Abriss des Esslinger Alicenstegs Das Tauziehen geht zunächst nicht öffentlich weiter

Eigentlich hatte der Ausschuss für Technik und Umwelt (ATU) den Abriss des Esslinger Alicenstegs bereits beschlossen, doch mittlerweile wackelt die ohnehin hauchdünne Mehrheit. Kommende Woche soll der ATU nochmals nichtöffentlich beraten, Ende März geht es dann in öffentlicher Gemeinderatssitzung weiter.

Esslingen - Eigentlich schien alles schon in trockenen Tüchern: Der Abriss des Esslinger Alicenstegs war im Ausschuss für Technik und Umwelt (ATU) – wenn auch mit denkbar knapper Mehrheit – beschlossen worden, über einen Ersatz-Neubau sollte später entschieden werden. Doch im Rathaus hatte man die Rechnung nicht zum ersten Mal ohne die Bürgerinnen und Bürger gemacht. Viele liefen Sturm und brachten damit auch manches Ratsmitglied ins Grübeln. Nun soll das Thema wieder aufgerollt werden – zunächst am 3. März nichtöffentlich im ATU, am 29. März dann öffentlich im Gemeinderat. Insider gehen davon aus, dass die Verwaltung an ihren Abrissplänen festhalten wird, wobei auch der geplante Radschnellweg durchs Neckartal eine Rolle spielen dürfte.

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“Entscheidung von besonderer Wichtigkeit“

Ob die Mehrheit für einen Abriss weiterhin steht, ist mehr als fraglich. Denn die SPD-Fraktion hatte unlängst gefordert, das Thema Alicensteg nochmals im ATU zu diskutieren, wobei Stadtrat Andreas Koch bereits signalisierte, diesmal nicht mehr für den Abriss zu votieren, weil die Argumentation der Verwaltung einer näheren Prüfung nicht standgehalten habe. Die Vertreter der Linken plädieren ohnehin schon lange für den Erhalt des Stegs. Die Grünen wollen das Thema nun sogar eine Etage höher ansiedeln und fordern, über Abriss oder Erhaltung des Stegs in einer der nächsten Gemeinderatssitzungen zu reden – „unabhängig davon, ob in der nächsten ATU-Sitzung am 3. März darüber beraten wird“.

Als Begründung für ihren Wunsch, im Gemeinderat nochmals neu zu diskutieren, führen die Grünen an, der Alicensteg sei eine wichtige Verbindung vom Zollberg in die Esslinger Innenstadt. Und es stehe den Fraktionen frei, „Entscheidungen von besonderer Wichtigkeit zur letztendlichen Beratung in den Gemeinderat zu übertragen“. So steht es auch in der städtischen Hauptsatzung: „Bestehen Zweifel, ob für die Behandlung einer Angelegenheit der Gemeinderat oder ein Ausschuss zuständig ist, so ist die Zuständigkeit des Gemeinderates anzunehmen.“ Und weiter heißt es dort: „Auf Antrag eines Viertels aller Mitglieder eines beschließenden Ausschusses muss eine Angelegenheit dem Gemeinderat unterbreitet werden, wenn sie für die Stadt von besonderer Bedeutung ist.“

Ungewisse Zukunft

Die Stadtverwaltung ist dennoch überzeugt, gute Argumente für einen Abriss zu haben. Noch in dieser Woche sollen die Stadträtinnen und -räte Post aus dem Rathaus erhalten. Baubürgermeister Wilfried Wallbrecht, der zuletzt mit seinem Dezernat wiederholt ins Kreuzfeuer der Kritik geraten war und dem viele auch beim Alicensteg keine sonderlich glückliche Informationspolitik nachsagen, will den Ratsmitgliedern die Haltung der Bauverwaltung nochmals erläutern. Dabei wird es nicht nur um Fragen der Kommunikation gehen, sondern auch um Inhalte. Die Verwaltung will ihre Argumentation nochmals vertiefen und hofft, die Zweifler doch noch zu überzeugen. Dazu soll es eine Ergänzungsvorlage geben, die die bisherige Linie der Stadtverwaltung stützen soll.

Ein nicht zu unterschätzendes Argument könnte dabei auch die Trassenführung des geplanten Radschnellwegs durch das Neckartal werden. Sollte der nicht wie bislang geplant entlang des innenstadtseitigen Ufers geführt werden, sondern jenseits des Neckars unterhalb des Eisbergs, könnten sich auch die Kosten eines Steg-Neubaus in neuem Licht darstellen. Ob diese Variante am Ende Aussicht auf Realisierung hat, ist genauso ungewiss wie die Zukunft des Stegs. Sicher ist nur: Sein letztes Stündlein hat noch nicht geschlagen.




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