Susanne Widmaier freut sich auf mehr Zeit in ihren eigenen vier Wänden – doch wird sie weiterhin viel auf Achse sein. Foto: Simon Granville
Nach acht Jahren wird die 59-Jährige am Donnerstag offiziell aus dem Amt verabschiedet. Sie geht in „großer Dankbarkeit“ und freut sich auf ihren neuen Job als Reisebegleiterin.
Nathalie Mainka
25.03.2026 - 13:43 Uhr
Ihr Büro im Rutesheimer Rathaus hat sie bereits leergeräumt, alle persönlichen Dinge in eine Kiste gepackt und mitgenommen. Bis zum 31. März nimmt sie noch vereinzelte Termine wahr – so wird Susanne Widmaier am Donnerstag, 26. März, um 19 Uhr offiziell in der Aula im Schulzentrum als Bürgermeisterin verabschiedet. Ansonsten genießt sie bereits ihre restlichen Urlaubstage, bevor ihre Dienstzeit an der Rutesheimer Verwaltungsspitze am 31. März endet. Aus gesundheitlichen Gründen hatte die 59-Jährige nach acht Jahren und einer Amtsperiode auf eine weitere Kandidatur als Bürgermeisterin verzichtet.
Zum Gespräch mit der Vertreterin der lokalen Zeitung lädt Widmaier daher zu sich nach Hause in Münklingen ein. Die Sonne scheint durch die großflächigen Fensterfronten und bringen die intensiven Farben ihrer Inneneinrichtung zum Leuchten. Darunter familiäre Erinnerungsstücke, Spielzeug ihrer Enkelkinder, viele Pflanzen oder jede Menge Mitbringsel von ihren Reisen aus aller Welt. Fotos überall. Im Treppenaufgang hängen Urlaubsfotografien auf Leinwand gezogen. Auch eine Weltkarte ist dort platziert, auf die unzählige Nadeln gesteckt sind. Sie markieren Orte, die Widmaier bereits gesehen hat. In Europa, Afrika, Amerika oder Asien.
Und es sollen künftig noch mehr werden. „Mir geht es richtig gut“, sagt Susanne Widmaier und strahlt. Der Ausstieg aus dem Berufsleben und aus ihrem Traumjob sei ihr wahrlich nicht leichtgefallen, „doch jetzt freue ich mich auf das, was kommt“, sagt die Noch-Rathauschefin von Rutesheim.
Schon während des Bewerbungsgesprächs wird sie eingestellt
Und schon erzählt sie mit Begeisterung von ihren Plänen: „Ich habe bereits einen neuen Mini-Job und bin ab Herbst Reisebegleiterin für Hauser-Reisen in Rottweil.“ Da habe die begeisterte Weltenbummlerin nach Empfehlung einer Freundin angefragt. „Ganz normal mit Bewerbungsschreiben, Lebenslauf sowie einem Online-Bewerbungsgespräch. Schon während des Gesprächs wurde ich eingestellt“, sagt sie und lacht.
Ihre erste Reise führt voraussichtlich schon im September nach Namibia. Dann folgen Trips auf die Vulkaninsel Ischia im Golf von Neapel sowie Teneriffa. „Ich bin gerne mit Menschen zusammen – sich um sie zu kümmern, war ja auch unter anderem mein Job als Bürgermeisterin.“ Seit mehr als 650 Tagen lernt sie zudem Spanisch. Auch auf politischer Ebene wird sie weiterhin präsent sein. Im Kreistag für die CDU sowie beim Verband baden-württembergischer Bürgermeister als Vorsitzende im Kreis Böblingen.
Die letzten Monate ihrer Tätigkeit als Bürgermeisterin hat sie mit Höhen und Tiefen erlebt. „Der Abschied hat schon weh getan, vor allem der von meiner Rathausfamilie. Es hat ein halbes Jahr gedauert, bis ich mit meiner Entscheidung im Reinen war“, sagt sie. Doch letztendlich war ihr Rückzug eine Vernunftentscheidung, die sie gemeinsam mit ihrer Familie getroffen hatte.
