Abiturprüfungen in Ludwigsburg Angst vor positiven Coronatests geht um

Am Montag beginnen in Baden-Württemberg die Abiturprüfungen – an den allgemeinbildenden Gymnasien mit den Fremdsprachen Italienisch, Portugiesisch und Spanisch Foto: dpa/Robert Michael

In der kommenden Woche beginnt in Baden-Württemberg das Abitur. Für viele Gymnasiasten ist die ohnehin stressige Zeit vor den letzten Prüfungen ähnlich belastend wie für den vorhergehenden Jahrgang.

Digital Desk: Michael Bosch (mbo)

Wenn dann alles vorbei ist, war meist alles halb so wild. Das Abitur hat fast jeder noch irgendwie bestanden. Vor dem letzten Schritt im Schulleben kann man das aber noch so häufig gesagt bekommen, zur Beruhigung trägt es bei den meisten nur wenig bei. Seit die ersten Jahrgänge die Abschlussprüfungen unter Pandemiebedingungen schreiben, hat sich die Belastung – zumindest gefühlt – noch einmal erhöht. Ständiger Wechsel zwischen Präsenz- und Fernunterricht und Lücken beim Stoff beklagten einige Prüflinge vor dem Abitur im vergangenen Jahr.

 

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Nun geht wieder die Angst um, allerdings weniger vor ungenügender Vorbereitung als vor einem positiven Coronatest kurz vor dem Abitur. Denn wer infiziert ist, der muss weiterhin in Quarantäne und darf folglich am Montag, wenn es los geht, nicht in die Schule kommen.

Kaum noch Schüler testen sich freiwillig

„Der mentale Stress ist schon genug“, findet Maya Hörmann. Die 18-Jährige aus Rielingshausen legt in der kommenden Woche ihre Prüfungen am Ludwigsburger Mörike-Gymnasium ab. Vorab könnte sie sich zwar noch einmal testen, das Risiko, dass dann zwei Striche auf dem Teststreifen erscheinen, will sie aber nicht eingehen – und lässt es lieber. Ihr Bruder hat eine Infektion hinter sich, auch deshalb habe sie in den zurückliegenden Wochen regelmäßig den Nasenabstrich gemacht – einfach um sicherzugehen.

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Damit dürfte sie zu einer Minderheit gehören. Sao-Khue Nguyen, die das Otto-Hahn-Gymnasium (OHG) besucht und ebenfalls vor dem Abi steht, hat sich in den zurückliegenden Wochen, in denen noch einmal im Schnelldurchlauf der relevante Stoff wiederholt wird, nicht mehr getestet. Einfach, um nichts zu verpassen. „Es testet sich eigentlich niemand mehr“, sagt die 17-Jährige. Zuvor seien immer wieder Klassenkameradinnen und -kameraden länger ausgefallen. Sie kenne eine angehende Abiturientin, bei der die Coronatests drei Wochen lang positiv waren. „Da verliert man einfach viel Zeit, um zu lernen.“

Christoph Mühlthaler, Rektor am Ernst-Sigle-Gymnasium Kornwestheim, hat dafür Verständnis. Nach den Osterferien fällt die Testpflicht an den Schulen im Land aber ohnehin weg. Dass sich die generelle Nervosität vor dem Abitur mit den Ängsten rund um Corona vermische, unterscheide den jetzigen Jahrgang nicht vom letzten, so Mühlthaler. „Es ist für alle eine schwierige Zeit.“

Rektoren haben Verständnis

Wie schon im vergangen Jahr ist die Vorbereitungszeit für viele Zwölftklässler auch eine einsame. Viele separieren sich freiwillig, „es will eben keiner mehr Corona bekommen“, sagt Rebecca Linsenmann. Die Vorstellung, die Prüfungen erst im Mai beim Nachreibetermin ablegen zu können, sei für die meisten ihrer Mitstreiter am Goethe-Gymnasium „der Horror“. Der Nachschreibetermin war aber auch schon vor Corona unbeliebt. „Natürlich ist das unangenehm“, sagt Christoph Mühlthaler, „die anderen sind schon fertig, und man muss weiter bangen.“ Auch die Suche nach einem Studienplatz verzögere sich so. Wer auch zum zweiten Termin nicht antreten kann, für den gibt es einen dritten, beruhigt er. Irgendeine Lösung finde sich, sagt Mühltahler: „So was kam ja auch schon vor Corona mal vor.“

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In den meisten Klassenzimmern herrschte zuletzt ohnehin große Disziplin. „Aber es gibt natürlich immer ein paar, die trotzdem abends feiern gehen und sich auch sonst nicht so verantwortungsvoll verhalten“, sagt Rebecca Linsenmann. Drei Faktoren spielen aus ihrer Sicht dabei eine Rolle: Hat man bereits eine Coronainfektion hinter sich, wie ernst nimmt man das Virus generell und wie wichtig ist einem die Abinote.

Der Corona-Abi-Jahrgang als Ansporn?

Mathias Hilbert, geschäftsführender Schulleiter aller Ludwigsburger Gymnasien und am OHG, hat mit seinen Kollegen die Schützlinge – nicht nur die Abiturienten – zu „Vorsicht und verantwortungsbewusstem Verhalten aufgerufen“, auch wenn die Pandemie zurzeit eher abklinge. Man versuche, für die Prüflinge optimale Bedingungen zu schaffen: unter anderem mit Luftfiltern, regelmäßigem Lüften und der Empfehlung, weiterhin Maske zu tragen.

Wie schon im vergangenen Jahr haben die Lehrer in Baden-Württemberg bei der Auswahl der Aufgaben vorab eine größere Auswahl. Zudem hat das Kultusministerium eine halbe Stunde draufgeschlagen, um die Aufgaben zu lösen. Rebecca Linsenmann und Sao-Khue Nguyen wäre es lieber , wenn der Stoff insgesamt etwas zusammengeschrumpft wäre und sprechen von „Symptombekämpfung“. Maya Hörmann hingegen sieht sich gut vorbereitet. Und auch Christoph Mühlthaler beruhigt: Immerhin seien die Abischnitte in Baden-Württemberg beim vergangenen Jahrgang sogar so gut wie seit fast 30 Jahren nicht mehr gewesen.

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