Das Reeperbahn-Festival bekommt Konkurrenz: Die vierte Ausgabe des Stuttgarter Festivals About Pop gibt sich selbstbewusst, und Club- und Nachtkultur spielen eine große Rolle. Wir verraten, was Sie am 23. Juli nicht verpassen sollten.

Volontäre: Susan Jörges (suj)

Eine Bühne für regionale Künstler, ein Ort zum Austausch für Kulturschaffende und eine Diskussionsplattform für aktuelle Themen der Popkultur – das alles bietet das vierte About-Pop-Festival. Am Samstag, 23. Juli, werden über 20 Bands und Newcomer auf insgesamt fünf Bühnen im Wizemann-Areal und im benachbarten Impact-Hub spielen. Umrahmt werden die Konzerte im Industrieareal ab dem frühen Mittag von Workshops, Paneldiskussionen, Vorträgen und der About Night, bei der sich alles um die Themen der Nacht dreht.

Bei der Konzeption des Festivals orientiert sich der Veranstalter, das Pop-Büro Region Stuttgart, an etablierten Besuchermagneten wie dem Reeperbahn-Festival in Hamburg, dem c/o-pop-Festival in Köln oder der Pop-Kultur in Berlin. „Ein vergleichbares Angebot wollen wir auch in der Region Stuttgart schaffen“, sagt Walter Ercolino, Leiter des Pop-Büros. Regionale Musiker wie auch Musikschaffende von außerhalb sollen die Möglichkeit erhalten, Bühnenerfahrungen zu sammeln und sich mit anderen Künstlern zu vernetzen.

Konzerte

„So vielfältig, wie unser Publikum ist, so vielfältig sollen auch die Menschen auf der Bühne sein“, sagt Bettina Marquardt, Projektleiterin beim Pop-Büro. Auf den Bühnen spielt unter anderen die französische Nachwuchskünstlerin Eugénie eine Mischung aus Mainstream-Pop und alternativen Inspirationen. Die Stimme des Stuttgarter Musikers Lostboi Lino sucht sich ihren Weg zwischen Rap, Indie und Grunge, und das afrikanisch-ukrainische und derzeit in Stuttgart ansässige Bandprojekt Fo Sho mischt Hip-Hop, R’n’B und Rock. Ohren- und seelenbetäubend wird es bei Gewalt aus Berlin. Sie werden die Clubs mit Maschinen-Beats, klirrende Gitarren und sinistren Bass-Riffs fluten. Etwas leisere Töne gibt es vom Stuttgarter Trio Everdeen, das träumerischen Indie-Rock mit internationalen Einflüssen würzt.

Konferenz

Popkultur lebt bisweilen nicht nur durch Musikmachen, sondern auch durch den Diskurs über zeitgenössische Themen, die eng mit Popkultur verbunden sind und eine Stadt prägen, sagt Ercolino. Im Panel „Mo Money, mo Problems“ geht es um den Umgang mit und die Abhängigkeit von Geld in der Musikwirtschaft. Der Beitrag „Elternschaft in der Popmusik“ fragt, wie Gleichberechtigung in der Welt moderner Musikschaffenden gelingen kann. Ob Popkultur friedensstiftend wirken kann, wird im Panel „Give Peace a Chance“ zum Thema.

Workshops

Musikmachen kann auch ein hartes Business sein. Die Veranstaltung About Pop dient daher auch als Informationsplattform zu musikwirtschaftlichen Fragen. Wie kommt man an eine Förderung für ein Album? Welche Logiken stecken hinter Spotify? Und wie macht man aus Social-Media-Followern richtige Fans, die Konzerttickets kaufen? Fragen, die sich aufstrebende Künstler stellen und die in Workshops, angeleitet von Profis aus der Musikbranche, beantwortet werden. Wer sich einen Platz in einer der Runden sichern möchte, kann sich für die Workshops vorab anmelden.

Nachtleben

Die About Night ist zum wiederholten Mal ein fester Bestandteil des Festivals, bei der sich alles um Themen wie Nachtsicherheit und Nachtkultur geht. „Unser Ziel ist es, die unterschiedlichen Bedürfnisse von Clubbetreibern, Anwohnern, Besuchern und der Politik zusammenzubringen“, erklärt Nils Runge von der Koordinierungsstelle Nachtleben Stuttgart und Region, die mit dem Pop-Büro zusammenarbeitet. Das Clubkollektiv Stuttgart wird zum Beispiel die wichtigsten Schritte bei der Gründung eines Clubs erklären oder die Sichtbarkeit von Clubs in der Kulturszene diskutieren.

Kultur und Nachhaltigkeit

Auch die Popkultur kann zu sozialer und ökologischer Nachhaltigkeit beitragen. Wie, wird unter anderem im Panel „Green Culture Index“ diskutiert. Angeknüpft ist dieses an das landesweite, gleichnamige Projekt, bei dem eine Koalition aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik, Interessenverbänden und Musikspielstätten in Baden-Württemberg Szenarien und Handlungsempfehlungen für eine grün-soziale Zukunft entwirft. Bei „Nachhaltigkeit bei Nacht“ liegt der Fokus auf dem kommunalen Nachtleben.

About Pop – Festival und Konferenz für Popkultur

Tickets und Programm
Ganztägig gültige Tickets gibt es für 28 Euro, ermäßigt 5 Euro. Geflüchtete Menschen erhalten kostenlosen Eintritt. Tickets gibt es unter https://aboutpop.loveyourartist.store/de/. Infos zum Programm und zu Spielstätten gibt es auf www.aboutpop.de.

Wettbewerb
Noch bis zum 10. Juli können sich in der Popkultur aktive Menschen bis 27 Jahren für das Förderprogramm „About Pop Talents“ bewerben. In Workshops und Kursen geben Experten der Musikbranche exklusive Einblicke in ihre Arbeit und teilen ihre Erfahrungen im Popmusik-Business. Auch zwei Slots für Bühnenauftritte werden vergeben. Infos zur Bewerbung auf www.aboutpop.de.