Als sie nach ihrer Krebserkrankung im Jahr 2019/2020 wieder ins Berufsleben zurückgekehrt war, hatte sie gemerkt, dass sie immer häufiger Erholungsphasen brauchte. „Die Arbeit machte mir immer großen Spaß, doch sie hat mich sehr gefordert und viel Kraft gekostet.“ Und als Bürgermeisterin stehe man schließlich stets im Fokus.
Die ersten beiden Jahre ihrer Amtszeit waren prägend
Die ersten beiden Jahre ihrer Amtszeit seien für Susanne Widmaier kommunalpolitisch die prägendsten gewesen. „In diese Zeit fielen die umfangreichen Vertragsverhandlungen für die Bebauung auf dem Bosch-Areal und auch der neu auferlegte Stadtentwicklungsplan wurde in Angriff genommen.“ Ihr Vorgänger Dieter Hofmann habe die Entwicklung von Rutesheim mit baulichen Maßnahmen wie Ortsumfahrung, Gestaltung der Ortsmitte, dem Marktplatz und der Bücherei nach vorne gebracht.
In Widmaiers Zeit sei es dann eher um andere Faktoren wie Klimaschutz, eine gut funktionierende Kinderbetreuung oder das respektvolle Miteinander in der Stadt gegangen. „Stolz bin ich auf die hohe Zufriedenheit der Rutesheimerinnen und Rutesheimer und auf die Belebung der Innenstadt.“ Klar gäbe es auch Kritiker, die sich beispielsweise den Verkehr aus der Innenstadt wünschten. „Einen Heilsbringer gibt es bei diesem Thema nicht, da bin ich ehrlich. Die Rutesheimer bringt man nicht auf die Umgehungsstraße und ohne diese Frequenz in der Innenstadt würde der Einzelhandel leiden.“
Namibia ist das nächste Reiseziel von Susanne Widmaier. Foto: Simon Granville
Große Themen sind nach wie vor ein behutsames Wachstum der geplanten Baugebieten Heuweg Nord, Spissen II oder Krautgärten in Perouse sowie die Ansiedlung von Gewerbe im Gebiet „Gebersheimer Weg“. Investiert wird in die Modernisierung der Kläranlage sowie in den Ausbau des Nahwärmenetzes. Letzterer rief zuletzt wegen der hohen Kosten und der noch mangelnden Auslastung auch Kritiker auf den Plan. Widmaier hofft, dass das Projekt weiterhin Unterstützer findet. Gerne hätte sie die Fertigstellung ihres Herzensprojektes, die Quartiersentwicklung auf dem ehemaligen Bosch-Areal, als Bürgermeisterin miterlebt. „Das wird mit einem Gesundheitszentrum, Mehrgenerationenwohnen und einem belebten Quartiersplatz etwas ganz Tolles.“
Wenn sie ihrem jüngeren Ich aus dem Jahr 2018 einen Satz mit auf den Weg geben könnten – welcher wäre das? „Ich hätte schneller daran gearbeitet, ein dickeres Fell zu bekommen“, sagt Susanne Widmaier. Was sie über sich selbst, als Führungsperson und als Mensch, gelernt habe? „Nur die Null hat keine Ecken und Kanten.“ Wird man in Zukunft auf ihre Amtszeit zurückblicken, wolle sie bei den Menschen als jemand in Erinnerung bleiben, „der einen wertschätzenden Umgang pflegt.“
Und was gibt sie ihrem Nachfolger Tobias Pokrop mit auf den Weg, der ab April im Amt sein wird? „Viel Glück, Erfolg, Zufriedenheit und dass seine Familie mit ihm nach Rutesheim zieht.“ Sie selbst verabschiedet sich „in großer Dankbarkeit“.