Es ist eine der größten Baustellen im Land: die so genannte Enztalquerung bei Pforzheim. Das Projekt startete schon mit Verspätung. Die Fertigstellung wurde auf 2027 erneut verschoben.
Stau zwischen Pforzheim-Ost und Pforzheim-West, stockender Verkehr in Richtung Karlsruhe ab Heimsheim – kaum eine Verkehrsinfo im Radio vergeht ohne Staumeldung auf der Autobahn 8 bei Pforzheim. Bereits seit Oktober 2021 wird dort auf 4,8 Kilometern Länge an der Enztalquerung gebaut. Eine Fertigstellung ist erst für 2027 erwartet. Doch was wird dort eigentlich gemacht?
Was ist die Enztalquerung?
Unter diesem Begriff fasst die Autobahn GmbH Südwest, die die Baumaßnahmen für den Bund verantwortet, eine ganze Zahl an Infrastrukturvorhaben zusammen, die im Bereich Pforzheim derzeit umgesetzt werden. Zuvorderst geht es um den Ausbau der A8 von zwei auf drei Fahrspuren je Richtung, das letzte Teilstück zwischen Karlsruhe und Leonberg. Doch anstatt nur jeweils eine Fahrspur anzubauen, wird der gesamte Bereich komplett umgestaltet.
Das ist sicherlich der Vielzahl an Baumaßnahmen geschuldet. Neben dem Ausbau der A8 wird die Bundesstraße 10 bei Pforzheim-Ost vierspurig ausgebaut, die Anschlussstelle Pforzheim-Ost komplett umgebaut und die Park- und WC-Anlage Enztal-Süd neu gebaut. Insgesamt acht Autobahnbrücken werden neu errichtet (vier sind schon fertig), darunter auch eine Eisenbahnbrücke. Zu den weiteren Projekten gehören Lärmschutz, eine Grünbrücke sowie Regenrückhaltebecken, Entwässerungssystem und ein Klärbecken.
Was passiert direkt auf der A8?
Am Streckenverlauf an sich ändert sich nichts, jedoch wird das Profil der Autobahn stark umgestaltet. Zum einen ist das Gelände schwierig. Die Ursprungs-Autobahn wurde noch vor dem Zweiten Weltkrieg gebaut und folgt den Höhenzügen des Kraichgaus und Nordschwarzwalds bis ins Heckengäu. Der Abschnitt ist geprägt von Steigungsstrecken und engen Kurven, es gab kurze und daher gefährlich Auf- und Abfahrten. „Die Steigung und das Gefälle im Bereich der Pforzheimer Senke werden deutlich reduziert“, informiert die Autobahn GmbH Südwest.
Die Fahrbahn wird quasi tiefergelegt, an einigen Stellen sogar bis zu 13 Meter. Dafür werden laut Autobahn GmbH 1,1 Millionen Kubikmeter Gestein und Erde abgetragen. Die Stadt Pforzheim hatte passend dazu zum 1. April ein Schild mit „Pforzheimer Tiefpunkt. Deutschlands längste Strecke für garantierte Schrittgeschwindigkeit“ aufgestellt – eine Anspielung nicht nur auf die Absenkung sondern auch den ewigen Stau.
Derzeit entsteht die neue Enzbrücke in Fahrtrichtung Stuttgart. Foto: Autobahn GmbH Südwest
Gleichzeitig werden Lärmschutzwälle und -wände errichtet, vor allem westlich der Enz. Östlich der Enz, wo die Wohngebiete von Eutingen und Kieselbronn bis an die Autobahn reichen, entsteht eine 380 Meter Übertunnelung. Die erste Röhre in Richtung Stuttgart ist fast fertig, der Rohbau ist fertig. „ Dazu gehören der Bau eines Beckens zur Löschwasserversorgung und eines Gebäudes für die Betriebstechnik. Aktuell werden die Notgehwege und der Untergrund für die Fahrbahn hergestellt“, meldet die Autobahn GmbH.
Was passiert dieses Jahr noch?
Damit die Tunnelröhre in Richtung Stuttgart in Betrieb genommen werden kann, erfolgt jetzt der Innenausbau. Dazu zählen Tunnelbeleuchtung und Sicherheitstechnik, etwa die Brandmeldeanlage. Danach folgt die Fahrbahn. Die Enzbrücke sowie die Brücke über die B10, beides in Fahrtrichtung Stuttgart, sollen ebenfalls dieses Jahr fertig werden. Die Grünbrücke bei Pforzheim-Süd ist bereits gebaut. Hier wird bis Herbst noch bepflanzt.
Wird die Autobahn dieses Jahr noch einmal gesperrt?
Ja, aber voraussichtlich nur einmal im August und dann nur in einer Nacht von Samstag auf Sonntag. Diese Sperrung hat aber nichts mit der Enztalquerung zu tun, sondern mit dem Bau einer Stromtrasse der TransnetBW, die über die Fahrbahn geht. Die Abfahrt Pforzheim-Ost in Fahrtrichtung Stuttgart bleibt weiter gesperrt. „Auf- und Abfahrten werden dieses Jahr nicht freigegeben oder neu gesperrt“, teilt die Autobahn GmbH auf Nachfrage mit. 2026 wird es aber wieder zu Vollsperrungen der A8 kommen.
Voraussichtlich Anfang des nächsten Jahres. Dann wird die Fahrbahn in Richtung Stuttgart komplett fertiggestellt sein, inklusive Übertunnelung, Brückenneubauten und abgesenkter Fahrbahn. Erst dann wird der komplette Verkehr auf die neue Fahrbahn verlegt und mit den Arbeiten auf der Richtungsfahrbahn Karlsruhe begonnen. Die Enzbrücke in Richtung Karlsruhe ist bereits fertig und wird genutzt, muss aber noch an ihre finale Stelle geschoben werden.
Warum wird die Baustelle verspätet fertig?
Als im Oktober 2021 begonnen wurde, lag man schon anderthalb Jahre hinter dem Zeitplan. Das beauftragte Planungsbüro war damals mit dem Auftrag überfordert gewesen, Ausschreibung hatten erst später erfolgen können. Im Herbst 2021 ging man von einer Fertigstellung im Jahr 2026 aus. „Beim Neubau der Enzbrücke kam es Ende 2023 aufgrund unerwarteter technischer Schwierigkeiten mit dem alten Bestandsbauwerk zu einer Änderung im Bauablauf“, teilt die Autobahn GmbH mit. Wann genau mit einer Fertigstellung im Jahr 2027 zu rechnen ist, bleibt ungewiss. „Das konkrete Datum kann aufgrund witterungsbedingter Abhängigkeiten einzelner Arbeiten heute noch nicht benannt werden“, heißt es dazu. Sechseinhalb Jahre Baustellendauer werden es dann mindestens sein.
Wie teuer wird es?
Geplant wurde ursprünglich mit 150 Millionen Euro. Doch die Verzögerungen bei der Planung und Ausschreibung, aber auch Preissteigerungen während der Coronapandemie trieben die Kosten schließlich auf 340 Millionen Euro hoch – also mehr als doppelt so viel. Dabei soll es aber bleiben. „Ziel ist es, im vereinbarten Kostenrahmen des Gesamtprojektes von rund 340 Millionen Euro zu bleiben“, schreibt die Autobahn GmbH.
Baustellenfortschritt
Internet Über den aktuellen Stand informiert die Autobahn GmbH Südwest regelmäßig auf www.autobahn.de/a8-enztalquerung. Dort finden sich auch aktuelle Fotos sowie eine Video-Simulation, wie das fertige Projekt aussehen soll.