Abiturstart im Rems-Murr-Kreis Corona sorgt ein letztes Mal für mehr Zeit

Dass es auch am Backnanger Gymnasium in der Taus am Mittwochmorgen für die Abiturienten ernst geworden ist, zeigen die Zettel an der Tür. Foto: Gottfried Stoppel

Mit Biologie hat am Mittwoch das Abitur begonnen. Für die schriftlichen Prüfungen gelten letztmalig pandemiebedingte Sonderregelungen. 2024 wird eine neue Verordnung an manchen Schulen für stärkere Änderungen sorgen

Rems-Murr: Simone Käser (sk)

Auch wenn die Pandemie und entsprechende Schutzmaßnahmen im Alltag kaum noch präsent sind, so spielt das Coronavirus zumindest im Abitur immer noch eine Rolle. Denn für die schriftlichen Prüfungen gelten dieses Jahr letztmalig wieder die coronabedingten Anpassungen. Zum einen wird in der schriftlichen Abiprüfung die Arbeitszeit um 30 Minuten verlängert. Dadurch sollen etwaige, durch Corona entstandene Defizite ausgeglichen werden können. Zum anderen bekommen die Lehrer wie auch im vergangenen Jahr zusätzliche Aufgaben zur Vorauswahl bereitgestellt. Damit soll gewährleistet werden, dass die Fragen auch im Unterricht behandelt wurden. Niveau und Anforderungen seien unverändert, hieß es vom Kultusministerium. Sowohl der Landesschülerbeirat als auch die Bildungsgewerkschaft GEW fordern eine weitere Verlängerung über das Prüfungsjahr hinaus. „Die Folgen der Pandemie sind bis heute jeden Tag zu spüren“, sagte GEW-Chefin Monika Stein zum Abi-Start.

 

Es gibt für die Prüflinge keine Test- und auch keine Maskenpflicht mehr

Für Tausende Schüler in Baden-Württemberg haben am Mittwoch die Prüfungen begonnen, und zwar um Punkt 9 Uhr – ohne Test- und Maskenpflicht – mit dem Fach Bio an allgemeinbildenden Gymnasien. Wer hier geprüft wurde, musste sich unter anderem auskennen mit Zellsystemen, mit Evolution und mit Gentechnik. 47 500 Schüler treten in Baden-Württemberg an. Runtergebrochen auf den Rems-Murr-Kreis sind das an öffentlichen allgemeinbildenden Gymnasien 971 Abiturienten, an allgemeinbildenden Schulen in freier Trägerschaft 71 Abiturienten sowie an Beruflichen Schulen 579 Schüler.

Am Donnerstag ist Physik an der Reihe. Deutsch wird erst am kommenden Mittwoch geprüft. Dass nicht wie bisher üblich mit Deutsch gestartet wird, liegt an einer Änderung, die bereits im Vorjahr zum Tragen kam. „Nur noch wer Deutsch als Leistungsfach gewählt hat, tritt darin zur schriftlichen Prüfung an“, erklärt Armin Dunz. Früher hätten alle Deutsch vierstündig gehabt und wären darin zur schriftlichen Prüfung angetreten. „Jetzt ist das nur noch bei denen der Fall, die es fünfstündig wählen. Alle anderen haben es als mündliche Prüfung“, erklärt der kommissarischer Schulleiter am Gustav-Stresemann-Gymnasium in Fellbach-Schmiden.

Im Kreis gab es keine Technik-Panne wie in Nordrhein-Westfalen

Dort lief zum Start des diesjährigen Abiturs alles glatt und relativ ruhig. „Im Gegensatz zu Nordrhein-Westfalen, wo es zu der Technik-Panne kam, konnten wir digital alles ohne Probleme abrufen“, berichtet Dunz. Angetreten seien im Fach Bio 27 Schüler – und die hätten die Zeit auch voll ausgereizt. „Ob sie wirklich mehr Zeit gebraucht haben oder einfach nicht früher abgeben wollten, weiß man natürlich nicht.“ Relativ sicher weiß der kommissarische Schulleiter am GSG dagegen, dass die Abiturienten wohl relativ zufrieden mit dem Auftakt waren. „Ich habe mich mal umgehört und da hieß es teilweise, dass es weniger schlimm gewesen sei als erwartet. Aber natürlich wollen jetzt alle lieber abwarten, statt zu spekulieren.“

Insgesamt müssen die Schüler je drei schriftliche Prüfungen ablegen. Für den größten Teil der Prüflinge geht es am Montag los, dann ist am Gustav-Stresemann-Gymnasium unter anderem Gemeinschaftskunde und Wirtschaft dran. Eine Woche später steht dann Mathe auf dem Programm. Die letzte Prüfung ist Französisch am 5. Mai. Die mündlichen Prüfungen starten Ende Juni. Die Zeugnisse werden spätestens bis zum 7. Juli ausgegeben. Dann dürften Schüler wohl sehr erleichtert sein. Bis dahin wird es auch für die Lehrer ganz schön anstrengend. Denn Baden-Württemberg hat weiterhin drei Korrekturdurchläufe: Die erste Korrektur findet an der eigenen Schule statt, die zwei folgenden an anderen Gymnasien.

In Backnang gibt es ein G9-Gymnasium

Auch am Gymnasium in der Taus in Backnang wurde es am Mittwoch ernst. Die Einrichtung ist eines von zwei Gymnasien in Backnang sowie das einzige G9-Gymnasium im Kreis. „Wir haben ein Jahr mehr und damit eine echte elfte Klasse. Damit können wir den Stoff in den Klassen sieben bis elf strecken“, sagt der dortige Schulleiter Udo Weisshaar und fügt hinzu, dass alle zehn Schüler zum Start des Bio-Abiturs angetreten und die Prüfung als „machbar“ bezeichnet hätten – vielleicht auch deshalb, weil sie einer liebevollen Tradition im Haus folgend mit Süßigkeiten versorgt wurden. „Danach herrschte eine gelöste Stimmung, aber alle haben die volle Zeit gebraucht. Meiner Meinung nach sollte die halbe Stunde mehr bleiben, das nimmt ein wenig den Zeitdruck.“

Prüfungen an beruflichen Gymnasien haben zugenommen

Nach der Statistik des Regierungspräsidiums haben in der Region Prüfungen an beruflichen Gymnasien zugelegt. Apropos: Das diesjährige Abi wird an den beruflichen Schulen letztmalig nach den Regelungen der alten Verordnung und den alten Lehrplänen geschrieben. „ 2024 wird an den beruflichen Gymnasien das erste Abitur sein, das nach den Regelungen der neuen Verordnung stattfindet“, sagt eine Sprecherin im Regierungspräsidium.

Weitere Themen