Ab Mai 2026 Freibad in Böblingen mit Einschnitten: Kürzere Öffnungszeiten, höhere Preise
Bis 2030 sollen die Preise schrittweise steigen und unter der Woche verkürzt das Bad die Öffnungszeiten. Wie die Böblinger Stadtwerke diesen Schritt begründen.
Bis 2030 sollen die Preise schrittweise steigen und unter der Woche verkürzt das Bad die Öffnungszeiten. Wie die Böblinger Stadtwerke diesen Schritt begründen.
Schlechte Nachrichten für alle begeisterten Schwimmer und Wasserratten: Das Böblinger Freibad schränkt seine Öffnungszeiten ein und hebt bis 2030 stufenweise die Preise an. Christine Tomschi, Geschäftsführerin der Böblinger Stadtwerke (SWBB), stellte am Mittwochabend im Gemeinderat die Gründe dafür vor.
Ab der kommenden Saison schließt das Freibad unter der Woche zwischen 9 und 11 Uhr und macht abends früher zu. Am Wochenende hat es durchgängig geöffnet. Auch die erste Preiserhöhung gilt ab diesem Jahr und betrifft alle Freibadbesucher und -nutzer – egal ob sie eine Einzelkarte kaufen, in die Sauna wollen oder als Verein eine Bahn mieten.
Bis 2030 ist bei den Einzelkarten eine Erhöhung auf 5,40 Euro vorgesehen, bei den ermäßigten Tickets auf 3,20 Euro und bei den Kinderkarten auf 2,90 Euro.
Am größten sind die Preissprünge bei der Vermietung der Bahnen an Schulen und Vereinen. Die Nutzungsgebühr steigt jeweils um 15 Prozent. So müssen Böblinger Schulen und Vereine ab diesem Jahr beispielsweise 17 Euro statt 14,60 Euro zahlen und bis 2030 19,70 Euro.
Seit 2019 haben die SWBB die Eintrittspreise nicht erhöht, bei den Bahnvermietungen sogar seit 2016. Nun sehen sie offenbar keine andere Möglichkeit mehr. Tomschi zufolge sind es vor allem Kostensteigerungen bei Energie und Löhnen und höhere Anforderungen an die Sicherheit, die sowohl die Preiserhöhungen als auch die eingeschränkten Öffnungszeiten notwendig machen.
Öffentliche Hallen- und Freibäder können sich in der Regel nicht selbst finanzieren. So hat die Bädersparte in Böblingen laut Sitzungsvorlage beispielsweise im Jahr 2024 rund eine Million Euro eingenommen, auf der anderen Seite stehen aber Ausgaben von 4,5 Millionen Euro – unter dem Strich steht also ein Verlust von knapp 2,5 Millionen Euro. Die Kommunen, in diesem Fall Böblingen, gleichen solche Verluste aus.
Für 2026 rechnen die Stadtwerke sogar mit einem Minus von 3,8 Millionen Euro. Eine Summe, die die Erhöhung der Eintrittspreise und Nutzungsgebühren bereits berücksichtige. Damit das Minus nicht noch größer wird, ist es offenbar notwendig, zusätzlich zu den Preiserhöhungen die Öffnungszeiten zu reduzieren. Denn zu gestiegenen Lohn- und Energiekosten kommt, so Tomschi, ein weitere Faktor hinzu, der teuer ist: Steigende Anforderungen an die Sicherheit, die hohen Personaleinsatz verlangten. Je nach Auslastung des Bades müsse beispielsweise eine bestimmte Anzahl an Fachkräften den Betrieb überwachen. Das Personal der SWBB reiche dafür nicht aus, zumindest wenn die Öffnungszeiten so bleiben, wie gehabt.
Um in den vergangenen Jahren die Öffnungszeiten zu gewährleisten, setzen die Stadtwerke zusätzlich zum eigenen Personal auf geliehene Fachkräfte. Das sei aus Kostengründen aber so nicht mehr möglich. Deshalb gilt von Mai bis September: Das Freibad öffnet unter der Woche von 6.30 Uhr bis 9 Uhr, schließt zwei Stunden und ist dann wieder von 11 bis 19 Uhr geöffnet, statt wie bislang bis 19.30 Uhr und im Hochsommer sogar bis 20 Uhr. Am Wochenende hat es von 9 bis 19 Uhr geöffnet.
Die Stadträtinnen und Stadträte nahmen die Nachricht über die Öffnungszeiten gefasst auf. Zwar gab es viele Fragen zu Details, doch niemand stellte das Konzept ganz grundsätzlich infrage. Auch bei der Erhöhung der Eintrittspreise und Nutzungsgebühren, über die die Räte abstimmten, blieb die Diskussion im Gremium sehr ruhig und sachlich.
Allerdings hatte es im Vorfeld und in der Sitzung des Finanzauschusses wohl deutliche Kritik an den Plänen gegeben. Ein zentraler Punkt: das teurere Ticket für Kinder- und Jugendliche. Deshalb stellte Tomschi in der Gemeinderatssitzung eine Alternative vor, in der die Preise für das ermäßigte Ticket bis 2028 gleich bleiben, dafür aber der Preis für das Erwachsenen-Einzelticket und für die Sauna stärker steigt.
Dieser Vorschlag, den vor allem SPD/Linke unterstützten, erhielt jedoch keine Mehrheit. Stattdessen wurde der ursprüngliche Vorschlag bei vier Gegenstimmen von SPD/Linke und zwei Enthaltungen der AfD mehrheitlich angenommen.
Böblingen steht mit diesen Entwicklungen nicht allein da. Bereits in den vergangenen Jahren hatten die Freibäder im Kreis Böblingen immer wieder zu kämpfen und mussten teils wegen Personalmangel kurzfristig schließen. Und auch die Preise werden andernorts angehoben, etwa in Herrenberg und Gärtringen. In Herrenberg kostet eine Einzelkarte künftig 5,50 statt 5 Euro, in Gärtringen 4,50 statt 4 Euro.
Preise
Selbst mit den Preiserhöhungen befinden sich die Eintrittspreise für das Böblinger Freibad zumindest im Vergleich mit anderen Bädern in der Region eher im unteren Bereich. So verlangt beispielsweise Tübingen für ein Einzelticket 5,80 Euro, Leonberg 5,50 Euro und Reutlingen 5 Euro. In Sindelfingen ist der Preis mit 4,50 Euro etwas niedriger.
Ehrenamtliche Helfer
Am Wochenende unterstützen ehrenamtliche Helfer der DLRG den Badebetrieb im Freibad und übernehmen die Aufsicht. An dieser Zusammenarbeit ändere sich nichts, betonte Christina Tomschi.