Abifeier am Oberen See Böblinger Schüler feiern Ende der Schulzeit

Das Ende der meisten Abiprüfungen feiern Schüler in Böblingen traditionell auf der Seetreppe. Foto: Eibner-Pressefoto/Sandy Dinkelacker

Nach der Mathe-Prüfung versammeln sich an der Seetreppe in Böblingen bei strahlender Sonne ein paar Dutzend Abiturienten. Die meisten haben einen ganz konkreten Plan: erstmal pausieren, soziales Jahr und dann studieren gehen.

Böblingen: Martin Dudenhöffer (dud)

Schüler in bunten, bedruckten Pullovern, die freudig anstoßen und sich um den Hals fallen. Nach und nach stoßen weitere Abiturienten mit Bierkästen oder handlicheren Sixpacks dazu. Am Mittwochnachmittag feiern ein paar Dutzend junge Menschen friedlich und fröhlich auf der Böblinger Seetreppe, dass der Großteil ihrer Abi-prüfungen hinter ihnen liegt.

 

Doch neben der gelösten Stimmung zeigt sich am Tag des Mathe-Abis vor allem eines: Die Abiturienten von heute haben fast durch die Bank klare Vorstellungen darüber, wie es nach der Schule weitergehen soll. Dabei hört man am häufigsten die Reihenfolge: Pausieren, Freiwilligenarbeit leisten und studieren. Diesen Plan verfolgt auch Mirja, Abiturientin vom Albert-Einstein-Gymnasium (AEG) in Böblingen: „Ich lege zunächst ein Jahr Pause ein. Dann möchte ich nach Praktika und FSJ schauen, zum Beispiel in meinem Heimatsportverein, dem TSV Ehningen. Zum Wintersemester 2024 hoffe ich auf einen Studienplatz in Mechatronik an der DHBW Stuttgart und bei einem regionalen, vielleicht namhaften Unternehmen.“

Mathe furchtbar, Sport klasse

Am Mittwochnachmittag soll aber nicht der zweite oder dritte Schritt vor dem ersten gemacht, sondern auch das Hier und Jetzt feierlich begangen werden. Mit Mathe stand von 8 bis 14 Uhr an jenem Tag der für die meisten wohl dickste Brocken auf dem Programm. Wie die Prüfung lief? Mirja nimmt jedenfalls kein Blatt vor den Mund: „Es war scheiße.“ Die Aufgaben seien dieses Jahr so heftig gewesen, dass viele zu weinen anfingen. Während Mathe einigen Schweiß und Tränen abverlangt hat, ging die Sportprüfung offenbar einfacher über die Bühne. „Sport war entspannt. Ich konnte mein vorgefertigtes Trainingsprogramm gut präsentieren“, erklärt die Volleyballerin Mirja.

Nun sind die Wochen, auf die sich Gymnasiasten praktisch zwölf Jahre lang vorbereiten, fast Geschichte. Das gibt Gelegenheit, über die vergangenen Jahre zu sinnieren. „Ich verlasse die Schule mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Einerseits freut man sich, dass man alles hinter sich gebracht hat und jetzt seinen eigenen Weg einschlagen. Andererseits sieht man dann nicht mehr täglich seine Freunde. Und auch die Lehrer sind uns an Herz gewachsen. Es war eine prägende Zeit“, zieht die AEG-Schülerin Mirja ein recht nachdenkliches Resümee ihrer eigenen Schulzeit.

Nur ein paar Meter weiter entfernt stehen Schüler des Böblinger Max-Planck-Gymnasiums (MPG). Auch die Abiturienten des MPG fällen hinsichtlich der Matheprüfung ein eher vernichtendes Urteil. „Bodenlos“, sagt Benedikt. Die anderen im Halbkreis stimmen zu. Der Mathelehrer habe gesagt: „Von den schlechtesten Aufgaben habe ich noch das beste ausgewählt.“ Um bestehen zu können, haben sich die 18-Jährigen zuletzt in Verzicht geübt: „Statt dreimal bin ich nur einmal ein der Woche ausgegangen“, erzählt Lara. Insgesamt, so Benedikt, seien viele zwar enttäuscht darüber, dass das Mathe-Abi so schwer war, dennoch spürten sie nun hauptsächlich Erleichterung.

Abi-Kamerad Manuel setzt einen Haken dran und richten den Blick ganz nüchtern nach vorne: „Das Abi ist eigentlich nur die Eintrittskarte fürs Studium. Es ist der Ausweis in den Club. Am Ende zählt aber, was im Club passiert“, meint der Abiturient, dessen Pullirückseite die Aufschrift ziert: „Wasabi – Auch die Schärfsten müssen mal gehen.“ Für die meisten in der MPG-Gruppe steht Manuels Metapher vom „ Club“ für ein duales Studium. Benedikt möchte zunächst in Afrika Auslandserfahrung sammeln.

Die Anspannung weicht ausgelassener Stimmung

Bei sonnigem Wetter ließen es sich nach dem Abistress auch die Schüler des Böblinger Otto-Hahn-Gymnasiums (OHG) gut gehen. Mit einer Dose Bier in der Hand und dem Abi praktisch im Gepäck lassen Abiturienten wie Can den Tag noch mal Revue passieren: „Ich fand Mathe zu anspruchsvoll. Analysis ging noch, bei Stochastik hatte ich ein richtig schlechtes Gefühl.“ Dennoch macht sich jetzt auch bei ihm Erleichterung breit. „Ich habe zweieinhalb Monate durchgelernt. Rausgegangen bin ich nur, um mit meinen drei Hunden Gassi zu gehen. Jetzt freue ich mich aufs Durchatmen“, betont Can.

Die noch ausstehenden mündlichen Prüfungen jagen dem Böblinger keine Angst mehr ein: „Geschichte und Religion werden locker. Da gehe ich gelassen ran.“ Für die Zeit danach zeigt sich Can ähnlich planvoll wie die meisten seiner Altersgenossen rund um die Seetreppe: „Ich würde gerne Wirtschaftsingenieurwesen studieren. Wahrscheinlich aber woanders, sodass ich mal aus Böblingen herauskomme.“

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