Will den Apothekern mehr Kompetenzen einräumen: Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU). Foto: Katharina Kausche/dpa
Es ist keine gute Idee, Apothekern das Recht einzuräumen, verschreibungspflichtige Medikamente eigenverantwortlich abzugeben, meint unser Berliner Korrespondent Norbert Wallet.
Im Haifischbecken der Gesundheitspolitik geht es nicht immer um die Sache, sondern oft um handfeste Interessen. Verteilungskämpfe stehen fast täglich auf dem Spielplan. Auch eine aktuelle Debatte ist davon grundiert: Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) will es Apothekern ermöglichen, bestimmte verschreibungspflichtige Medikamente eigenverantwortlich an Patienten abzugeben. Sie denkt dabei etwa an Arzneien für Chroniker oder Medikamente für leichte Fälle wie Erkältungen oder Infekte. Die Ärzte laufen dagegen Sturm.
Apotheker sind keine Ärzte
Dabei geht es sicher auch um die Sorge, Patienten zu verlieren oder seltener zu sehen. Ohnehin beäugt die Ärzteschaft Kompetenzverlagerungen in Richtung der Apotheken kritisch, zum Beispiel wenn es um Impfungen oder Vorsorgetests geht.
Aber sieht man von diesem unmittelbar interessengeleiteten Teil der Diskussion ab, haben die Ärzte auch in der Sache gute Argumente auf ihrer Seite. Apotheker sind keine Ärzte und es kann Fälle geben, in denen es keineswegs klar ist, ob eine Bagatellerkrankung vorliegt oder den Beschwerden tiefere Ursachen zugrunde liegen. Das spricht entschieden gegen eine Verlagerung.
Verschreibungspflichtige Medikamente ohne Arztbesuch? Das könnte bald möglich sein. Foto: Robert Günther/dpa-tmn
Das ist die rein medizinische Seite. Es gibt auch eine psychologische. Die Ausweitung der Selbstmedikation wird zwar seitens der Pharmabranche propagiert. Aber wenn Patienten nach eigenem Gutdünken in der Apotheke eigentlich verschreibungspflichtige Medikamente erwerben können, ist das eine Abkehr vom Prinzip evidenzbasierter Medizin zugunsten einer Medikamentierung nach Gefühl und Befindlichkeit.
Es gibt ein paar praktische Gründe für Warkens Idee. Apotheken sind immer in der Nähe und in den Praxen reduzieren sich vielleicht Wartezeiten. Aber Warkens Plan wäre ein Dammbruch. Das Gesundheitssystem hat genug Baustellen. Diese muss nicht aufgemacht werden.