Abifeiern am Unteren See in Böblingen Schüler bejubeln das Ende der Prüfungen

Ihr Abi feiern Schülerinnen und Schüler traditionell an der Seetreppe in Böblingen. Foto: Eibner-Pressefoto/Andreas Ulmer

Wie jedes Jahr treffen sich nach der Matheprüfung Abiturienten aus dem Kreis Böblingen zum Feiern an der Seetreppe. Die meisten Schulabgänger wissen genau, wie es nach dem Ende der Schulzeit für sie weitergehen soll.

Böblingen: Martin Dudenhöffer (dud)

Der Kontrast könnte kaum größer sein: Während sich am Himmel dunkelgraue Regenwolken auftun und das Wetter zu kippen droht, scheint an der Seetreppe in Böblingen am Dienstagnachmittag die Sonne aus den Gesichtern vieler junger Menschen. Von dem drohenden Wetterwechsel lassen sich mehrere Dutzend Abiturienten mit ihren meist alkoholischen Kaltgetränken wenig beeindrucken. Sie feiern nichts Geringeres als das Ende ihrer Schulzeit.

 

Sichtlich erleichtert über den „Riesenschritt“ in Richtung Abitur zeigt sich Benedikt, 18 Jahre und Schüler an der Gottlieb-Daimler-Schule in Sindelfingen. „Wie alles gelaufen ist, ist schwer einzuschätzen. Insgesamt hatte ich bei Deutsch, Mathe oder Technik aber ein gutes Gefühl. Jetzt gerade bin ich aber froh und erleichtert, dass es vorbei ist“, sagt Benedikt. Auch seine beiden Abi-Kameraden Nancy und Lucca teilen die Freude darüber, dass die schriftlichen Abiturprüfungen nun endlich Geschichte sind: „Es ist schön, zu wissen, dass wir fertig sind. Immerhin haben wir 13 Jahre darauf hingearbeitet.“

Lange Vorbereitungszeit zahlt sich aus

Wie fast alle Alters- und Abi-Leidensgenossen an jenem Nachmittag tragen auch die Sindelfinger Schulabgänger keinen farbenfrohen Pullover mit kessem Wortwitz – man geht schwarz. Und ist dennoch nicht verlegen: Den Satz, „die Pullis waren noch nicht fertiggestellt. Die bekommen wir erst später“, hört man von vielen Feiernden. Dem friedlichen und maßvollen Feiern tut das keinen Abbruch, wie die Mädelsgruppe um Alina, Hanna, Lisa und Marleen zeigt. Die vier jungen Frauen lernten auf dem Otto-Hahn-Gymnasium (OHG) in Böblingen. „Die Prüfungen waren leichter als erwartet. Ich hatte mich aber auch lange auf das Abi vorbereitet“, erzählt Lokalmatadorin Alina.

Ebenfalls die Bierflasche gegen Stift und Taschenrechner eingetauscht haben die Schülerinnen des Böblinger Albert-Einstein-Gymnasiums (AEG). Im Gegensatz zu ihren Kameraden haben sich Mia, Nina und Leni am Dienstag nicht über Geometrie oder Stochastik den Kopf zerbrechen müssen. Sie werden Anfang Juli noch zur mündlichen Mathe-Prüfung antreten – eine Aussicht, die Nina als „positiv“, Leni und Mia eher als „schrecklich“ bewerten. Zunächst heißt es aber Party: erst an der Seetreppe, später auf dem Stuttgarter Wasen. „Eigentlich alle aus unserem Abijahrgang fahren später zum Wasen. Auch die Schüler des Lise-Meitner-Gymnasiums wollen dorthin“, erklärt Mia.

Die Schule mit gemischten Gefühlen verlassen

Auch wenn alle auf den Tag des Abiturs hingefiebert haben, gänzlich ohne Wehmut blicken auch die ausgelassensten Schulabgänger nicht auf die zurückliegende Zeit. „Ich habe gemischte Gefühle, wenn ich daran denke, dass ich bald nicht mehr in der Schule sein werde“, sagt Malte. Seine Abikollegin Celina fügt hinzu: „Wir werden es vermissen, jeden Tag unsere Freundinnen und Freunde zu sehen. Das wird anders sein, wenn wir studieren oder im Arbeitsleben sind.“ Vom berühmten „lachenden und weinenden Auge“ spricht auch OHG-Schülerin Hanna: „Natürlich ist man glücklich darüber, dass man es geschafft hat. Die Routine und das tägliche Treffen mit den Freunden werden aber fehlen.“ Marleen betont: „Dadurch, dass unsere Zukunft so offen ist und wir nicht wissen, was kommt, fällt es schwerer, die Schulzeit hinter sich zu wissen.“

Wer sich bei den Grüppchen umhört, gewinnt aber nicht den Eindruck, die Abiturienten hätten keine Vorstellungen von dieser Zukunft. Während die AEG-ler zunächst das „Leben genießen wollen“ und anschließend von Jura, Kunst, Meeresbiologie, Grundschullehramt und Forstwissenschaften träumen, hat sich GDS-Abiturient Tom entschieden, in einer Hamburger Grundschule ein Freies Soziales Jahr zu absolvieren. „Ich gehe nach Hamburg, wo mein Bruder wohnt. Ich könnte mir auch vorstellen, dort zu bleiben, weil mir die Stadt gefällt. Ich weiß auf jeden Fall bereits, dass ich etwas im sozialen Bereich machen möchte“, wirft Tom den Blick nach vorne in die Zukunft.

Viele wagen den Schritt ins Ausland

Ähnlich konkret klingen die Pläne der Sindelfinger Absolventen Benedikt, Nancy und Lucca. „Ich werde eine Ausbildung bei einer Bank machen“, sagt Nancy. Kollege Benedikt visiert ein duales Studium des Wirtschaftsingenieurwesens in Ditzingen und dann den Gang über den großen Teich an eine US-amerikanische Universität an. Lucca plant zwar, Luftfahrtmanagement in Wien zu studieren, ganz die Zelte in seiner Heimat, dem Kreis Böblingen, will der 18-Jährige aber nicht abbrechen: „Ich komme von hier und finde es auch schön hier.“

Eine neue Erfahrung in Übersee wollen auch Noah und Celina wagen. Die beiden Böblinger Schüler gehen nach Kanada. Während Noah mit der Liebenzeller Mission in das Land mit dem Ahornblatt auf der Flagge geht, will Celina durch „Work and Travel“ die Weiten Kanadas kennenlernen. Etwas mehr in Schwebe stehen noch die Zukunftspläne von Hanna und Alina vom Otto-Hahn-Gymnasium. Wie viele wollen auch die beiden verreisen, bevor der nächste Schritt ihres Lebens, ein Studium, bevorsteht. „Wohin es gehen soll, ist noch nicht entschieden. Sicher aber außerhalb von Europa. Danach würde ich gerne etwas Soziales machen. Vielleicht Psychologie“, sagt Hanna.

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