Abba-Museum Ein Haus für vier betagte Herrschaften

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Der einstige Songschreiber und Gitarrist Björn Ulvaeus ist die treibende Kraft hinter dem Abba-Museum in Stockholm – und der Finanzier. Gießt er sich damit seine eigene Statue?

Am Dienstag eröffnet in Stockholm das offizielle Abba-Museum Foto: Ullstein 16 Bilder
Am Dienstag eröffnet in Stockholm das offizielle Abba-Museum Foto: Ullstein

Stockholm - Vor ein paar Jahren noch war Björn Ulvaeus skeptisch. Museen seien „etwas für Tote“, sagte er damals, und dass es völlig verkehrt wirke, seine eigene Ausstellung zu gestalten. Benny Andersson, sein musikalischer Weggefährte, denkt heute noch so: „Ich habe nichts dagegen, aber vielleicht hätte man noch 30 Jahre warten sollen.“ Ul­vaeus aber hat seine Meinung geändert. Während die übrigen Abba-Mitglieder das neue Museum im Stockholmer Djurgården, das am Dienstag offiziell eröffnet wird, eher durch „passive Unterstützung“ begleiten, ist der einstige Gitarrist und Songschreiber nicht nur die treibende Kraft hinter dem Unternehmen, sondern auch dessen führender Finanzier. „Einige Millionen Euro“ hat Ulvaeus nach eigenen Angaben in das Projekt „ABBA – The Museum“ investiert.

Abba ist inzwischen auch in Musikkreisen anerkannt

Björn „gießt seine eigene Statue“, sagt der Museumsdirektor Mattias Hansson. Der Sinneswandel mag mit den Gefühlen zusammenhängen, die der inzwischen 68-jährige Musiker auch mehr als 30 Jahre nach der Auflösung noch für seine alte Gruppe hat. „Riesig stolz“, aber auch immer noch „verwundert“ und „demütig“ blickt er auf das Schaffenswerk, das sich in 380 Millionen verkauften Platten niederschlägt, in 50 Millionen Besuchern des Musicals „Mamma Mia“ und in Anerkennung auch in Musikkreisen, in denen Abba-Musik einst verpönt war. Wer von diesen hätte sich träumen lassen, dass Abba 2010 in die „Rock and Roll Music Hall of Fame“ aufgenommen würde und dass Jahrzehnte später Weltstars Abba-Titel covern würden?

Davon will nun das Museum erzählen, von den Anfängen an. Zwei Uraltschlitten aus den 60ern parken im Entree. Das sind die Tourneeautos der Hootenanny Singers, in denen einst Ulvaeus die Gitarre schlug, und der Hep Stars, wo Benny Andersson die Orgel bediente. Später stießen die als Solistinnen erfolgreichen Sängerinnen Agnetha und Anni-Frid hinzu, und der Rest ist Musikgeschichte mit privatem Touch, denn zeitweilig waren die vier auch zwei Paare.

Die Bühne von Brighton ist wieder aufgebaut

In einem 360-Grad-Kinoraum wird der Besucher mit einem Abba-Film des schwedischen Regisseurs Jonas Åkerlund eingestimmt, ehe es hinausgeht in die Volksparkstimmung der sechziger Jahre. Der „Ring-Ring“-Raum“ ist möbliert wie in den 70ern, mit Originalkostümen und dem roten Telefon, das die Hauptrolle in Abbas erstem Erfolgstitel spielte. Die Bühne in Brighton, wo „Waterloo“ den ESC gewann, ersteht erneut. Das Mixpult aus dem Polar-Studio hat das Museum aus Deutschland zurück­gekauft, auf Abbas erstem Schlagzeug trommelte später eine Amateurband aus Katrineholm. Die Museumsgäste werden virtuell die bombastisch-kitschigen Bühnenkostüme probieren oder als „fünfter Abba“ selbst mitsingen und -tanzen können.

Eine Milliarde Dollar für eine Comeback-Tournee abgelehnt

Eine Wiedervereinigung der vier wird es hingegen nicht geben. Im Jahr 2000 lehnten sie eine Milliarde Dollar für eine Comeback-Tournee ab. „Vier betagte Herrschaften, die alte Lieder singen, was soll das?“, fragt Björn Ulvaeus. „Alle wären enttäuscht.“ Und diesmal scheint ein Sinneswandel ausgeschlossen. Er und andere Abba-Mitglieder hätten doch die Tür für einen gemeinsamen Auftritt nie ganz geschlossen, hielt ihm die Zeitung „Svenska Dagbladet“ vor. „Dann schließe ich sie jetzt“, lautete seine Antwort.