Der VW-Chef Matthias Müller hat den Streit mit der US-Umweltbehörde in einem Interview mit Missverständnissen begründet. Das kommt in Amerika nicht gut an.
Detroit - Es war nur ein kurzes Interview, doch es hat reichlich Irritationen ausgelöst. VW-Chef Matthias Müller hatte sich am Sonntagabend beim traditionellen Treffen mit Journalisten im Fishbone’s, einem rustikal eingerichteten Restaurant im Zentrum von Detroit, gerade öffentlich für den Abgas-Skandal entschuldigt, als ihm ein Reporter des amerikanischen Radiosenders NPR sein Mikrofon vor die Nase hielt. Sonari Glinton wollte wissen, wie Müller die in Amerika verbreitete Einschätzung korrigieren wolle, dass es tief im Unternehmen ein ethisches Problem gebe. Diese Einschätzung beruhe darauf, dass VW die US-Umweltbehörde EPA angelogen habe. „Wir haben nicht gelogen. Wir haben nur zunächst die Fragen nicht verstanden“, widersprach Müller dem Reporter und wies darauf hin, dass die Wolfsburger die US-Gesetze falsch interpretiert hätten.
Beruht der Abgas-Skandal also nur auf einem großen Missverständnis? In Amerika kommt solch eine Begründung nicht gut an, denn sie steht im Widerspruch zu Aussagen der US-Umweltbehörde EPA. Die Behörde hatte VW gemeinsam mit der kalifornischen Partnerbehörde Carb seit Mai 2014 immer wieder aufgefordert, die großen Diskrepanzen zwischen den Abgasemissionen auf dem Prüfstand und auf der Straße aufzuklären.
Doch von VW kamen immer nur Ausflüchte. Erst im September 2015, als die Behörde damit drohte, den neuen Modellen die Zulassung zu verweigern, gestand das Unternehmen, dass eine Software bei rund einer halben Million Autos von VW und Audi manipuliert wurde. Auch als die Behörde dem Unternehmen im November eine zweite Software-Manipulation bei rund 80 000 Dieselmotoren von VW, Audi und Porsche vorwarf, wurde dies erst abgestritten und erst mit Verzögerung eingeräumt. Das US-Justizministerium hat deshalb im Namen der EPA in der vorigen Woche Klage gegen VW eingereicht, in der Klageschrift wird VW unter anderem vorgeworfen, der Konzern habe Ermittlungen durch irreführende Angaben behindert. VW droht eine Milliardenstrafe.
Bitte um ein zweites Interview
Den VW-Managern wurde offenbar bald klar, wie brisant dieses Interview kurz vor dem ersten Treffen von Müller mit Gina McCarthy, der Chefin der US-Umweltbehörde an diesem Mittwoch ist. Wie der Radioreporter Sonari Glinton berichtete, meldete sich ein VW-Manager bei ihm und fragte, ob man das Interview noch einmal führen könne. Zu Beginn des zweiten Gesprächs entschuldigte sich Müller zunächst für das missglückte erste Interview und begründete seine Äußerungen damit, dass es in dem Restaurant so voll und so laut gewesen sei. Der VW-Chef stellte nun klar, dass der Konzern den Verstoß gegen die US-Umweltgesetze „in vollem Umfang“ akzeptiere. Auch gegenüber der EPA und der kalifornischen Umweltbehörde Carb habe das Unternehmen falsch reagiert.
Der US-Radiosender sendete indes nicht nur dieses zweite, zur Schadenbegrenzung geführte Interview, sondern veröffentlichte beide Gespräche. Wie sich dies auf das Treffen von Müller mit der Chefin der US-Umweltbehörde auswirken wird, bleibt abzuwarten.
Es dürften schwierige Verhandlungen werden. Denn am Dienstagabend teilte die Carb mit, dass der Rückrufplan von Volkswagen unzureichend sei. Den Vorschlägen fehle es an „ausreichenden Informationen für eine technische Bewertung“. Die EPA schloss sich der Einschätzung an. Der Autobauer habe aber weiterhin die Chance, nachzubessern. VW erklärte, dass sich die Ablehnung nicht auf die aktualisierten Pläne des Konzerns beziehe. In den vergangenen Wochen habe das Unternehmen „konstruktive Diskussionen“ mit den Behörden geführt.