In mehreren Führungen hat die Deges seit Baubeginn Interessierten den Tunnel Goldberg gezeigt. Foto: Käthe Rueß
Der Tunnel Goldberg auf der A 81 zwischen Böblingen und Sindelfingen ist im Rohbau fast fertig. 2027 sollen die ersten Autos hindurch rollen. Was bis dahin noch passiert.
In einem Jahr sollen die ersten Autos durch den Tunnel Goldberg auf der Autobahn 81 zwischen Böblingen und Sindelfingen rollen. Dann – im ersten Quartal 2027 – soll die erste der beiden Röhren des Bauwerks für die Verkehrsfreigabe bereit sein. In der vergangenen Woche ist das letzte Stück der Tunneldecke betoniert worden. Damit sind alle Decken, Wände und der Boden komplett. Dass es trotzdem noch Monate dauert, bis das Bauwerk freigegeben wird, hat mehrere Gründe.
Der Tunnel, der sich – um Orientierungspunkte entlang der Autobahn zu nennen – etwa von Höhe des Schauwerks in Sindelfingen bis zum Smart-Turm in Böblingen erstreckt, soll den Lärm schlucken, der von der Autobahn kommt. 850 Meter ist er inzwischen lang. Es fehlen noch die Eingänge – die Portale. Und jede Menge Technik.
Lärmschutzwände werden zusätzlich auf rund der Hälfte der Strecke installiert. Foto: Stefanie Schlecht
A-81-Ausbau: Lärmschutzwände auf 3,4 Kilometern gegen Autobahnlärm
Weil die gesamte Autobahnstrecke, die im Kreis Böblingen auf sechs Spuren ausgebaut wird, aber 7,2 Kilometer lang ist, reicht der Tunnel nicht aus, um den Krach einzudämmen, den das hohe Verkehrsaufkommen verursacht. Eine Verkehrsprognose rechnet 2030 mit bis zu 151 000 Fahrzeugen pro Tag, davon bis zu zwölf Prozent Lastwagen.
Darum kommen zusätzlich Lärmschutzwände an die Seiten der A 81. Mit ihrer gekrümmten Form sollen die auf 3,4 Kilometern, also etwa der Hälfte der Länge der jetzigen Baustelle, gegen die Immissionen helfen. „Wenn wir die herkömmlichen, vertikalen Wände nutzen würden, müssten die noch höher sein“, sagt Projektleiter Johannes Kuhn. Auch so würden die Lärmschutzwände zwischen neun und zwölf Meter hoch.
„Geplant werden begrünte Freiflächen, Photovoltaikanlagen, ein Radschnellweg sowie Rad-, Fuß- und Betriebswege“
Michael Botsch, Stadt Sindelfingen
Die Deges (Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH) lässt den Tunnel, der inzwischen den Namen Tunnel Goldberg trägt, seit knapp drei Jahren überirdisch bauen. Der Autobahnverkehr führt seit Mai 2023 an der Tunnelbaustelle vorbei – inzwischen nicht mehr auf dem Bestand, sondern auf einem Provisorium. Nach dem aktuellen Zeitplan sollen die ersten Autos im ersten Quartal 2027 durch die nördliche Tunnelröhre (Sindelfinger Seite) rollen, während der Tunnel vollends an die neu gebaute Autobahn angeschlossen wird. Erst einmal fahren dann beide Richtungen – Richtung Stuttgart und Richtung Singen – durch eine Tunnelröhre.
Lärmschutztunnel auf der A 81: Techniker bereiten Schaltzentrale für Tunnelfunk vor
Etwa in der Mitte des Tunnels sitzt schon jetzt die Schaltzentrale auf dem Deckel. Sie ist schon seit Jahresende im Rohbau fertig. Das Dach des Betriebsgebäudes wird irgendwann begrünt. Später wird der ganze Tunnel mit Erde überschüttet. Was sonst noch auf den Deckel kommt, entscheidet der Sindelfinger Gemeinderat, da der Tunnel auf der Gemarkung der Daimlerstadt liegt. Geplant werden demnach „begrünte Freiflächen, Photovoltaikanlagen, ein Radschnellweg sowie Rad-, Fuß- und Betriebswege“, sagt Stadtsprecher Michael Botsch.
Derzeit sind etliche Techniker und Bauarbeiter damit beschäftigt, das Tunnel-Betriebsgebäude auf seine Funktion vorzubereiten. Von außen wird es verputzt, von innen ist unter anderem Vodafone am Werk, um den Tunnelfunk einzurichten. Schaltschränke seien noch keine im Haus, aber es sei bereits ein doppelter Boden eingebaut, sodass Kabelstränge darunter verlaufen können.
Tunnel Goldberg: 80.000 Liter Löschwasser als Vorrat
Das Betriebsgebäude hält einen eigenen Löschwasservorrat parat, damit bei Bränden im Tunnel nicht auf die Feuerwehr gewartet werden muss. Wichtig ist darum gerade, dass der Raum, in dem das Wasser gelagert wird, abgedichtet wird. Rund 80 Kubikmeter Wasser – 80 000 Liter – sind vorgesehen. Wie viel Löschwasser vorgehalten wird, sagt Kuhn, bemisst sich unter anderem aus der Länge des Tunnels.
Den Bau der Portale, durch die der Verkehr in den Tunnel fließen wird, hat die Deges mit Absicht bis zum Ende aufgespart. Beim östlichen Portal steht inzwischen die Verschalung, die es braucht, um es zu betonieren. Ein Knackpunkt, der die Herstellung erschwert, ist die Verbindung des Portals zu den Lärmschutzwänden. „Wir kommen mit hohen, gekrümmten Lärmschutzwänden an und müssen in einen rechteckigen Tunnelquerschnitt gehen“, erklärt Kuhn. Das erfordere gute Planung.
Der Ausbau der A 81
Das Projekt Die Autobahn zwischen Sindelfingen-Ost und Böblingen-Hulb wird auf einer Länge von 7,2 Kilometern auf sechs Spuren erweitert. Die Bauarbeiten begannen 2021 und sollen 2028 abgeschlossen sein.
Kosten Zu Beginn der Riesenbaustelle gingen die Verantwortlichen von 360 Millionen Euro Investitionskosten aus. Inzwischen liegt die Schätzung bei fast 500 Millionen Euro.
Sperrungen In diesem Jahr wird es noch einige kurzzeitige Sperrungen der A 81 zwischen Sindelfingen-Ost und Böblingen-Hulb geben. Die nächste steht in der Nacht von Mittwoch, 11. März, auf Donnerstag, 12. März, an. Von 22 bis 5 Uhr ist die Fahrtrichtung Singen geschlossen. In der Nach von Donnerstag, 12., auf Freitag, 13. März, wird die Autobahn dann Richtung Stuttgart gesperrt.