Abschied aus Gemeinderat Gerlingen Barbara Günther verlässt Rat: Stadt verliert energische Stimme für Schwächere

Barbara Günther war seit 2006 für die SPD im Gerlinger Gemeinderat, am Mittwoch wurde sie aus dem Gremium verabschiedet. Foto: Torsten Schöll

Nach 20 Jahren verlässt Barbara Günther (SPD) den Gerlinger Gemeinderat. Sie verweist dabei auf wachsenden Druck in der Politik – bleibt aber ehrenamtlich weiter aktiv.

Gehörig geschrumpft ist die SPD-Fraktion, seit Barbara Günther Anfang 2006 zum ersten Mal in den Gemeinderat von Gerlingen eingezogen ist. Damals saßen noch vier Sozialdemokraten im Gremium. Inzwischen zählt die Fraktion noch zwei. Und die sind, nachdem Günther am Mittwoch nach mehr als 20 Jahren auf eigenen Wunsch aus dem Gemeinderat ausgeschieden ist, wie bei der Union ausschließlich männlich: Neben Jürgen Fritz agiert künftig der 62-jährige Ulrich Sailer, der für Günther nachrückt.

 

Die Geschlechterfrage allein dürfte zwar noch keinen Hinweis auf die künftigen Schwerpunkte geben, mit denen die Sozialdemokraten im Gemeinderat ihre Akzente setzen wollen. Sicher ist aber: Mit der 71-jährigen ehemaligen Grundschullehrerin Günther verliert das Gremium wenngleich keine laute, so doch eine sehr energische Stimme für die sozial benachteiligten Gruppen in der Stadt. Ging es um Fragen der sozialen Gerechtigkeit und Teilhabe, konnten sich die Gerlinger darauf verlassen, dass sich Barbara Günther eindeutig positioniert.

Viele Gerlinger kommen zur Verabschiedung

Dass dieses Engagement viele in der Stadt zu schätzen wissen, wurde am Mittwochabend deutlich. Zur Verabschiedung der Stadträtin hatte die Verwaltung die Zahl der Besucherplätze im Großen Sitzungssaal vorausschauend deutlich erweitert. Zu Recht, wie sich an den dicht gefüllten Reihen zeigte.

Bürgermeister Dirk Oestringer zeichnete Barbara Günther für ihr Engagement mit der Goldenen Ehrenmedaille der Stadt aus. Foto: Torsten Schöll

Bürgermeister Dirk Oestringer (parteilos) unterstrich, dass Günther in ihrer Gremienarbeit ihr „Hauptaugenmerk stets auf das Wohl der Kinder und der Jugendlichen“ gelegt habe. „Mit großer Hingabe haben Sie sich außerdem für die Belange von Senioren, von Geflüchteten und sozial benachteiligten Menschen eingesetzt“, sagte der Rathauschef. Im Schulbeirat habe die ehemalige Lehrerin in ihrer 20-jährigen Mitgliedschaft aufgrund ihrer Expertise einen bedeutenden Beitrag geleistet.

Für ihr großes soziales Engagement, das im ehrenamtlichen Bereich unter anderem die Vorstandsmitgliedschaft in der Gerlinger Volkshochschule, die Arbeit im Verein Aussichtsreich, im Freundeskreis Asyl sowie im Stadtmuseum umfasst, erhielt Barbara Günther anlässlich ihres Ausscheidens aus dem Gemeinderat von der Stadt die Goldene Ehrenmedaille verliehen.

Günthers Themen: Kindergartengebühren, Sozialbauquote und Flüchtlinge

Im Gespräch lobt die geborene Siegerländerin, die seit 1980 in Gerlingen lebt und nach wie vor lupenreines Hochdeutsch spricht, ausdrücklich die Zusammenarbeit in der SPD-Fraktion und im gesamten Gemeinderat. „Wenn aber aus vier irgendwann nur noch zwei Stadträte werden, wird die Arbeit für jeden einzelnen in der Fraktion sehr viel“, so Günther. Neben ihrem Alter sei das der Grund, weshalb sie ihren Sitz im Gremium nun freimache. Außerhalb des Gemeinderats werde sie ehrenamtlich aktiv bleiben.

Auf die Frage nach wichtigen Wegmarken in zwei Jahrzehnten Gemeinderatsarbeit nennt Günther beispielhaft das fortwährende Ringen um bezahlbare Kindergartengebühren, die Sozialbauquote oder die Flüchtlingswellen. Günther, seit 1998 Parteimitglied der SPD, hofft, dass bei der Höhe der Kindergartengebühren künftig „eine gute Mitte“ gefunden werde, die sowohl die finanzielle Lage der Stadt als auch die der Eltern im Blick habe. Beim Thema sozialer Wohnungsbau glaubt sie, dass „da in Gerlingen noch deutlich mehr geht.“ Sorgen macht sich die Sozialdemokratin um die zunehmende Vereinsamung älterer Menschen.

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