Ich bin der Koch in der Familie“, sagt Mirko Buxbaum. Und als solcher ist der 45-jährige Familienvater ständig auch auf der Suche nach guten regionalen und saisonalen Produkten. Eine wohl überlegte Auswahl von Erzeugnissen, die anschließend in Töpfe, Schüsseln oder Pfannen wandern, ist eine Voraussetzung für gutes Kochen: „Ich liebe gute Nahrungsmittel“, betont daher logischerweise der freie Projektleiter.
Dieses Faible für Feinschmeckerei und Genuss hat der gebürtige Heslacher im Laufe der Zeit zu einer Geschäftsidee entwickelt. Ritter zu Buxbaum heißt sein Lieferservice für frische Lebensmittel aus der Region. Als Betreiber dieses Angebotes steht er naturgemäß im ständigen Austausch mit Demeter-Erzeugern, Bio-Landwirten, ökologisch zertifizierten Winzern und Gemüsebauern aus der gesamten Region. Aber auch von den Produzenten konventionell erzeugten Lebensmitteln hat der selbstständige Eventmanager viel Wissenswertes erfahren und gelernt.
Begleitprogramm der Nachhaltigkeit
Eine Ideologie will er freilich keine daraus machen. Stattdessen möchte er lieber mit dem Abend-Biomarkt auch ein ausgeklügeltes Begleitprogramm der Nachhaltigkeit anbieten und den kritischen Dialog über Landwirtschaft fördern. Gespräche über nachhaltige Anbaumethoden kann er sich während des Donnerstagabendmarktes genauso vorstellen, wie Diskussionsrunden mit Landwirtschaftsexperten über Agrarsubventionen, bei denen die ökologisch sehr fragwürdige Förderung von Monokulturen genauer unter die Lupe genommen wird. „Aber in erster Linie möchte ich natürlich auch die Erzeuger und Beschicker auf unserem Abendbiomarkt dazu ermuntern, den Kunden und Besuchern vieles über ihre Tätigkeiten und ihre Berufe draußen auf dem Feld, in der Gärtnerei, im Floristikbetrieb, in der Käserei, der Backstube oder wo auch immer zu berichten“, sagt Buxbaum.
Denn Kommunikation sei auch bei diesem Thema der Schlüssel zum Umdenken der Konsumenten. Vieles greife letztendlich ineinander – bessere Lebensmittel sorgen für eine bessere Produktion und diese wiederum für eine bessere Umwelt und mehr Artenvielfalt.
Als ihn daher vor mehreren Jahren der damals noch amtierende Bezirksvorsteher von S-West, Alexander Möhrle, erstmals ansprach, ob er sich nicht vorstellen könne, mit Unterstützung der entsprechenden städtischen Behörden eine Art Fairtrade-Bio-Wochenmarkt im Stadtbezirk organisatorisch auf die Beine zu stellen, entstand die findige Idee für den Feuerseemarkt. Ursprünglich sei es dabei auch darum gegangen, dass dem Stadtbezirk das bereits verliehene Fairtrade-Siegel nicht wieder abhandenkommt und durch ein Projekt wie dieses dem Fairtrade-Gedanken neues Leben einhaucht, erinnert sich Buxbaum. Gesagt, getan. Doch dann kam erst einmal Corona dazwischen und bremste alle Pläne aus.
Erleichterung über einen Anfang
Nun kann es endlich rund um die beschauliche Johanneskirche losgehen: „Nach der langen Zeit der Pandemie, in der wir alle mit großen Einschränkungen leben mussten, freuen wir uns nun ganz besonders, einen Wochenmarkt am Feuersee auszurichten“, sagt auch Thomas Lehmann. Der Geschäftsführer der Märkte Stuttgart wird gemeinsam mit Landtagspräsidentin Muhterem Aras, Bezirksvorsteher Bernhard Mellert und Mirko Buxbaum den ersten fairen Abendmarkt am Donnerstag, 19. Mai, um 15 Uhr eröffnen. Buxbaum spürt bereits jetzt die Aufbruchstimmung. Die Bezirksbeiräte in S-West waren von seinem Konzept genauso überzeugt, wie auch das Amt für öffentliche Ordnung, das für alle Vorschläge offen war. Auch Pfarrer Christoph Dinkel von der Evangelischen Kirchengemeinde S-West hat schon angekündigt, dass an den sommerlichen Abendmarkttagen die Johanneskirche offen sein wird und jeweils donnerstags mit einem „Afterwork-Gottesdienst“ in der Johanneskirche von 17 Uhr zu rechnen ist.
Foodtruck und Suhi-Stand
Im Schatten der neugotischen Kirche dürfen sich die Marktstände gruppieren. Dabei sind ein genossenschaftlicher Bio-Laden, ein junger Demeter-Gärtner, der Weltladen an der Planie und die Naturfreunde mit einem Kinderprogramm. Floristische Farbtupfer setzen Frauen, die früher in einer Agentur arbeiteten. Berufliche Quereinsteiger wie auch die Macher der Bio-Brotique in Stuttgart-Süd sind auch mit von der Partie. Sie zeigen, wie sich junges Handwerk, auch in solch etablierten Branchen mit neuen Ideen durchsetzen kann. Neben klassischen Marktständen wird es auch ein regionales Essensangebot mit Foodtruck und Sushi-Stand sowie einen kleinen, integrierten Kunstmarkt geben. Mirko Buxbaum wird an seinem Ritterstand wechselnde Winzer präsentieren. Am kommenden Donnerstag kommt der Bio-Winzer Marcel Idler aus dem Remstal und wird berichten, wie in seinen Weinbergen ganz ohne Herbizide und chemische Mittel aus den Trauben am Rebstock Bioweine werden.
„Für mich ist es eine Herzensangelegenheit“, meint Buxbaum, „regionale Erzeuger und Händler zu unterstützen, die Lebensmittel zu fairen Bedingungen für Mensch, Tier und Natur herstellen und verkaufen.“ Auch zur Stuttgarter Musikszene hat der Organisator, der auch einige Jahre lang in Berlin Events organisierte, einen guten Draht, den er nutzen wird. Zum Auftakt konnte er die Singer-Songwriterin Tabea Booz gewinnen. Die Stuttgarterin wird von 18 bis 19 Uhr die Veranstaltung musikalisch begleiten.
Geöffnet: donnerstags 15 – 21 Uhr
Bis zum Herbst soll nun der Abendbiomarkt immer donnerstags ab 15 Uhr die Menschen zum Feuersee locken. Aber bei allem Vergnügen wollen die Veranstalter natürlich die geplagten Anwohner am Feuersee nicht vergessen oder gar zu lange stören: „Der Abbau ist spätestens bis 22 Uhr beendet“, verspricht Thomas Lehmann.
In Stuttgart wird es das Frühjahr und den Sommer über auch in Bad Cannstatt, Vaihingen, Untertürkheim und Stammheim Abendmärkte geben. Ein bisschen Kultur, Musik und Wissenswertes gibt es gratis dazu. Beginn ist jeweils um 17 Uhr. Weitere Informationen unter https://abendmarkt-stuttgart.de/