Abiturient aus Leonberg Darum will ein 19-Jähriger Karriere bei der FDP machen

Neben seinem Engagement bei den Jungen Liberalen Böblingen arbeitet Jan-Philipp Lenhardt im Büro des FDP-Landtagsabgeordneten Erik Schweickert. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski/i

Jan-Philipp Lenhardt aus Leonberg ist seit Kurzem Kreisvorsitzender der Jungen Liberalen Böblingen. Wieso ihn die FDP schon früh begeisterte, was sein politisches Engagement antreibt – und was er über die Ampelkoalition denkt.

Digital Desk: Annika Mayer (may)

Liberal und angesagt: Die FDP zieht derzeit mehr junge Mitglieder an als jede andere Partei. Laut der Bundeszentrale für politische Bildung waren im Jahr 2021 knapp 24 Prozent der Parteimitglieder nicht älter als 30, damit liegen die Liberalen vor allen anderen Parteien, die im Bundestag vertreten sind. Zu diesen 24 Prozent gehört auch Jan-Philipp Lenhardt, 19 Jahre alt, aus Leonberg. 2020 tritt er mit gerade einmal 16 Jahren in die Partei ein. Seit Kurzem ist er Kreisvorsitzender der Jungen Liberalen Böblingen.

 

Doch warum gerade die FDP? „Mir ist dieser liberale Geist, wenig Staat und viel Eigenverantwortung, sehr wichtig“, erklärt Lenhardt, der in diesem Jahr sein Abitur am Gymnasium Rutesheim gemacht hat und in seinem letzten Jahr Schülersprecher war. Außerdem vereine die FDP zwei Aspekte, die es so in keiner anderen Partei gebe. „Einerseits eine liberale Gesellschaftspolitik, das heißt zum Beispiel die Unterstützung der LGBTQIA+-Community und die Freigabe von Cannabis. Aber dann andererseits eine meiner Meinung nach richtige und rationale Wirtschaftspolitik, die sagt, wir dürfen den Wirtschaftsstandort Deutschland nicht vernachlässigen“, erläutert Lenhardt. Der 19-Jährige ist ein FDPler durch und durch. Wenn man mit ihm über Politik spricht, vergisst man schnell sein Alter. Lenhardt brennt für seine Partei, kennt und vertritt ihre Standpunkte und beherrscht bereits die Sprechweise, wie man sie von erfahrenen Politikern kennt.

Sein Weg in die Politik beginnt 2019 in den Sozialen Medien. Der Leonberger ist damals 15 Jahre alt und verfolgt die Debatte um Artikel 13 der EU-Urheberrechtsreform. Viele junge Menschen gehen damals auf die Straße, um dagegen zu protestieren. Sie befürchten, dass durch die verschärften Copyright-Richtlinien Videoplattformen wie Youtube nicht mehr betrieben werden können. „Die Artikel 13 Debatte hat mich sehr politisiert“, erzählt er heute. Er schaut sich um, was die Parteien dazu sagen. Schließlich stößt er auf einen Instagram-Post der FDP, der sich über Artikel 13 lustig macht. „Dann habe ich gedacht, ich drücke bei der FDP mal auf ‚Folgen’“, erzählt Lenhardt.

Lenhardt ist seit drei Jahren in der FDP

Politik ist ein großer Teil im Leben des Leonbergers: In seiner Schulzeit beginnt er, sich bei den liberalen Schülern, einer Vorfeldorganisation von FDP und Jungen Liberalen, einzubringen. Mittlerweile leitet er den Bundesarbeitskreis der Liberalen Schüler. Neben seinem ehrenamtlichen Engagement dort und für die Jungen Liberalen arbeitet Jan-Philipp Lenhardt außerdem für den Landtagsabgeordneten der FDP aus dem Enzkreis, Erik Schweickert.

Deshalb engagiert sich der 19-Jährige

Ihm ist es einfach wichtig, sich für seine Mitmenschen einzusetzen, erklärt er. „Und man merkt, dass wir in Deutschland aus dem Krisenmodus kaum rauskommen. Da spielt die junge Perspektive eine große Rolle.“ Im Zuge von Bewegungen wie Fridays for Future auf die Straße zu gehen, sei für ihn persönlich jedoch nicht das Richtige. „Wenn man etwas ändern will, muss man schauen, wie man das im System schafft“, erklärt er sein Engagement in der Partei.

Jungen Menschen eine Stimme geben

Bildung, Digitalisierung, Klimaschutz und Europa – ein Auszug aus den politischen Herzensthemen des 19-Jährigen. Für ihn ist außerdem wichtig, mehr junge Menschen in die Politik zu bringen, wie er erklärt. „Ich glaube, junge Menschen haben sehr gute Ideen, werden aber oft überhört in der Politik.“ Als Kreisvorsitzender der Jungen Liberalen will Lenhardt Strukturen schaffen, durch die auch sie ihre Ideen einbringen können – quasi die Jugend generiert den Nachwuchs.

Jungen Menschen eine Stimme geben, das wollen die Jungen Liberalen Böblingen besonders mit Blick auf die Kommunalwahl im kommenden Jahr. Wie der junge Politiker erzählt, sucht die Organisation momentan auch außerhalb der FDP nach jungen Menschen, die bereit sind, für die Partei zu kandidieren. „Weil genau die, die im Ehrenamt tätig sind – zum Beispiel als Schülersprecher oder im Verein – wissen, was ihre Region braucht.“ Einsetzen wollen sich die Jungen Liberalen unter anderem auch für mehr Jugendgemeinderäte und bessere Bus- und Bahnverbindungen in der Region.

Dass seine Partei aktuell in der Regierung sitzt, bekommt Lenhardt bei seinem Engagement vor Ort zu spüren. Immer wieder wird er mit der Politik der Ampelkoalition konfrontiert. „Da kam ich in der Schule schon oft in die Situation, dass ich mich rechtfertigen musste“, erzählt er. „Man weiß, ich bin der FDPler. Und wenn die FDP etwas auf Bundesebene verbockt, werde ich dafür verantwortlich gemacht.“

Das sagt er zur Ampel

Die Ampel erfüllt viele junge Menschen zunächst mit Euphorie, den 19-jährigen Leonberger miteingeschlossen – eint die Parteien doch ihre liberale Gesellschaftspolitik. Mittlerweile sind die Fronten in der Koalition jedoch verhärtet. Zu diesem Thema hat er natürlich eine Meinung: „Ich würde trotzdem sagen, dass die Ampel deutlich besser ist als ihr Ruf in der Gesellschaft“, sagt Lenhardt. „Und wenn wir aus dem Dauerkrisen-Modus von Corona über Inflation und Ukraine-Krieg herauskommen, dann steht auch die Ampel wieder besser da.“

Auch wenn es gerade zwischen den Grünen und der FDP immer wieder kracht, hält er die beiden Parteien doch für kompatibel. Schließlich würden sie sich beide für eine tolerante Gesellschaft einsetzen. „In der Realpolitik verhärten sich die Fronten“, sagt er. „Man ist aber doch fähig, Kompromisse zu finden.“

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