Großlieferant von E-Rohstoffen und wichtigster Absatzmarkt: China hat die Autobranche abhängig gemacht, meint unser Kommentator Klaus Köster.

Als Russland im Jahr 2014 die Krim überfiel, waren auch die Topmanager der deutschen Wirtschaft geschockt – aber nicht so sehr, dass sie deswegen mehrheitlich für einen grundlegenden Kurswechsel plädiert hätten. Der damalige Chef des Ostausschusses der deutschen Wirtschaft, der ehemalige Daimler-Vorstand Eckhard Cordes, erklärte Sanktionen für „kontraproduktiv“. Das billige Gas verschaffte der deutschen Industrie einen Wettbewerbsvorteil, den sie nicht preisgeben wollte.

So groß jetzt das Entsetzen in der Wirtschaft über die Gaskrise und über die explodierenden Energiepreise zu Recht ist – ihr Protest gegen eine Energiepolitik, die genau dieses Risiko in Kauf nahm, hielt sich jahrelang in engen Grenzen. Solange auf der Titanic gespielt wurde, wollte auch sie die Party nicht verlassen.

Absatzmarkt ist kaum zu ersetzen

Ungleich größer ist die Abhängigkeit von China. Deutsche Autohersteller verkaufen mehr als ein Drittel ihrer Fahrzeuge allein in ein einziges Land. Der starken Position auf diesem großen und langfristig stark wachsenden Markt verdankt die Autobranche ihre heutige Größe und Bedeutung. Doch es gilt auch der Umkehrschluss: Sollte dieser Markt wegfallen, was inzwischen keine völlig abwegige Vorstellung mehr ist, wäre die Branche nur noch ein Schatten ihrer selbst.

Bemühungen der Branche, die heutige E-Batterietechnologie so zu entwickeln, dass sie nicht nur leistungsfähiger wird, sondern auch keine kritischen Rohstoffe mehr benötigt werden, sind höchst hilfreich – doch für den Fall eines Verlusts des chinesischen Absatzmarkts kann es keinen Plan B geben. Das Geschäftsmodell Deutschlands ist auf verdammt viel Sand gebaut.