Abfall auf der Filderebene Ärger über mehr wilden Müll in Coronazeiten

So voll sind die städtischen Mülleimer mittlerweile vielerorts. Foto: Archiv Roberto Bulgrin
So voll sind die städtischen Mülleimer mittlerweile vielerorts. Foto: Archiv Roberto Bulgrin

Aufgrund der Pandemie nimmt die Vermüllung zu: Eine Anwohnerin beklagt sich über Partymüll in Stuttgart-Degerloch. In Leinfelden-Echterdingen quellen Abfalleimer über.

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Degerloch/Leinfelden-Echterdingen - Masken liegen auf Gehwegen, Take-Away-Reste quellen aus den Abfalleimern: Wegen der Pandemie und des Frühlings zieht es die Menschen verstärkt ins Freie – und nicht jeder nimmt seinen Müll wieder mit nach Hause. Zwei Beispiele von den Fildern.

Ulrike Furrer hat Fotos von den Hinterlassenschaften dessen gemacht, was einige als „Feiern“ bezeichnen: Auf den Bildern in ihrer E-Mail sieht man die Scherben einer zerbrochenen Bierflasche, Bierflaschen auf Steintreppen und zurückgelassene Bierkästen am Degerlocher Schimmelhüttenweg. „Der über Facebook im letzten Jahr immer bekannter gewordene Weinwanderweg verkommt seit 2020 zu einer Müllhalde, wenn die Anwohner nicht jeden Morgen diesen Müll einsammeln“, schreibt Furrer, Anwohnerin seit 15 Jahren.

Zwischen der Aussichtsplattform, bei der sie einen Mülleimer für sinnvoll erachten würde, und dem Schimmelhüttenplatz würden seit dem vergangenen Herbst „sehr junge Leute Party machen“, sagt sie. „Die Leute sollen ihren Müll mitnehmen“, fordert Furrer, die sagt, dass sie Menschen, die dies nicht tun, auch schon persönlich angesprochen habe. Daraufhin sei sie wüst beschimpft worden.

Schimmelhüttenweg ist kein Müll-Schwerpunkt

„Wenn man diese Leute anspricht, sind die meisten einsichtig“, sagt Thomas Wolfrum, der Vorsitzende der Vereinigung der Weingärtner und Freunde des Schimmelhüttenweges Degerloch auf Anfrage unserer Zeitung. Zwar existiere ein coronabedingtes Müllproblem am Schimmelhüttenweg, sagt Wolfrum, „aber ich persönlich bin nicht schockiert“. Er erzählt, dass er selbst gerade erst drei Tüten mit leeren Flaschen aus seinem Weinberg herausgeholt habe. Seine Erklärung: „Wenn man alle Einrichtungen in der Innenstadt sperrt, suchen sich die Jugendlichen woanders ein Ventil.“ Er plädiert dafür, den Mülleimer am Schimmelhüttenplatz öfter als bisher zu leeren, und dafür, dass die Stuttgarter Polizei öfter als bisher im Schimmelhüttenweg vorbeifahren solle.

„Uns ist nicht bekannt, dass der Schimmelhüttenweg ein Schwerpunkt wäre“, teilt die Pressestelle der Polizeidirektion Stuttgart auf Anfrage mit. Auch die Stadt Stuttgart sieht keinen akuten Handlungsbedarf. Ulrike Furrers Beschwerde habe auch deren Eigenbetrieb Abfallwirtschaft Stuttgart (AWS) erreicht und sei bereits abgearbeitet worden, teilt die Pressestelle der Stadt unserer Zeitung mit. „Die Örtlichkeit wurde der AWS zum ersten Mal gemeldet, es handelt sich somit nicht um einen Hotspot“, erklärt eine Pressesprecherin. „Außerdem liegt der Bereich außerhalb der Bebauung, es besteht daher grundsätzlich keine Reinigungsverpflichtung durch die AWS.“ Deshalb sei auch kein weiterer Abfalleimer notwendig.

Diese Stadt stellt mehr Abfalleimer auf

Schwenk nach Leinfelden-Echterdingen. Dort quellen bei schönem Wetter die Mülleimer über. Einer SPD-Stadträtin ist dies insbesondere in der Nähe einer Eisdiele aufgefallen. Hier sieht die Kommune durchaus Handlungsbedarf. Die Stadt lässt aber auch am Kirch-, und am Zeppelinplatz zusätzliche, große Mülleimer aufstellen. Am Neuen Markt wurden Container eingehaust. Auf Schulhöfen wird überprüft, ob die Eimer Deckel erhalten können. So soll verhindert werden, dass Krähen den Müll fressen und daran sterben, was die Grünen beklagt hatten.

„Wir stellen zusätzliche Eimer auf, wohl wissend, dass dies nur ein Herumdoktern an den Symptomen des Problems ist“, sagt Bürgermeister Carl-Gustav Kalbfell dazu im Gespräch mit unserer Zeitung. Wegen der Pandemie habe der Trend „to go“ stark zugenommen, genauso wie die Vermüllung im öffentlichen Raum. Besser wäre es freilich, wenn die Waren alternativ verpackt würden. Möglicherweise könne auch ein Gespräch mit den Betreibern helfen – und der Appell, künftig Eis nur in essbaren Waffeln und Kaffee nur in Mehrwegbecher zu verkaufen.

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