäume ab und an, wenn möglich verwendet Weimer selbst hergestellte, biologische Mittel. Kurzum: „Wir gehen jedes Jahr mehrmals an jedem Baum vorbei.“

Von der Arbeit der klassischen Landwirte, die im Frühjahr säen und im Herbst ernten, unterscheidet sich das Geschäft mit der Aufzucht von Weihnachtsbäumen deutlich. „Du brauchst richtig viel Geduld und musst jahrelang investieren“, sagt Weimer, der die Bäume viele Jahre hegt und pflegt, ehe er sie verkaufen kann. Nur des Geldes wegen könne man diese Arbeit nicht machen, sagt der 60-Jährige, zumal er seit Jahren seine Preise nicht erhöht habe. „Immer mehr und mehr, das ist nicht unsere Philosophie.“

Warum er seine Arbeit trotzdem liebt? „Du bist draußen in der Natur, kannst an den Bäumen rumschaffen. Ich habe Freude daran“, sagt er und erzählt von den vielen Tieren, die er Tag für Tag beobachtet. Füchse, Dachse, Rebhühner und Hasen versteckten sich zwischen den Bäumen („Es gefällt ihnen hier, weil es eingezäunt ist und sie Ruhe vor den Hunden haben.“), auch für Vögel und Insekten seien die Nadelbäume und die Wiese, die er nur selten mäht, ein Biotop. „Neulich war hier ein Wiedehopf. Ich hab gedacht, ich seh’ nicht richtig.“

Einzig bedauert Weimer, dass er die Christbäume nicht vom Samen an aufziehen kann, doch dafür eignet sich der lehmige Boden der Region nicht. Deshalb bezieht er die Jungpflanzen von einem Betrieb in Schleswig-Holstein, auf dessen sandigem Boden die Bäumchen drei Jahre lang groß geworden sind. In Bondorf wachsen sie dann zu Christbäumen heran und bringen in der Adventszeit Glanz in die Wohnzimmer, Firmenlobbys und Kirchen.

Zwei Standorte bei Bondorf

Hofschuir
An der Hofschuir Bondorf, Wurmfeld 9, können täglich zwischen 9 und 18 Uhr Weihnachtsbäume gekauft oder geschlagen werden. Samstags und sonntags soll (ausschließlich zum Selberschlagen) zwischen 10 und 16 Uhr der Standort an der Wolfenhauser Straße in Bondorf angefahren werden, etwa 500 Meter nach dem Ortsende auf der linken Seite. Sägen werden verliehen.

Gemütlich
Wer den perfekten Baum gefunden hat, kann danach auf der Hofschuir Glühwein, Punsch, Waffeln und rote Wurst genießen. Zwei Heißgetränke werden pro Baum dazugeschenkt.

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Weihnachtsbaum Weihnachten