Abkürzung für Autofahrer Anwohner wollen, dass Stadt Stuttgart beliebten Schleichweg für Autos sperrt

Der Speidelweg zwischen Rohracker und Frauenkopf ist seit Jahren eine umstrittene Verbindung. Foto: Jürgen Brand

Der Bezirksbeirat Stuttgart-Ost will den Durchgangsverkehr zwischen Hedelfingen/Rohracker und dem Stadtteil Frauenkopf über den Speidelweg eindämmen. Entstehen jetzt Anliegerstraßen?

Im Stadtteil Frauenkopf lässt es sich gut leben. Auf der einen Seite viel Wald, auf der anderen Seite Aussicht. Wenn nur der Durchgangsverkehr nicht wäre. Schon lange umfahren viele Autofahrer auf ihrem täglichen Arbeitsweg die stauträchtigen Stuttgarter Straßen über den Speidelweg zwischen Rohracker und Frauenkopf. Könnte das bald vorbei sein?

 

Der Speidelweg ist für den normalen Verkehr zwar eigentlich zu schmal und auch noch steil, trotzdem lockt er mit ein paar Minuten weniger Fahrzeit. Und die Navi-Systeme zeigen ihn regelmäßig als mutmaßlich schnellste Wegstrecke an. Täglicher Mehrwert für die Schleichwegfahrer dabei: die Aussicht. LEO-BW, das landeskundliche Informationssystem für Baden-Württemberg, weist den Speidelweg als „eine der schönsten Straßen in der Landeshauptstadt“ aus, „quasi die Stuttgarter Toskana“.

Anwohner klagen über den Durchgangsverkehr

Den Anwohnern an der Frauenkopfstraße und der Rosengartenstraße – und das ist fast der ganze Stadtteil – geht der morgendliche und abendliche Durchgangsverkehr schon lange auf die Nerven, den Menschen am anderen Ende der Straße in Rohracker auch. Deswegen ist der Speidelweg schon seit vielen Jahren immer wieder Thema in den Bezirksbeiräten in Hedelfingen und Stuttgart-Ost.

Der jetzt in Stuttgart-Ost einstimmig beschlossene Prüfauftrag an die Stadtverwaltung basiert auf einem umfangreichen Antrag von Bündnis 90/Die Grünen im Bezirksbeirat. Da der Speidelweg selbst als Ortsverbindungsstraße ausgewiesen ist, kann an den verkehrsrechtlichen Regelungen dort wenig geändert werden. Auch die Idee von Pollern, die die Durchfahrtsbreite auf zwei Meter begrenzen, ist nicht praktikabel. Stattdessen wird vorgeschlagen, die Frauenkopfstraße und die Rosengartenstraße in Anliegerstraßen umzuwandeln, sodass der Durchgangsverkehr ausgeschlossen wäre.

Eine Anliegerregelung ist es, was den Bewohnern der Frauenkopfstraße und der Rosengartenstraße vorschwebt. Foto: imago/imagebroker

Fabian Richter Reuschle von den Grünen wohnt selbst im Stadtteil Frauenkopf, unterstützt die dortige Anwohnerinitiative und sagte in der Sitzung vergangene Woche mit Blick auf die Sparzwänge der Landeshauptstadt: „Kontrollen dort könnten der Stadt dann einen sechsstelligen Betrag einbringen.“ Für die zahlreich erschienenen Anwohner sprach der Wirtschaftsingenieur Kuno Rechkemmer, der seit 36 Jahren am Frauenkopf wohnt. Er kündigte an: „Wir werden dafür sorgen, dass dieses Problem Speidelweg nicht mehr unter den Teppich gekehrt werden kann.“

Verkehrsbehörde sieht keinen Handlungsbedarf

Den Zorn von Rechkemmer und seinen Mitstreitern hatte vor allem ein Schreiben des Amts für öffentliche Ordnung vor wenigen Tagen ausgelöst. Darin erklärt das Amt den Anwohnern, dass ihr subjektiver Eindruck des Verkehrsaufkommens „nur begrenzt für Verkehrsanalysen verwertbar“ sei. Auswärtige Kennzeichen seien kein Beleg für Durchgangsverkehr, da seit 2015 neu nach Stuttgart gezogene Autofahrer die Kennzeichen ihrer Fahrzeuge nicht mehr austauschen müssten.

Regelmäßige Verkehrszählungen im Stadtgebiet würden einen „Trend zu abnehmenden Verkehrsmengen“ zeigen. Eine Sperrung des Speidelwegs für den Individualverkehr sei erwogen und geprüft worden. „Eine rechtssichere Umsetzung ist momentan bei der derzeitigen Faktenlage jedoch nicht möglich.“ Abschließend schreibt das Amt: „Nach einer Gesamtbetrachtung aller Umstände ist kein Handlungsbedarf zu erkennen.“ Das soll nach dem einstimmigen Beschluss des Bezirksbeirats jetzt noch einmal geprüft werden.

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