Abenteuerreise um die Welt Eine Familie fährt im Oldtimer-Lkw bis nach Indien

Familienfoto in der Wüste Lut: die Umbach-Spelz’ mit ihrem Oldtimer-Lkw Bolle. Foto: Familie Umbach-Spelz

Mit Tochter und Hunden im Oldtimer-Lkw um die Welt: Familie Umbach-Spelz aus Ditzingen-Heimerdingen reist auf ihre ganz eigene Art. Land und Leute begeistern sie. Ihre Abenteuer haben sie inspiriert, ein Kinderbuch zu schreiben.

Leonberg: Stefanie Köhler (koe)

Ob in der Türkei, im Iran, in Pakistan oder Indien – Familie Umbach-Spelz aus dem Ditzinger Stadtteil Heimerdingen fragt die Einheimischen immer dies: Was wollt ihr uns von eurem Land zeigen? Dabei halten sie den Menschen ihre Karte hin, auf der die wiederum schöne, besondere, wichtige Orte, Sehenswürdigkeiten markieren.

 

Michaela und Daniel Umbach-Spelz, beide 36, reisen mit ihrer Tochter Zoe, acht Jahre alt, und zwei Hunden auf ihre ganz eigene Art: Sie tuckern mit ihrem bald 50 Jahre alten, zu einem zweiten Zuhause umgebauten Oldtimer-Lkw – genannt Bolle – durch die Welt. „Wir reisen, weil wir Land, fremde Kulturen und Menschen in ihren Lebensräumen kennenlernen möchten“, sagt Michaela Umbach-Spelz. Daraus würden so viele schöne Momente entstehen. Ihr Mann ergänzt, „für uns ist das Reisen die krasseste, aber effektivste Form der Persönlichkeitsentwicklung“. Augenblicke des Glücks, der Freude erleben die drei ebenso wie Angst und Traurigkeit.

Kleines Mädchen mit großen Wünschen

Zuletzt war die Familie von Ende Juni 2022 bis August 2023 in der Türkei, im Iran, in Pakistan und in Indien. Meist im Hinterland. Die drei ziehen durch Wüsten, streicheln ein Dromedar, füttern es mit Melone. Sie genießen Berge und grüne Landschaften, aber auch bunte, laute Städte voller Menschen. Sie besuchen Tempel und Moscheen, essen bei Einheimischen, lernen ihre Religionen kennen. Zoe hat zwei große Wünsche: Im Iran möchte sie die höchste Düne mit ihrem Snowboard runterrauschen, in Indien einem Tempelelefanten einen Keks schenken.

Bevor es in die Wüste geht, muss Luft aus Bolles Reifen. Foto: Familie Umbach-Spelz

Um die Tour zu finanzieren, lebt die Familie anderthalb Jahre im Kreis Ludwigsburg auf einem Reiterhof – in Bolle. So spart sie die Wohnungskosten. Danach geht es los, auf dem Landweg bis nach Indien.

Verständigung auf der Abenteuerreise mit Händen und Füßen

Die Verständigung klappt über die Körpersprache, mit Händen, mit Füßen. „Und wenn es ein Thema gab, das Kommunikation erforderte, dann fand sich über Ecken immer jemand, der übersetzen konnte“, sagt Daniel Umbach-Spelz. Überhaupt hätten sie die Erfahrung gemacht, dass es immer weitergeht, wenngleich manchmal eben mit Geduld.

Vor allem ist es die „enorme Hilfsbereitschaft, Gastfreundschaft, Offenheit und Neugier“ der Einheimischen, die Familie Umbach-Spelz überall erfährt und beeindruckt. „Die Menschen waren auch sehr bemüht um unsere Sicherheit, zum Teil zu viel des Guten“, sagt Michaela Umbach-Spelz.

Michaela und Daniel Umbach-Spelz feiern das Holy-Festival in Indien. Foto: Umbach-Spelz

In eine „schwierige Situation“ gerät die Familie nur ein einziges Mal. Am 16. September 2022, zwei Wochen nach ihrer Einreise in den Iran, stirbt die 22-jährige Kurdin Jina Mahsa Amini nach ihrer Festnahme durch die Sittenpolizei in Teheran. Ihr Tod löst eine Welle des Protests aus – „den das Regime versuchte, im Keim zu ersticken“, sagt Daniel Umbach-Spelz. Er und seine Familie sind in die Nähe der Proteste geraten. „Das war nicht abzusehen.“ Das Internet habe nicht mehr funktioniert, es habe keine Informationen gegeben. Dafür Hilfe von allen Seiten. „Die Menschen finden für ihre spezielle Situation eine Lösung. Sie halten zusammen und haben ein toll funktionierendes Netzwerk, das auf Menschlichkeit beruht“, sagt Michaela Umbach-Spelz.

„Bis auf diese Protestsituation haben wir uns immer sicher gefühlt“

Jeden Abend halten die Umbach-Spelz’ einen Familienrat ab. Sie sprechen mit Zoe über ihre Erlebnisse, Gefühle, Wünsche, Pläne. Die Nacht nach dem Protesterlebnis sei emotional gewesen. Die Familie diskutiert, hinterfragt – und entscheidet sich dafür, die Reise fortzusetzen. Sie vertraut auf die Menschlichkeit – die sie bisher erlebt hat und die, wie sie feststellt, sich die Einheimischen trotz aller Unwägbarkeiten bewahren. Das wollen die Eltern ihrer Tochter vermitteln. Sie behalten Recht. „Bis auf diese Protestsituation haben wir uns immer sicher gefühlt.“ Unmittelbar nach ihrer Ankunft im Iran steckt ihnen eine Frau ihre Geldkarte zu und gewährt ihnen damit Zugriff auf ihr Konto. Aufgrund des Ausschlusses aus dem internationalen Bankensystem können Ausländer im Iran nur bar bezahlen, sagt Michaela Umbach-Spelz. „Wegen der hohen Inflation hätten wir durch den Bargeldwechsel große Mengen Bargeld mit uns tragen müssen.“ Das wollte die Frau verhindern.

