Ablösung von Julia Ruhs Jetzt tobt der Kulturkampf
Beweist die Ablösung der Klar-Moderatorin Julia Ruhs, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk zu links ist? Nein, sagt unser Autor Eberhard Wein. Der Kulturkampf brodelt trotzdem.
Beweist die Ablösung der Klar-Moderatorin Julia Ruhs, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk zu links ist? Nein, sagt unser Autor Eberhard Wein. Der Kulturkampf brodelt trotzdem.
In erster Linie sollte es ja um guten Journalismus gehen: gründlich recherchiert, verständlich dargeboten, mit klar erkennbarer Trennung von Meinung und Kommentar. Welchen Beitrag Julia Ruhs hierzu schon geleistet hat, lässt sich nach der Ausstrahlung von nur drei Folgen des Magazins „Klar“ noch nicht so recht sagen. Ein wenig drängt sich aber die Vermutung auf, dass es der 31-Jährigen geht, wie vielen Journalisten in jungen Jahren: der Mut zur eigenen Meinung ist groß, die Fähigkeit zum Zweifel hingegen noch schwach ausgebildet.
Doch reicht das aus, ihr die Sendung wegzunehmen? Gewiss nicht. So ist der Fall fast logischerweise zum nächsten Schlachtfeld im unguten Kulturkampf zwischen Rechts und Links geworden. Kaum ein Politiker, der sich nicht dazu äußert – als ob es sich um eine Samstagabendshow von nationaler Bedeutung handeln würde. Dabei geht es nicht um „Wetten dass...?“, sondern um ein Magazinformat, das bisher noch nicht einmal einen festen Sendeplatz besitzt.
Der NDR hat sich gewiss keinen Dienst erwiesen, als er die junge Moderatorin – wohl aus Gründen des innerbetrieblichen Friedens – aussortierte und die Gründe dafür allenfalls defensiv kommunizierte. Wer den öffentlich-rechtlichen Rundfunk ohnehin abschaffen und den Meinungsstreit den Echokammern des Internets und einigen Milliardären überlassen möchte – denn darum geht es vielen im Kern –, kann dies nun als weiteren Beweis für dessen linksgrüne Orientierung nehmen. Dabei sollte man beachten: Aus demselben Grund, warum Ruhs nun offenbar abgelöst wird, hatte die junge Journalistin aus Ludwigsburg den Job doch überhaupt erst bekommen: weil sie konservativ ist.