Abfallaufkommen in der Pandemie So lässt sich Müll vermeiden – und loswerden

Durch Onlinebestellungen fällt in der Coronapandemie in vielen Haushalten besonders viel Verpackungsmüll an. Foto: imago/Marc Schüler/Vollformat/Marc Schüler

In der Corona-Krise fällt in den Haushalten mehr Müll an. Doch es gibt Möglichkeiten, Verpackungsabfälle zu vermeiden – und den Müll trotz voller Tonnen wieder loszuwerden. Ein Überblick.

Berlin - Die Pandemie führt zu volleren Mülltonnen: Die eingesammelte Menge von Plastik, anderen Leichtverpackungen sowie Glas ist im Jahr 2020 um jeweils rund sechs Prozent gestiegen. Das zeigt eine Umfrage des Bundesverbandes der Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft (BDE) unter seinen Mitgliedsfirmen. „In Corona-Zeiten ist es kaum möglich, auf Abfallvermeidung zu achten“, beklagt BDE-Präsident Peter Kurth. Immer wieder sind deshalb die Mülltonnen lange vor dem Abholtermin voll. Doch wohin mit dem eigenen Abfall? Welche Rechte und Pflichten Mieter bei der Müllentsorgung haben und was sie bei überfüllten Tonnen tun können, zeigt diese Übersicht.

 

Was muss bei der Müllentsorgung beachtet werden?

Grundsätzlich sind alle Haushalte dazu verpflichtet, ihren Abfall zu trennen und entsprechend zu entsorgen. Das ist hierzulande im Kreislaufwirtschaftsgesetz geregelt. „Die Regelungen zur Mülltrennung legt jede Gemeinde in ihrer Abfallsatzung fest – etwa in welche Tonnen Mieter welchen Abfall werfen müssen“, erklärt Michaela Rassat, Juristin der Ergo Rechtsschutz Leistungs-GmbH. Die regelmäßigen Entsorgungskosten trägt zunächst der Hauseigentümer, bei Mietwohnungen werden die Kosten über die Nebenkostenabrechnung an die Mieter weitergegeben. Für die Bereitstellung der entsprechenden Tonnen ist ebenfalls der Hauseigentümer verantwortlich.

Wohin mit dem Müll, wenn die Tonne voll ist?

Wenn die entsprechende Tonne schon bis zum Rand gefüllt ist, sollten Mieter „nicht versuchen, ihre Säcke noch irgendwie hineinzustopfen“, rät Rassat. „Denn wenn der Deckel nicht mehr richtig schließt oder wenn der Müll durch Pressen zu stark verdichtet worden ist, darf das Entsorgungsunternehmen die Tonnen stehen lassen.“ Auch den Müll einfach in einem haushaltsüblichen Müllbeutel neben die Tonnen zu stellen, ist nicht ratsam, denn dann wird er ebenfalls nicht mitgenommen. Einen Ausweg bieten Restmüllsäcke, die man bei der jeweiligen Gemeinde oder dem Entsorgungsunternehmen direkt kaufen kann – hier ist die Entsorgungsgebühr dann im Kaufpreis enthalten. Gelbe Säcke gibt es ohnehin meist unbegrenzt und kostenfrei. Und Papiermüll muss man notfalls selbst zu einer Recyclingstation fahren, wenn der Platz in der Mülltonne nicht ausreicht.

Wie kommt man an größere Mülltonnen?

Wer eine größere Restmülltonne benötigt, kann diese beim zuständigen Entsorgungsunternehmen beantragen. Dafür wird dann allerdings eine höhere Müllgebühr erhoben. Papiertonnen haben meist ein Standardmaß, dort wo es Gelbe Tonnen statt Gelber Säcke gibt, gilt dies ebenfalls. Gelbe Säcke wiederum dürfen unbegrenzt vor die Tür gestellt werden. Bei Mietwohnungen gilt, dass der Vermieter für die Bereitstellung der Tonnen zuständig ist, also gegebenenfalls auch die größeren Restmülltonnen beim Entsorger beantragen muss.

Kann man die Miete mindern, wenn die Tonne ständig überfüllt ist?

Wenn die Mülltonne regelmäßig überquillt, sollten Mieter ihren Vermieter darauf ansprechen. „Er muss dafür sorgen, dass den Mietern ausreichend Mülltonnen zur Entsorgung zur Verfügung stehen“, erläutert Rassat. Stellt er zusätzliche oder größere Tonnen auf, steigen allerdings die Entsorgungskosten und damit auch die Nebenkosten der Mieter. Ignoriert der Vermieter die Problematik, rät Rassat dazu, eine schriftliche Mängelanzeige an den Vermieter zu schicken – inklusive einer Frist zur Beseitigung. Ergreift der Vermieter auch dann keine Maßnahmen und lässt die Frist verstreichen, können Mieter unter Umständen dazu berechtigt sein, die Miete zu mindern.

Was kann man tun, um Müll zu reduzieren?

Dazu gehört zunächst, das Volumen des Mülls möglichst gering zu halten. So sollten Kartons zerrissen oder zusammengefaltet werden, bevor sie in den Papiermüll wandern, Milchkartons lassen sich ebenfalls gut zusammenfalten und ineinander gestapelte Joghurtbecher verbrauchen weniger Platz. Außerdem gibt es viele Möglichkeiten zur Müllvermeidung: Wer beim Einkaufen unverpacktes Obst und Gemüse kauft und auch sonst versucht, Verpackungen so weit wie möglich zu vermeiden, verhindert Müllberge und schont die Umwelt. Der Hinweis „Bitte keine Werbung“ am Briefkasten verringert anfallenden Papiermüll.

Wie vermeidet man Verpackungsmüll beim Online-Shopping?

Die wichtigste Regel lautet: Möglichst alles auf einen Rutsch bestellen. „Jeder Artikel, der separat verpackt, und jedes Paket, das einzeln versendet werden muss, erzeugt unnötig Emissionen“, heißt es seitens der Stiftung Warentest. Sie rät daher in dem Buch „Grüner leben nebenbei“ von dem Autor Lars Weigelt: „Versuchen Sie, gemeinsam mit Nachbarn und Freunden zu bestellen, verzichten Sie auf Expressbestellungen. Die dahinter stehenden Lieferprozesse sind oft wenig effizient und verursachen erhöhte Umweltkosten.“ Problematisch in punkto Müllaufkommen sind allerdings nach wie vor Bestellungen bei Online-Supermärkten wie Amazon Fresh, Bringmeister, My.Time.de oder Rewe Lieferservice. Hier lautet der Tipp von den Warentestern: Möglichst auf Anbieter in der Nähe setzen, de mit eigenen Fahrzeugen – und nicht per Paketdienst – liefern. „Achten Sie darauf, dass der Einkauf möglichst in Mehrwegbehälter kommt und in Papiertüten verpackt ist. Der Lieferant sollte Pfandflaschen sowie Verpackungsmüll kostenlos wieder mitnehmen.

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