Die Botschaft der Familie: Die Welt ist gut

Auch in Pakistan umsorgen Einheimische die Heimerdinger. „Es ist ein atemberaubendes Land mit wunderbaren Menschen und atemberaubender Natur“, sagt Michaela Umbach-Spelz. Sie lernen eine Familie kennen, die sie zur Hochzeit der Tochter einlädt. In einer Woche reisen sie erneut nach Pakistan, diesmal fliegen sie. Einheimische hätten sie oft gefragt, wie es ihnen gefalle, ob sie sich sicher und wohl fühlen würden. „Sie baten uns, zuhause zu erzählen, dass sie gute Menschen sind. Sie wissen, was die Welt über sie berichtet“, sagt Michaela Umbach-Spelz.

Bei Iranern in Belutschistan kauft Familie Umbach-Spelz Bananen. Foto: Umbach-Spelz

Auch sie und ihr Mann steigen weder ahnungslos noch naiv in Bolle. Sie sind sich der Sicherheitslage bewusst und wägen Risiken ab. „Wir wollen das nicht wegdiskutieren und können das auch nicht komplett entkräften“, sagt Michaela Umbach-Spelz. „Wir sind davon überzeugt und vertrauen darauf, dass die Welt gut ist. Wir wollen dem Negativen nicht so viel Raum geben.“ Alle drei hätten sie gelernt, auf ihre Intuition zu hören.

Das Buch ist ein „Herzensprojekt“

Über die Reise erzählt nun auch ein Kinderbuch. Michaela Umbach-Spelz sucht vor der 14-monatigen Tour Reiseliteratur für Zoe, findet jedoch aus ihrer Sicht nichts für Kinder Geeignetes. Sie will das ändern. Zoe führt Tagebuch, das aus vielen Bildern besteht und dem, was sie den Eltern diktiert. Drei volle Notizbücher fährt Bolle heim. Michaela Umbach-Spelz, die daraus „Mit dem Snowboard in die Wüste – Zuinas Abenteuerreise Teil 1“ macht, begeistert es, wie das Mädchen die Welt sieht: „Mit offenen Augen, neugierig, mutig, positiv, ohne Vorurteile.“ Zuina – so nennen die Marokkaner Zoe bei ihrer ersten Reise vor acht Jahren.

Ein Moscheebesuch mit Tschador, dem Tuch für Kopf und Körper, im Iran. Foto: Umbach-Spelz

Der erste Band beschreibt Zuinas Reise durch die Türkei und den Iran aus Zoes Perspektive und der eines allwissenden Erzählers. Nach jedem Kapitel kommt ein Brief an Wotan, das Wildpferd, mit dem Zoe seit ihrer Zeit auf dem Reiterhof eine tiefe Freundschaft verbindet. „Die Geschichte ist ein Stück Kindheit meiner Tochter“, so Umbach-Spelz. Band zwei über Zuinas Reise zu den indischen Tempelelefanten soll 2025 erscheinen. Zunächst braucht die Familie aber das nötige Geld, um den Druck des ersten Teils zu finanzieren.

Nicht die erste Reise dieser Art

Als Zoe fünf Monate alt ist, verbringt die Familie fast ein Jahr in Frankreich, Spanien, Marokko samt Westsahara und Portugal. Es wird eine Prägungs- und Bindungsreise. Daniel Umbach-Spelz will mehr Zeit mit seinem Kind verbringen als bloß am Abend und am Wochenende. Als Zoe dreieinhalb ist, geht es zwischen 2019 und 2020 drei Monate lang erneut durch Marokko und die Westsahara. Für ihre Reisen nutzen die Umbach-Spelz’, die beim Autozulieferer Bosch arbeiten, ihre Elternzeit.

Michaela Umbach-Spelz nennt ihr Buch „Herzensprojekt“, zumal es das erste Reiseabenteuerbuch sei, das aus dem Blickwinkel eines neugierigen Kindes geschrieben sei. „Zuinas Erlebnisse öffnen nicht nur die Augen, sondern auch das Herz für die Wunder der Natur, fremde Kulturen und machen Mut, im Unterwegssein seinen eigenen Platz in der Welt zu finden.“

11 000 Euro für den Druck des Kinderbuchs

Das Buch
 „Mit dem Snowboard in die Wüste – Zuinas Abenteuerreise Teil 1“ hat 21 Kapitel auf 208 Seiten. Das Buch, das Zuinas Reise durch die Türkei und den Iran erzählt, soll noch vor Weihnachten veröffentlicht werden. Für den Druck sind rund 11 000 Euro nötig. Über die Crowdfunding-Plattform Startnext hofft Michaela Umbach-Spelz, die Summe zusammenzubekommen. Wer möchte, kann bis 26. September Geld spenden. Fast 8000 Euro sind es schon.

Mehr Informationen
 Im Internet informiert Familie Umbach-Spelz über ihre Reisen, das Buch und wie die Crowdfundingkampagne funktioniert: www.team-globulli.de .

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