Abenteuertrip von sechs Freunden aus Backnang Von der Murr-Regatta bis ans Meer

Die Laune ist gut, das Vorhaben ambitioniert. Foto: /Edgar Layher

Axel Bauer und seine fünf Freunde haben ihre Freizeit das letzte halbe Jahr damit zugebracht, drei Boote zu bauen. Damit wollten sie nicht nur bei der Murr-Regatta antreten. Jetzt geht es erst richtig los – über Neckar und Rhein bis zur Nordsee.

Rems-Murr: Simone Käser (sk)

Strecke machen – das ist in den kommenden zwei Wochen die Devise von Axel Bauer und fünf seiner engsten Freunde. Denn die Murr-Regatta, der traditionelle Wasserspaß, bei dem die Jungs schon öfters mitgemacht haben, soll dieses Jahr nur der Anfang einer viel größeren, längeren und vor allem abenteuerlicheren Bootsfahrt sein. Statt sich mit einem kreativen selbst gebauten Gefährt die rund fünf Kilometer die Murr entlang bis zum Ziel am Backnanger Jugendhaus durchzukämpfen, geht es für die Mannschaft um Axel Bauer erst richtig los. Über den Neckar und den Rhein wollen es die sechs Männer – alle um die 30 Jahre alt – bis zur Nordsee schaffen. Zielhafen: Rotterdam.

 

Bei einer Wanderung kam den Freunden die gewagte Idee

Kevin Geißler, Michael Schwarz, Axel Bauer, Martin Koschinat, Julian Hofer und Marco Dell’Oso kennen sich schon seit der Zeit im Kindergarten. Die Idee kam den sechs Abenteurern bei einer Wanderung an der Murr entlang. „Wir haben uns gedacht, warum sollen wir die Strecke nicht mal mit einem Boot entlangfahren“, sagt Axel Bauer. Aus einem Paddelboot sei bei dem Gedankenspiel dann schnell ein Motorboot geworden, und die Strecke wurde flugs bis ans Meer erweitert: zwei Wochen, drei Boote und sechs Freunde. „Es war erst mal nur eine verrückte Idee, aber sie hat doch schnell Formen angenommen, und wir fingen an zu planen und zu werkeln“, sagt der 29-jährige Bauer, dem bei dem Gedanken an den abenteuerlichen Trip schon auch mal ganz anders wird. Schließlich könne genug schief gehen, und die rund 800 bis 900 Kilometer ans Meer würden auch genug Gefahren bergen.

Erst mal war es für die Seefahrer am Samstag wichtig, einen erfolgreichen Start bei der Murr-Regatta hinzulegen. Darin sahen die Jungs keine Probleme, sie haben alle schon mehrfach bei der Regatta, die veranstaltet wird vom Backnanger Jugendzentrum, mitgemacht. Damit die Fahrt auf der Murr mit den drei selbst gebauten Booten gelingt, hatte die Männer-Clique 18 Helfer am Start – schließlich hat die Murr wenig Wasser, und die Boote müssen auch geschoben und getragen werden. „Wir dürfen ja bei der Regatta auch keinen Motor am Boot haben. Das sind die Spielregeln. Der Motor kommt erst dran, wenn wir im Neckar angekommen sind“, sagt Martin Koschinat. Doch auch wenn es dann erst richtig los geht, dürfe man sich die Kilometer von Oppenweiler-Zell bis zum Jugendzentrum Backnang nicht als entspannten Ausflug vorstellen. Wegen der vielen Steine und Felsen müsse man höllisch aufpassen.

Die Boote sind voll geladen – die Männer haben an alles gedacht

Damit bei der Weiterfahrt auf Neckar und Rhein nichts schief geht, haben die Männer die Boote ordentlich voll geladen. Klamotten, Zelte, Schlafsäcke, Kochutensilien, Solarpanels, ein Erste-Hilfe-Rucksack und ein Klapprad. „Das ist dabei, damit wir unterwegs an Land damit einkaufen fahren können“, sagt Bauer. Bei den Temperaturen müsse aber auch der Sonnenschutz stimmen. Alle Mitfahrer haben Hüte auf, sind eingecremt mit Sonnencreme, und über die Boote kommt ein Sonnenschutz. Der ist, wie alles andere auch, selbst gebaut.

Apropos: Zunächst machten sich die Handwerker des Sextetts Gedanken über den Bootsbau, denn sowohl Axel Bauer als auch Martin Koschinat sind Zimmermänner, die gerade ihren Meister machen. Trotzdem haben sie sich nicht für Holz, sondern für Alu entschieden, da es stabiler sei und nicht roste. Seit Januar werkelten die sechs Freunden abends und am Wochenende an den Booten, einzig die Schweißarbeiten machten sie nicht selbst. Dabei zeigten sie auch noch ein paar Jugendlichen, wie die Arbeit funktioniert – und dass diese sinnstiftender sei als Zocken. Ergebnis: Alle Boote sind mehr oder weniger gleich. Kleine Abweichungen gibt es bei Lenkung und Motorstärke. „Ein Motor hat stolze 35 PS, der könnte die anderen auch mal abschleppen, wenn was kaputt ist. Die anderen sind gemächlicher unterwegs.“

Das stört die Seefahrer nicht. Im Gegenteil. Für sie gilt wie so oft: Der Weg ist das Ziel. „Das wird landschaftlich wunderschön werden“, sagt Bauer, der trotz des Ausblicks auch Bücher zum Lernen mitgenommen hat. Ob er da reinschauen wird, ist fraglich. Denn den Freunden wird es mit Lenken, Schleusen, Proviant und Nachtlager organisieren nicht langweilig werden. „Auf dem Rhein wird es haarige Situationen geben. Und wenn mit Kurs auf Rotterdam Containerschiffe auftauchen, müssen wir uns von der Bugwelle fernhalten“, so Bauer. Wenn dadurch mal die Luft raus und Motivation gefragt ist, kommt Kevin Geißler ins Spiel. Der gelernte Koch will dann für Braten und Spätzle sorgen. „Ich bin nicht täglich fürs Essen zuständig. Aber wenn mal der Wurm drin ist und es schmecken muss, leg ich los.“

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