Abfall-Ärger in Stuttgart-Feuerbach Feiern und Müllmachen in der freien Natur

Von Georg Friedel 

Die Feuerbacher Stadtseniorenräte schlagen Alarm: Sie sagen, der Stadtbezirk verdreckt zusehends. Auch Aussichtsplätze werden an Wochenenden immer wieder zugemüllt, gespendete Sitzbänke beschmiert und beschädigt.

Spaziergänger nutzen die Sitzbänke am Rande einer Wiese beim Heimberg gerne zur Erholung. Doch nach schönen   Wochenenden sieht es hier nicht so  schön aus. Foto: Georg Friedel
Spaziergänger nutzen die Sitzbänke am Rande einer Wiese beim Heimberg gerne zur Erholung. Doch nach schönen Wochenenden sieht es hier nicht so schön aus. Foto: Georg Friedel

Feuerbach - Die Idylle scheint wie gemalt. An diesem sonnigen Maimittag sitzen zwei Feuerbacher Spaziergängerinnen auf einer der beiden Parkbänke am Rande einer Butterblumenwiese gleich hinter dem Friedhof nahe dem Heimberg. Husky-Hündin Shira liegt ganz entspannt im Gras, während Maggy – eine Jack-Russell-Mischung – artig zu Füßen ihrer Besitzerin sitzt. Die Frauen erfreuen sich derweil am Ausblick auf die Wälder, Wiesen und Hänge im Feuerbacher Tal. Der Blick ist absolut traumhaft, doch die Idylle trügt: „Bitte diesen Platz und die Bänke sauber verlassen und den Abfall mitnehmen. Bei Sachbeschädigung wird Strafanzeige erstattet“, steht auf einem frisch laminierten Stück Papier, das an den Rückenlehnen der beiden Sitzbänke befestigt wurde.

Stadtseniorenrat dokumentiert die Spuren des Vandalismus und der Zerstörung

„Wenn am Wochenende schönes Wetter ist, sieht es hier montags oft schlimm aus. Dann liegt jede Menge Müll hier herum“, sagt eine der beiden Hundebesitzerinnen. Und sie zeigt anschließend auf eine Stelle etwa in der Mitte der Holzbank. Beide Sitzbretter der Bank sind an dieser Stelle verkohlt und angekokelt: „Da muss wohl jemand seinen Einmal-Grill ohne Sinn und Verstand mitten auf der Bank aufgestellt, angezündet und gegrillt haben“, vermuten die beiden Frauen.

Der Feuerbacher Stadtseniorenrat Oskar Höß beobachtet und dokumentiert schon länger die Spuren des Vandalismus und der zunehmenden Vermüllung, die offensichtlich junge Leute bei ihren nächtlichen Feiern an dieser Stelle hinterlassen. „Ein dortiger Gartenbesitzer hat mir berichtet, dass sich an diesem Aussichtspunkt vor allem an den Wochenenden bei schönem Wetter junge Leute verabreden, um nachts Partys zu feiern“, sagt Höß. Nicht nur Fahrzeughalter mit Stuttgarter Kennzeichen, sondern auch Autofahrer oder Motorradfahrer aus der Region treffen sich am Heimberg – möglicherweise zum nächtlichen Finale einer ausgedehnten Stuttgarter Partynacht. Höß kümmert sich als Pate um die beiden Waldbänke, die erst im Sommer des vergangenen Jahres auf Initiative des Stadtseniorenrats aufgestellt wurden. Das Geld dafür stifteten vor allem der Bürger- und der Schwarzwaldverein. Doch keine vier Wochen nach dem Aufstellen fing der Ärger an: „Ich habe im Laufe des vergangenen Jahres bei insgesamt 17 Einsätzen circa 300 bis 400 Liter Müll und mindestens 20 leere Bierflaschen entsorgt“, sagt Höß. Mit dabei sind regelmäßig Pizzaschachteln, Tetra-Packs, Smoothie- und Alkopop-Flaschen. Doch das größere Problem sei, dass die Bänke mit Graffiti und Schriftzügen beschmiert wurden: „Hier wird Gras konsumiert“, hat jemand auf eine der Bänke gekritzelt.

