Aalborg Handbold Großangriff auf die europäische Handballelite

Der dänische Superstar Mikkel Hansen (Mi.) trägt noch bis 2022 das Trikot von Paris Saint-Germain, dann wechselt er zu Aalborg HB. Foto: imago//Kevin Domas

Ein Handballclub aus Dänemark befindet sich im Kaufrausch und holt Superstars wie Mikkel Hansen und Aron Palmarsson. Was steckt hinter diesem Projekt?

Sport: Jürgen Frey (jüf)

Aalborg/Stuttgart - Schon die derzeitige sportliche Lage kann sich durchaus sehen lassen. Nach fünf dänischen Meisterschaften stehen die Handballer von Aalborg Handbold erstmals im Viertelfinale der Champions League. An diesem Donnerstag (18.45 Uhr) geht es daheim gegen die SG Flensburg-Handewitt, am 19. Mai (20.45 Uhr) steht das Rückspiel beim deutschen Meister der Jahre 2018 und 2019 auf dem Programm. Es geht um den Einzug ins Final Four nach Köln (12./13. Juni). Doch der Großangriff auf die europäische Handballelite steht für das dänische Spitzenteam erst noch bevor.

 

Mikkel Hansen kommt 2022

Endgültig das Signal auf Grün gestellt hat dabei die Nachricht vom vergangenen Februar: Superstar Mikkel Hansen, der beim französischen Abonnement-Meister Paris Saint-Germain pro Saison eine knappe Million Euro verdienen soll, unterschrieb einen Dreijahresvertrag und spielt von 2022 an wieder in seinem Heimatland. Zuvor hatte sich Aalborg Handbold für die kommende Saison bereits dreimal in der Bundesliga bedient.

Lesen Sie hier: Jacob Bagersted sagt, was den dänischen Handball so stark macht

Die Transfers von Kristian Björnsen (HSG Wetzlar), Martin Larsen (SC DHfK Leipzig) und Jesper Nielsen (Rhein-Neckar Löwen) sind Schnäppchen im Vergleich zu Hansen und zu dem zweiten Weltstart, den der Club aus Nordjütland zuletzt als Neuzugang verkündete: Der geniale isländische Spielmacher Aron Palmarsson kommt im Sommer vom spanischen Renommierclub FC Barcelona. Der Domino-Effekt scheint weiterzugehen: Auf dem Wunschzettel steht Rückraumspieler Mads Mensah Larsen, der Flensburger spielte von 2012 von 2014 schon einmal für Aalborg.

Dank Multimillionär im Kaufrausch

Bleibt die Frage, wie der Verein sich die Crème de la Crème leisten kann? Den Kaufrausch ermöglicht ein Multimillionär. Eigild B. Christensen hat 2006 seine Druckerei Color Print für mehr als 100 Millionen Euro verkauft und investiert seit 2010 mit ökonomischem Kalkül viel Geld in erfolgreichen Handball in der 130 000-Einwohner-Stadt. Ausgerechnet in der Coronapandemie gibt der Hauptgesellschafter von Aalborg Handbold auf dem Transfermarkt so richtig Gas. 65 Prozent der Anteile hält Christensen. Den Rest teilen sich Clubdirektor Jan Larsen und der Online-Shop-Inhaber Mark Nielsen. „Das Ganze ist über Jahre gewachsen, da sind bodenständige Leute in gesunden Strukturen mit einer breiten Sponsorenbasis am Werk“, sagt Jacob Bagersted, der dänische Kapitän von Frisch Auf Göppingen, das vor dieser Saison die Rückraumspieler Janus Smarason und Tobias Ellebaek aus Aalborg in die Bundesliga geholt hat.

Lesen Sie auch: Frisch Auf Göppingen bleibt zum vierten Mal ohne Sieg

Das Projekt in Aalborg sei absolut seriös, behauptet Bagersted. Kein Vergleich also mit den Geschäften eines anderen Dänen vor rund einem Jahrzehnt: Der großspurig auftretende Unternehmer Jesper Nielsen war nach dem Verkauf seiner Modeschmuckfirma Pandora bei den Rhein-Neckar Löwen und bei AG Kopenhagen groß eingestiegen, um sich später mit lautem Knall und dem Hinterlassen vieler Fragezeichen zu verabschieden.

Aus unserem Plus-Angebot: Interview mit Martin Schwalb: „Der HSV ist mein Baby“

In Aalborg stimmen neben dem Geld auch die weichen Faktoren: „Das ist eine schöne Stadt mit einem großen Flughafen, und der Sport spielt eine große Rolle – mit traditionsreichen Erstligisten auch im Fußball und Eishockey“, weiß der Göppinger Kreisläufer. Und Reisestress gibt es für die Spieler nur bei internationalen Auftritten. Die weiteste Auswärtsfahrt zu einem Ligaspiel ist in dreieinhalb Stunden bewältigt. Die Heimspiele steigen im 5000 Zuschauer fassenden Gigantium. Dort gibt es neben der Handballhalle und der Geschäftsstelle auch ein Schwimmbad, eine Lounge und Krafträume. Das ist für den Großangriff auf die europäische Elite zwar nicht entscheidend, aber die Annehmlichkeiten nehmen Hansen, Palmarsson und Kollegen im Herbst ihrer Karriere gerne mit.

Viertelfinale

HC Meshkov Brest – FC Barcelona (Hinspiel: 12. Mai, 18.45 Uhr/Rückspiel: 20. Mai, 20.45 Uhr).

THW Kiel – Paris Saint-Germain (Hinspiel: 12. Mai, 20.45 Uhr/Rückspiel: 19. Mai, 18.45 Uhr).

Aalborg Håndbold – SG Flensburg-Handewitt (Hinspiel: 13. Mai, 18.45 Uhr/Rückspiel: 19. Mai, 20.45 Uhr).

HBC Nantes – KC Veszprém (Hinspiel: 13. Mai, 20.45 Uhr/Rückspiel: 20. Mai, 18.45 Uhr).

Final Four 2021

12. und 13. Juni in Köln.

Titelverteidiger

Der deutsche Meister THW Kiel hat das Final Four 2020 Ende Dezember in Köln gewonnen. Die Mannschaft von Trainer Filip Jicha gewann das Halbfinale gegen KC Veszprém mit 36:35 nach Verlängerung und das Endspiel gegen den FC Barcelona überraschend souverän mit 33:28. Im Spiel um Platz drei besiegte Paris Saint-Germain Veszprém mit 31:26.

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Champions League Dänemark