Abiprüfungen in Stuttgart-Sillenbuch Polizei löst Abiparty auf

Nach der Abiprüfung am Montag gab es in Sillenbuch ein Nachspiel. Foto: Joe Bauer
Nach der Abiprüfung am Montag gab es in Sillenbuch ein Nachspiel. Foto: Joe Bauer

Endlich mal wieder feiern: Bei diesem Vorhaben auf einem Spielplatz in Stuttgart-Sillenbuch fühlten sich rund 15 Prüflinge nach dem Englisch-Abi jäh gestört. Als einige von ihnen flüchten wollten, griff die Polizei beherzt zu.

Lokales: Inge Jacobs (ja)
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Stuttgart - Ein Schüler des Geschwister-Scholl-Gymnasiums in Sillenbuch kann noch gar nicht fassen, was ihm und seinen Mitabiturienten am Montag widerfahren ist. Nach der schriftlichen Prüfung in Englisch habe man noch ein bisschen feiern wollen, bei einem Spielplatz nahe der Schule. 15 Prüflinge, zwei Kästen Bier, ein bisschen Musik, aber nicht zu laut. „Um 14 Uhr haben wir losgelegt – wir sind ja einfach nur gut gelaunte Abiturienten“, sagt der Schüler. „Und wir haben genug Abstriche gemacht“, sagt er mit Blick auf die Einschränkungen durch Corona. Dann sei da plötzlich Polizei auf der Straße gestanden.

„Da haben wir uns zerstreut“, berichtet der Abiturient. Aber plötzlich seien Polizisten von allen Seiten gekommen, hätten die Flüchtenden „gepackt, auf den Boden geworfen und zum Teil auch verletzt“, sagt der Schüler. Einem Mitschüler sei bei der Festnahme die Hand verletzt worden, weshalb er zum Arzt gegangen sei, auch eine Freundin habe Schmerzen erlitten. Dann seien ihre Taschen auf dem Spielplatz durchsucht worden. „Aber wir hatten keine Drogen dabei, haben keine Leute beleidigt.“ Er habe seine Tasche erst nach einer Stunde wieder zurückerhalten. Offenbar habe ein Passant die Polizei gerufen, die erst einen Zivilbeamten vorschickte. Dann habe die Polizei ohne Vorwarnung zugegriffen. „Wir fühlen uns ungerecht behandelt“, so der Schüler und verweist auf feiernde Abiturienten in Degerloch, die mit einer Verwarnung davongekommen seien.

Eine Polizeisprecherin bestätigt den Vorfall. Es sei Alkohol getrunken worden, auch hochprozentiger, es sei getanzt und geraucht worden, was auf einem Spielplatz nicht vorgesehen sei. Es seien einige wegrennende Schüler erwischt worden, von anderen habe man die Taschen sichergestellt und mit aufs Revier genommen. Man habe Gespräche mit den Schülern geführt und ihnen einen Platzverweis erteilt – „eine polizeirechtliche Maßnahme“. Und diese hätten daraufhin die Örtlichkeit brav aufgeräumt und dann verlassen. Der Verstoß gegen die Coronaverordnung sei eine Ordnungswidrigkeit. Darüber entscheide die Bußgeldstelle der Stadt Stuttgart. Für private Treffen gilt, bei einer Inzidenz über 100 (Stuttgart liegt da derzeit deutlich drüber): Treffen sind nur noch mit den Angehörigen des eigenen Haushalts und einer weiteren nicht zum Haushalt gehörenden Person erlaubt.

Anmerkung der Redaktion: Da der Abiturient doch nicht mit Namen genannt werden will, haben wir den Artikel nachträglich anonymisiert.




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