Abschied eines Priesters im Strohgäu Von der Glems an Neckar und Erms

Von Stefanie Köhler 

Der Priester Augustine Asante verlässt nach zweieinhalb Jahren das Strohgäu. Wie ist es dem Ghanaer, der zurzeit auf Abschiedstour ist, ergangen?

Augustine Asante ist Priester mit Leib und Seele. Die katholische Kirche St. Petrus und Paulus in Schwieberdingen war eine seiner fünf Wirkungsstätten. Foto: factum/Simon Granville
Augustine Asante ist Priester mit Leib und Seele. Die katholische Kirche St. Petrus und Paulus in Schwieberdingen war eine seiner fünf Wirkungsstätten. Foto: factum/Simon Granville

Strohgäu - Seine Abschiedstour, deren Auftakt am 25. Juli in Schwieberdingen war – eine offizielle Verabschiedung mit geladenen Gästen und Live-Stream – wird am Ende den gesamten August gedauert haben. Schließlich arbeitete der Pfarrvikar Augustine Asante in den vergangenen zweieinhalb Jahren in fünf katholischen Gemeinden. Neben Schwieberdingen, wo der 36-Jährige auch wohnt, noch jedenfalls, in Möglingen, Hemmingen, Korntal und Münchingen. In jedem Ort hielt oder hält Asante nun seinen letzten Gottesdienst. An diesem Sonntag predigt er noch einmal in Münchingen (10.30 Uhr, katholische Kirche St. Joseph).

Augustine Asante schmerzt der Abschied. Auch wenn er von vornherein wusste, dass seine Zeit in der Seelsorgeeinheit Strohgäu auf Zeit ist. „Ich bin hier zuhause und habe so viele Freunde gefunden“, sagt der gebürtige Ghanaer, der im April 2017 nach Deutschland kam. Nun bricht er seine Zelte ab, um sie in der Seelsorgeeinheit Neckar-Aich (Kreis Esslingen) wieder aufzubauen. Parallel zu seiner Tätigkeit als Vikar will er in Tübingen in Theologie promovieren. Wohnen wird der 36-Jährige dann in Bempflingen. All das Neue werde erst einmal anstrengend sein, spricht Augustine Asante aus Erfahrung. Gleichzeitig geht er davon aus, dass ihn eine schöne Zeit erwartet. Wie es im Strohgäu der Fall gewesen sei.

Auch hier sei der Anfang schwer gewesen, erinnert sich Asante: Sprache, Essen, Wetter, Mentalität, Kultur – alles anders als in seiner Heimat. Besonders schwer sei es ihm gefallen, die Mentalität zu verstehen. „Das erforderte viel Geduld“, sagt Asante und lacht. In Tübingen lernte er Deutsch, ehe er Anfang 2018 im Strohgäu seine Stelle als Vikar und Unterstützung des Pfarrers Michael Ott antrat. Die Begegnungen mit den Gemeindemitgliedern hätten ihm vor allem bei der Sprache geholfen – auch wenn sie verhaltener zustande kamen als in Ghana.

Auf der Kanzel immer möglichst locker

In dem westafrikanischen Staat erhielten Neulinge spontane Besuche von den Menschen, die das Gespräch suchen. Im Strohgäu hätten die Menschen ihn zunächst beobachtet, seien er und sie zunächst vorwiegend nach den Gottesdiensten in Kontakt gekommen, bevor sie ihn zu sich nach Hause einluden. „Das war immer etwas ganz Besonderes für mich“, sagt Asante. Viele hätten Interesse für ihn und seine Kultur gezeigt. Überhaupt: Zwar dauere es hier länger, Kontakte zu knüpfen. Doch ist dies erst einmal geschehen, könnten daraus Freundschaften entstehen, die ewig halten, so Asante. Dann sind auch mögliche anfängliche Unsicherheiten wie weggeblasen: Manche Menschen hätten etwa nicht gewusst, welches Essen sie ihm anbieten sollten.

In den Gottesdiensten ist es dem 36-Jährigen immer wichtig, auf der Kanzel locker zu sein. „Ich versuche, bei der Predigt witzig zu sein und die Leute auch mal zum Lachen zu bringen“, sagt Augustine Asante – wenn möglich mit persönlichen Erlebnissen. Dass die Gläubigen in der Kirche auch tanzen, wie es die Ghanaer oft und gerne tun, gehe indes nicht.

Wohin der berufliche Weg geht, war schon früh klar

Augustine Asante war schon früh klar, dass ihm der Beruf Priester gefällt. „Meine Mutter hat mich motiviert, in der Kirche aktiv zu sein“, berichtet er. Also engagierte er sich mit zehn Jahren als Ministrant. Seit seiner Weihe 2011 ist Asante Priester für die Diözese in seiner Heimatstadt Koforidua. Als der Bischof ihn fragte, ob er in Deutschland tätig sein wolle, zögerte er nicht. Außer seinem Vater, der ein paar Jahre in Australien lebte, ist er das einzige Familienmitglied im Ausland.

Die Begegnungen mit Menschen bereiten Augustine Asante am meisten Spaß. Jeden einzelnen Kirchenaustritt bedauert er. „Das stimmt mich traurig. Es ist unangenehm, wenn wieder ein entsprechender Brief kommt.“ Gerade zu Beginn seines Jobs im Strohgäu habe er gegrübelt, ob ein Austritt vielleicht an ihm liege. Später habe er begriffen, dass diese Menschen unzufrieden mit der Kirche als Institution sind, nichts (mehr) mit dem Glauben anfangen können – oder schlicht keine Kirchensteuer mehr zahlen wollen. Asantes Ansicht nach muss die Kirche offen für Neues bleiben, sich Neuerungen überlegen – und darüber nachdenken, wie sie für die Menschen relevant bleibt. „Kirche sollte die geistlichen Bedürfnisse der Menschen ansprechen und für sie da sein – in traurigen wie freudigen Lebenslagen.“

Die katholische Kirche im Strohgäu

Seelsorgeeinheiten Das Prinzip „eine Gemeinde – ein Pfarrer“ musste die katholische Kirche wegen des Priestermangels schon vor Jahren aufgeben. Kirchengemeinden wurden zu sogenannten Seelsorgeeinheiten zusammengefasst. In denen wirken einer oder mehrere Priester, die sich nicht nur Predigtdienste aufteilen. Sie werden vielerorts unterstützt von Diakonen, Vikaren, Gemeinde- oder Pastoralreferentinnen.

Seelsorgeeinheit Strohgäu
Dazu gehört das nördliche Strohgäu: Münchingen mit Hemmingen, Korntal, Möglingen und Schwieberdingen. Hinzu kommt die muttersprachliche Gemeinde der Gläubigen aus Kroatien. Der Pfarrer ist Michael Ott in Münchingen.

Seelsorgeeinheit Südliches Strohgäu
Sie umfasst die Gemeinden in Ditzingen, Hirschlanden mit Heimerdingen und Schöckingen sowie Gerlingen. Der Leitende Pfarrer ist Alexander König in Ditzingen, der zugleich auch Dekan in Ludwigsburg ist. Pfarrer in Gerlingen sind Pater Josef Moskalski sowie Hans Peter Bischoff an den Kliniken auf der Schillerhöhe.




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