Festival About Pop The Sound of Stuttgart 2024
Die About Pop hat bei ihrer sechsten Ausgabe größer gefeiert denn je: ein pralles Angebot aus Musik-, Clubfestival und Conventions, herausragenden Konzerten und ein wenig Overload.
Die About Pop hat bei ihrer sechsten Ausgabe größer gefeiert denn je: ein pralles Angebot aus Musik-, Clubfestival und Conventions, herausragenden Konzerten und ein wenig Overload.
Bei der About Pop gab es am Wochenende ein breites Angebot aus Musikfestival, Conventions und Clubsessions, das mit einem überragenden Line-up aufwarten konnte. Darunter Headliner wie Lebanon Hanover, Edwin Rosen, The KVB, Die Selektion, Charlotte Brandi und Dirk von Lowtzow.
Der Freitag fand, wie im letzten Jahr, auf dem Wizemann-Areal statt, neu war, dass die Veranstaltung nun um ein Clubfestival ergänzt wurde, das sich über zahlreiche Locations in der Stadt erstreckte, darunter etwa das Landesmuseum, die Villa Reitzenstein und die Stadtbibliothek. Zudem waren Außenstandorte in Pforzheim, Bietigheim-Bissingen und Esslingen einbezogen.
Ob die Veranstaltung nächstes Jahr wieder so breit aufgestellt sein wird? Das wird nun eruiert, sagt Walter Ercolino vom veranstaltenden Popbüro Stuttgart, vielleicht müsse man abspecken, sich auf zwei größere Locations beschränken. Gerade die Außenveranstaltungen in Pforzheim, Bietigheim-Bissingen und Esslingen waren nicht gut besucht. Dafür gab es bei den sehr gehypten Events wie The KVB im Merlin oder Die Selektion im White Noise Einlassstopp, trotz bezahlter Tickets, was natürlich bei den Gästen Unmut auslöste.
Ein Einlassstopp heißt aber auch, dass man hier richtig ist. Hier und da war auch am Freitag Verdruss zu hören ob des vollen Programms, und auf der anderen Seite war das musikalische und inhaltliche Angebot so überzeugend, dass das vieles wieder wettmachte. Ein wenig Zeitplanung gehörte auch dazu. Dauerregen am Freitag und Platzregen gleich nach Dirk von Lowtzow am Samstag blockierten auch.
Es war nun die sechste Ausgabe, und von Jahr zu Jahr lernen die Veranstalter dazu. Das Angebot bei der About Pop erstreckte sich auf 75 Konzerte in 24 Locations und 150 Rednerinnen und Rednern. Der Freitag war mit 2000 Gästen ausverkauft, die Wochenendtickets ebenfalls, für Samstag gab es noch Karten. Überzeugend waren etwa der finnische Musiker Jaakko Eino Kalevi mit seinem treffsicheren Elektro-Pop im Merlin wie auch die aus Manchester stammenden Dark-Waver The KVB und später mit voller Wucht Die Selektion im White Noise. Volles Haus war etwa beim Berliner Jungrapper Apsilon wie auch bei New New Waver Edwin Rosen. Indie-Pop, Wave/Dark-Wave und Post-Punk dominierten das Geschehen. Das zeigte sich auch im Publikum.
Bei den Panels ging es zum Beispiel um Nachhaltigkeit, Empowerment und um Netzwerke. Vor allem ein Thema trieb alle um: Künstliche Intelligenz. Einen Scherz erlaubten man sich im Programmheft mit einem von Chat-GPT generierten Künstlergespräch zwischen Thom Yorke, Taylor Swift, Aphex Twin und Lana Del Rey über die About Pop. Was dabei herauskommt? Um es kurz zu machen: nichts Gescheites. Und das macht Hoffnung.
Der Musikjournalist Tobi Müller sorgte für Lacher und Sorge mit Beispielen aus der generativen KI-App Suno, die derzeit klingen wie nicht ganz ausgearbeitetes Taylor-Swift-Material. Guter Pop, sagte er, funktioniere wie Avantgarde, da könne ein einziger kleiner Sound den Unterschied machen.
Ronny Krieger, der im Deutschen Kulturrat für Digitalisierung und KI arbeitet, DJ und Produzent ist, empfahl, das Hilfsmittel KI ein wenig wie Dada zu nutzen – Stückchen nehmen und neu einsetzen. Vor allem sei es wichtig, Einzigartigkeit zu zeigen und auch die gewisse Portion „Nerdyness“.
Im Panel „Why not Stuttgart?“ diskutierte man Stuttgart als attraktiven Musikstandort. Und wir wissen, für Kulturschaffende ist es hier nicht immer leicht. Es fällt das Stichwort Stuttgart 21 und der damit verbundene Wegfall wichtiger innerstädtischer Kultureinrichtungen, für die es nur bedingt Ersatz gegeben hat. Stuttgart habe dennoch viel zu bieten, so der zugezogene New Yorker Produzent Paul Heck (unter anderem The National) oder die ehemalige MTV-Moderatorin Kimsy von Reischach, die Stuttgart (wieder) zu ihrer Wahlheimat gemacht haben. Für die Künstlerin Mizi Lee bietet Stuttgart vor allem den Vorteil kurzer Wege und einer kleinen Szene, was zu leichterer Vernetzung und Synergieeffekten führe. Immer wieder entstehen daraus Kreativschmieden, wie etwa das Komma in Esslingen, die Schachtel oder das Café Galao, wo künstlerische und kreative Entwicklungen stattfinden, die national und international, siehe die Selektion oder die Nerven, einschlagen.
Trotz der Abstriche und Regen lässt sich sagen, dass die Veranstalter vom Popbüro eine beeindruckende Plattform geschaffen haben, die gerade jungen Künstlerinnen und Künstlern viele Chancen bieten. Ein Overload? Der lässt sich beheben. Und neben all den Ideenschmieden, Kreativlaboren und Inhalten ging es natürlich auch darum, gemeinsam bei guter Musik zu feiern. Getanzt wurde bei den After-Show-Partys, die sich vom Contain’t bis in den Schwarzen Keiler erstreckten, bis in die frühen Morgenstunden.
Die Termine fürs nächste Jahr sind schon gesetzt: 16. und 17. Mai 2025, man darf gespannt sein auf das Wie, Was und Wo. Eines ist sicher – es wird wieder ziemlich spektakulär und aufregend.