Der Druck auf Rupert Murdoch wächst. Seine Vertraute Rebekah Brooks gibt ihren Posten als Vorstandschefin der Verlagsgesellschaft News International ab.
London - Rupert Murdoch gerät immer mehr unter Druck: Die US-Bundespolizei FBI leitete Ermittlungen gegen sein Medienimperium ein. Auslöser waren Vermutungen, Journalisten der News Corp. könnten versucht haben, Telefone von Opfern der Terroranschläge vom 11. September anzuzapfen. Die Murdoch-Vertraute Rebekah Brooks gibt ihren Posten als Vorstandschefin der Verlagsgesellschaft News International auf. Das teilte die in den Skandal um abgehörte Mobiltelefone verwickelte Managerin am Freitag in London mit. Rebekah Brooks war früher Chefredakteurin der inzwischen eingestellten Skandalzeitung „News of the World“ und später des Boulevardblattes „The Sun“ aus dem Imperium Murdochs. Später stieg sie zur Verlagsmanagerin auf.
Murdoch verteidigte unterdessen das Vorgehen seines Unternehmens im Abhörskandal um das britische Boulevardblatt „News of the World“. Der Konzern werde sich von allen negativen Auswirkungen der Vorwürfe erholen, sagte der 80-Jährige dem „Wall Street Journal“, das ebenfalls News Corp. gehört. Berichte, er werde wegen des Skandals alle seine britischen Zeitungen verkaufen, wies Murdoch ebenso zurück wie Kritik daran, wie er und sein Sohn James auf die Krise reagierten. Er ärgere sich über all die negative Presse in jüngster Zeit, erklärte er.
US-Justizminister Eric Holder bestätigte am Freitag die Einleitung von Ermittlungen. Mitglieder des US-Kongresses hätten die Untersuchungen gefordert, sagte Holder auf einer Pressekonferenz in Australien. Aus Justizkreisen in den USA verlautete, mehrere Abgeordnete und Senatoren hätten FBI-Direktor Robert Mueller schriftlich aufgefordert, gegen Mitarbeiter der News Corp. zu ermitteln.
Rivalisierender „Daily Mirror“ erhob Anschuldigungen
Die Vorwürfe gegen Murdoch gehen zurück auf den rivalisierenden „Daily Mirror“, der unter Berufung auf anonyme Quellen berichtete, Journalisten seien an einen US-Ermittler herangetreten und hätten sich besonders für die britischen Opfer der Terroranschläge interessiert. Der Ermittler habe die Journalisten abgewiesen.
Sollten Amerikaner Opfer von Abhöraktionen geworden sein, könnten die Führungskräfte der News Corp. straf- und zivilrechtlich zur Verantwortung gezogen werden. Experten halten es jedoch für unwahrscheinlich, dass damit die US-Zeitungen des Konzern in Gefahr geraten. Auch ein Entzug der Lizenzen für die Fernsehsender Fox steht wohl nicht an.
Murdoch und sein Sohn James erklärten sich nach einer brüsken Absage überraschend doch bereit, zum Abhörskandal bei der „News of the World“ vor einem Untersuchungsausschuss des britischen Parlaments auszusagen. Beide seien dabei, ihre Teilnahme am Dienstag zu bestätigen, teilte News Corp. am Donnerstag mit.
Aussage in der kommenden Woche
Murdoch und sein Sohn hätten die Absicht, vor dem Parlamentsausschuss zu erscheinen, sagte News Corp.-Sprecherin Miranda Higham. Wenige Stunden zuvor hatte der Medienmogul eine Aussage noch abgelehnt. Sein Sohn erklärte, er könne erst am 10. oder 11. August erscheinen. Der Parlamentsausschuss für Kultur, Medien und Sport forderte Murdoch, seinen Sohn und Rebekah Brooks, die Chefin von News International, auf, in der kommenden Woche vor den Abgeordneten zu erscheinen.
„News of the World“ gehörte zum Konzern News International, der britischen Tochterfirma von News Corp., dem Medienimperium Murdochs. Wegen des Abhörskandals hat Murdoch die 168 Jahre alte Zeitung eingestellt und am Mittwoch auf die Übernahme des britischen Fernsehsenders BSkyB verzichtet.