Strafanzeige gegen unbekannt gestellt

Bereits im Jahr 2016 hatte Höß beim Polizeirevier 8 Kärntnerstraße Strafanzeige gegen „unbekannt“ gestellt. Fast noch mehr beunruhigt ihn aber die Tatsache, dass die Jugendlichen bei ihren ausschweifenden Partys aus dem nahen Wald Holz holen und es anzünden. Solche illegalen Feuerstellen seien insbesondere im Hochsommer brandgefährlich, betont er. Deshalb will der Stadtseniorenrat Kontakt zum zuständigen Förster aufnehmen, damit dieser dort möglicherweise ein Schild aufstellen lässt, um so auf die Waldbrandgefahr hinzuweisen.

Von ähnlichen Vorfällen und Entwicklungen berichtet der Wengerter Joachim Friedrich aus dem Wein- und Kleingartengebiet am Lemberg. An einem wunderschönen Samstagmorgen Anfang April traute er seinen Augen nicht: „Als ich früh in meinen Wengert fuhr, traf mich an der ehemaligen Horn-Hütte beinahe der Schlag. Dem Anschein nach fand dort in der Nacht von Freitag auf Samstag einmal mehr ein Gelage statt“, berichtet er. Neben Flaschen, Dosen, Plastikbechern und Kippen hinterließ das Partyvolk auch eine offene Feuerstelle direkt unter den Bäumen und in der Nähe von trockenem Laub und Schnittgut. „Welche Gefahr von einer solchen Feuerstelle, erst recht bei Trockenheit ausgeht, brauche ich wohl nicht weiter auszuführen“, sagt der passionierte Wengerter. Auch er informierte das Polizeirevier Feuerbach. Eine Streife kam vorbei und Friedrich bat die Beamten, regelmäßig den Höhenweg abzufahren.

Doch Oskar Höß kennt das Dilemma. Von dem Aussichtspunkt beim Heimberg sei der asphaltierte Weg gut einsehbar. „Wenn dort ein Streifenwagen fährt, ist der schon von weitem erkennbar.“ Bis die Polizei dort ist, sind alle weg. Deshalb wählt der Stadtseniorenrat nun einen anderen Weg. „Wir wollen mit den Jugendlichen ins Gespräch kommen, um eine Verbesserung der Situation zu erreichen“, sagt der Feuerbacher Stadtseniorenrat-Sprecher Hans-Joachim Kientzle. Zu ihrem vergangenen Treffen luden die Senioren einen Vertreter der Mobilen Jugendarbeit und Gert Dannenmann ein. Er betreut unter anderem auch die Projektgruppe des Jugendrats und pflegt gute Kontakte zu den Vereinen. Beide Ansprechpartner wollen die Problematik, wenn sich die Gelegenheit bietet, mit den Jugendlichen erörtern.

Das Müllproblem stellt sich an vielen Stellen im Stadtbezirk: „Leider ist es so, dass nicht nur die Waldbänke mit Unrat versehen werden, sondern es ist generell im Stadtbezirk sehr schmutzig“, sagt Kientzle. Es fehle trotz Aktionen wie „Let’s Putz“ vielfach an Einsicht und dem Verständnis, saubere Gehwege, Straßen und Plätze zu hinterlassen. „Wir wollen mit dieser Aktion die Bevölkerung wach rütteln und insbesondere die Eltern auf ihre Erziehungsaufgabe hinweisen.“ Denn Kientzle sieht hinter der Wegwerfmentalität ein gravierenderes Problem. Es fehle oft an gegenseitigem Respekt und an Wertschätzung – gegenüber den Mitmenschen, aber auch gegenüber der Natur. Diese fatale Grundhaltung fange oft schon in jungen Jahren an. „Einige Kinder kriegen alles, sie haben alles und sie schmeißen alles weg.“

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