Bei welchen Reisen ist eine Police ratsam?
Der geschilderte Fall ist typisch: Mehr als acht von zehn Deutschen wurden im Urlaub bereits krank oder hatten einen Unfall, wie der Versicherer Hanse-Merkur ermittelte. Mehr als jeder zweite davon musste sich medizinisch behandeln lassen. Auslandskrankenversichert waren allerdings nur zwei von drei Urlaubern. Verbraucherschützer werben vehement für eine solche Police. Denn sie kann wie im Fall des Stuttgarters für wenig Geld hohe Kosten ersparen, auf denen man sonst leicht sitzenbleibt.
Eine Auslandsreiseversicherung ist bei jeder Reise ins Ausland sinnvoll, auch in der EU. Ohne eine solche bekommt man nur das erstattet, was Bürger des Urlaubslands von ihrer Versicherung bekommen hätten. Das kann sehr wenig sein. Zudem bezahlen gesetzliche Krankenversicherer im Fall der Fälle keinen Rücktransport ins Heimatland.
Um welche Kosten geht es?
Das hängt vom Einzelfall ab. In den USA oder Kanada kann ein einzelner Krankenhaustag Tausende Euro kosten. Bei Rücktransporten sind schnell fünfstellige Summen erreicht. Bei einem 25-jährigen Thailand-Urlauber aus Deutschland mit Bruch der Wirbelsäule und Gehirnblutung wurden vor Kurzem 147 000 Euro für den Ambulanzrückflug fällig. Er war nicht versichert. Eine Spendenaktion brachte die finanzielle Rettung.
Worauf muss man bei einer Police achten?
Eine gute Auslandskrankenversicherung deckt alle ambulanten und stationären Behandlungen, einen provisorischen Zahnersatz und Hilfsmittel sowie Krücken ohne Selbstbehalt und Deckelung ab. Bei einem Rücktransport ist wichtig, dass er erfolgt, wenn es „medizinisch sinnvoll oder vertretbar“ und nicht nur „medizinisch notwendig“ ist. Nur im ersten Fall wird ein Rücktransport ermöglicht, wenn eine Behandlung in Deutschland eine bessere Genesung verspricht, eine Klinik aber im Urlaubsland vorhanden wäre. Zudem sollte eine Police Rettungs- und Bergungskosten von minimal 5000 Euro zahlen. Familien sollten darauf achten, dass Übernachtungskosten für Eltern inklusive sind, falls ein Kind stationär ins Krankenhaus muss.
Deckt eine Kreditkarte oder die Mitgliedschaft bei einem Automobilclub oft nicht schon eine Auslandskrankenpolice ab?
Wer darüber verfügt, sollte in jedem Fall die Bedingungen checken. Manchmal ist der Schutz eingeschränkt. Ähnliches gilt auch für privat Krankenversicherte.
Was kostet eine gute Versicherung?
Einzelpersonen zahlen pro Jahr zehn bis 30 Euro, Familien 20 bis 75 Euro – abhängig vom Alter der Familienmitglieder. Auslandskrankenpolicen verteuern sich deutlich bei über 65-jährigen, bleiben aber stets gut erschwinglich. Nur einzelne Reisen abzusichern ist lediglich bei längeren Aufenthalten von mehreren Monaten sinnvoll.
Wo sucht man vorzugsweise eine Police?
Vergleichsportale sind nicht ratsam, weil die Produkte kaum im Preis, aber stark in der Leistung differieren. Finanztip empfiehlt bei Einzelpersonen den Debeka Tarif AR oder den Münchener Verein Tarif 501 und für Familien den Münchener Verein Tarif 502 oder die Travelsecure (Würzburger) Tarif AR ohne Selbstbehalt. Immer wieder empfohlen wird auch eine ADAC-Police. Der Bund der Versicherten schickt Nichtmitgliedern gegen eine kleine Gebühr eine Liste aktuell empfehlenswerter Anbieter. Für Mitglieder ist sie kostenfrei.
Wie ist das Prozedere im Schadensfall?
Die Kosten für die ambulante Behandlung und Medikamente müssen in der Regel vorgestreckt werden. Im Anschluss reicht man die Rechnung möglichst auf Deutsch oder Englisch mit Patientennamen, behandelndem Arzt, Diagnose und Art der Behandlung dann beim Versicherer ein. Bei Aufenthalten im Krankenhaus sollten Versicherte sofort die Versicherung kontaktieren, die dann in aller Regel direkt mit diesem abrechnet.
Gibt es große Serviceunterschiede hinsichtlich der Erreichbarkeit oder Hotline einer Versicherung?
Der Bund der Versicherten kann dies nicht erkennen. Wer eine Hotline anbiete, sei in der Regel auch gut erreichbar. Finanztip behält sich hier ein Urteil vor und verweist auf Bewertungsportale wie das von Finanztip.
Braucht man fürs Homeoffice im Ausland eine spezielle Police?
Grundsätzlich nicht. Allerdings gelten Reisekrankenversicherungen vielfach nur für bestimmte Reisezeiträume. Typisch sind bis zu 56 oder bis zu 70 Tagen. Für Auslandsaufenthalt, die darüber hinausgehen, gibt es extra Tarife.