„A Kind Of Magic“ in Stuttgart Kleine Wunder gibt es immer wieder
In der neuen Show „A Kind Of Magic“ im Friedrichsbau Varieté in Stuttgart kann man seinen Augen kaum trauen, denn hier ist fast alles nur eine Illusion. Oder etwa nicht?
In der neuen Show „A Kind Of Magic“ im Friedrichsbau Varieté in Stuttgart kann man seinen Augen kaum trauen, denn hier ist fast alles nur eine Illusion. Oder etwa nicht?
Obwohl Jungfrauen schon seit mehr als hundert Jahren schweben oder zersägt werden und die allmächtige künstliche Intelligenz natürlich auch hierzu weiß, wie’s gehen soll, darf man darüber immer wieder aufs Neue staunen. Das italienische Duo Andrew O’Ryon und Lady V sind in der Friedrichsbau-Varieté-Show „A Kind Of Magic“ für solch große Illusionen zuständig, die mit ebenso großem Anlauf und Gesten über die Bühne gehen. „Magie ist überall dort im Leben, wo wir sie sehen“, sagt der Varieté-Direktor Timo Steinhauer bei der Premiere in Stuttgart. Wobei man heutzutage kaum noch weiß, ob man seinen Augen wirklich trauen darf.
Durch den Abend führt „ein außergewöhnlich gut aussehender Ausnahmekünstler“, wie sich Luke Dimon in aller Bescheidenheit selbst ankündigt. Er lebt da, „wo andere Urlaub machen – in Bochum“. Aber er arbeitet auch dort, wo andere Urlaub machen. Nicht auszudenken, wenn er es nicht rechtzeitig nach Stuttgart geschafft hätte, weil er wegen eines Engagements auf einem Kreuzfahrtschiff in Dubai festsaß.
Er ist nicht nur der Anker der Show und leitet mit frechen Kommentaren zu den einzelnen Acts über, sondern kann auch selbst ziemlich gut tricksen: lässt minutenlang mit Sand aus seiner Hand die Zeit verrinnen und jongliert singend so rasant mit einem halbvollen Whiskeyglas, bis es halbleer ist und man in den ersten Reihen lieber mal die Köpfe einzieht.
Ohnehin werden die „Mitmachplätze“ vorne im Publikum mehr als einmal ihrem Namen gerecht, aber keine Angst: „Die tun ja nichts.“ So witzelt Luke Dimon, als er von der sich „freiwillig meldenden“ Doris erfährt, dass sie eine Beamtin ist. Sie und den Banker Oliver benutzt er für einen Kartentrick als Handpuppen, denn nebenbei ist der ehemalige Deutsche Meister der Zauberkunst auch noch Bauchredner.
Zwischen kleinen Späßen und großen Effekten sind es aber mehr die leisen Momente, die voller Charme und Poesie stecken. Wenn die Stuttgarterin Jaana Felicitas, ebenfalls schon Deutsche Meisterin, nicht mit Sand, sondern mit in der Hand wachsenden und schmelzenden Eiszapfen die Zeit vergehen lässt oder mit einem schwerelosen Stuhl tanzt. Oder wenn der Venezolaner Winston Fuenmayor seine pantomimischen Theaterstücke aufführt, in denen er zum Beispiel ein Gefangener immer mehr aus dem Nichts auftauchender Karten ist, die an ihm kleben.
Der Finne Hannu Juntunen, der für die Show extra schöne deutsche Wörter wie „postnatale Depression“ gelernt hat, lässt zwar einen ähnlichen Kartentrick vom Stapel. Aber diese kleine Dopplung sei verziehen, da er mit ernster Mine auch Dinge im Publikum verschwinden und ganz woanders wieder erscheinen lassen kann.
Da die meisten der Nummern recht kurz sind und sich die Künstlerinnen und Künstler häufig abwechseln, ist kein Platz für Langeweile. Das Duo Rose spielt zudem eine ganz andere Farbe der Varietéwelt, verzaubert ohne Tricks und doppelten Boden. Schlangenfrau hätte man früher, als die Jungfrauen zu schweben begannen, wohl eine wie die US-Amerikanerin Sylvia genannt. Heute sagt man Kontorsion zu den unglaublichen Verdrehungen, die sie mit ihrem Körper auf der Bühne macht. In der Höhe am Trapez sieht das mit ihrem Partner Samuel weniger schmerzhaft, dafür gefährlicher aus. Aber da die beiden bereits seit 2007 sehr aneinander hängen, werden sie schon wissen, wie weit sie sich in ihrer eleganten Luftakrobatik aufeinander verlassen können.
„Der Mann hat Muskeln an Stellen, wo ich nicht mal Stellen habe“, sagt Luke Dimon über das Kraftpaket, das auch komödiantisches Talent hat. So unterstützt Samuel den komischen Magier bei der Erklärung eines Zaubertricks. Dass man nach der Wiederholung in Zeitlupe noch weniger weiß als zuvor, versteht sich von selbst. Denn auch, wenn es eigentlich keine Geheimnisse mehr gibt – „die Welt der kleinen Wunder“, wie Timo Steinhauer sagt, sollte man gerade in diesen Zeiten so lange wie möglich bewahren, selbst wenn nichts davon wahr sein sollte.
A Kind Of Magic Vorstellungen im Friedrichbsau Varieté bis 7. Juni, donnerstags bis samstags um 20 Uhr, sonntags um 18 Uhr