Abgasskandal Ex-Porsche-Vorstand Hatz in Untersuchungshaft

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Der frühere Entwicklungschef des Sportwagenbauers gerät in den Strudel der Audi-Ermittlungen.

Entscheidend ist, was rauskommt: Der Abgasskandal wird einem weiteren Manager zum Verhängnis. Foto: dpa
Entscheidend ist, was rauskommt: Der Abgasskandal wird einem weiteren Manager zum Verhängnis. Foto: dpa

München - Der ehemalige Porsche-Entwicklungsvorstand und Audi-Motorenentwickler Wolfgang Hatz ist festgenommen worden und sitzt in Untersuchungshaft. Ein Ermittlungsrichter in München habe diesen Schritt gegen den engen Vertrauten des ehemaligen VW-Konzernchefs Martin Winterkorn angeordnet, berichteten die „Süddeutsche Zeitung“, NDR und WDR am Donnerstag. Insider bestätigen dies.

Die Staatsanwaltschaft dagegen hält sich bedeckt. Oberstaatsanwältin Andrea Grape sagte lediglich, der Kreis der Beschuldigten habe sich erweitert. Nach dem früheren Audi-Motorenentwickler Giovanni P. sei bereits am Mittwoch ein weiterer ehemaliger Audi-Mitarbeiter inhaftiert worden, so Grape. Es habe auch zwei Durchsuchungen und Beschlagnahmen gegeben. Weitere Angaben machte die Staatsanwaltschaft nicht. Porsche hatte sich im Mai vorigen Jahres von Hatz getrennt, nachdem er bereits seit September 2015 beurlaubt worden war. Hatz war Entwicklungsvorstand seit 2011. Die Beurlaubung hatte nichts mit seiner Position als Entwicklungschef von Porsche zu tun, sondern mit früheren Tätigkeiten im VW-Konzern. Hatz war von 2001 bis 2007 zunächst Chef der Motorenentwicklung von Audi, danach bei VW. Damals wurden die Dieselmotoren entwickelt und eingeführt, bei denen mithilfe einer Betrugssoftware die Abgaswerte manipuliert wurden, sodass die Motoren auf dem Prüfstand zwar sauber sind, auf der Straße jedoch zu viel Stickoxid ausstoßen.

Seine Diplomarbeit schrieb Hatz bei Porsche in Weissach

Nach der Einigung auf einen Aufhebungsvertrag erklärte Porsche, Hatz habe seit seiner Beurlaubung an der Aufklärung mitgewirkt. Die Untersuchungen hätten bis zur Trennung keinerlei Hinweise auf eine Mitverantwortung von Hatz ergeben, hieß es damals. Hatz hatte schon vor seiner Zeit als Entwicklungschef enge Verbindungen zu Porsche. Schon seine Diplomarbeit schrieb der Maschinenbau-Ingenieur im Entwicklungszentrum in Weissach. 1983 begann der gebürtige Baden-Badener seine Karriere aber bei BMW, wo er Motoren für den M3, die sportliche Linie der Bayern, entwickelte. 1989 wechselte er als Versuchsleiter im Motorsport wieder zu Porsche. 1996 ging er als Motorsport-Technik-Chef zu Opel. Am Donnerstag wollten weder Porsche, noch Audi und VW sich zur jüngsten Entwicklung äußern.

Die US-Justiz hatte Hatz 2016 als möglichen „Mitverschwörer“ bei den Abgasmanipulationen verdächtigt. Er habe Bescheid gewusst oder zumindest darüber hinweggesehen, erklärten die Ermittler in den Vereinigten Staaten. Die für den Audi-Stammsitz Ingolstadt zuständige Staatsanwaltschaft München II ermittelt seit diesem März „gegen Unbekannt wegen des Verdachts des Betrugs und der strafbaren Werbung“ im Zusammenhang mit Dieselmotoren. Gleich zu Beginn gab es eine spektakuläre Razzia. Ausgerechnet am Tag der Jahrespressekonferenz durchsuchten Ermittler die Audi-Zentrale in Ingolstadt sowie Büroräume im Werk Neckarsulm sowie an sieben weiteren Orten. Insgesamt waren 80 Staatsanwälte und Polizisten im Einsatz. Bei Audi geht es um große Dieselmotoren mit drei Liter Hubraum, die auch in Wagen der Konzernschwester Porsche eingebaut wurden. Der ehemalige Neckarsulmer Motorenentwickler Giovanni P. sitzt bereits seit drei Monaten wegen Betrugsverdachts und Fluchtgefahr in München in Untersuchungshaft.

Durch Aussagen belastet

Nach den jüngsten Medienberichten wird Hatz nun auch durch Aussagen des inhaftierten Neckarsulmer Entwicklers belastet. Die US-Justiz wirft P. vor, er habe „Audi-Mitarbeiter angewiesen, Software zu entwickeln und einzubauen, mit der die standardmäßigen US-Abgastests getäuscht werden“. Sie verlangt seine Auslieferung. Audi hatte P. bereits 2015 beurlaubt und ihm Anfang 2017 fristlos gekündigt. Der Entwickler klagt gegen die Kündigung vor dem Heilbronner Arbeitsgericht. Zu einem Gütetermin ist er in dieser Woche jedoch nicht vor Gericht erschienen.