Ralf Trettner verabschiedet sich als Chef desPleidelsheimer Rathauses – und einer Gemeinde, die ihn immer unterstützt hat. Foto: Werner Kuhnle
Ralf Trettner hat als Bürgermeister von Pleidelsheim (Kreis Ludwigsburg) viel erlebt – unter anderem verlor er seine Frau. Was bewegt ihn jetzt – kurz vor seinem Amtsende?
Ralf Trettner wirkt entspannt – die letzten Tage nach 24 Jahren im Amt erlebe er dankbar und bewusst. Der Bürgermeister von Pleidelsheim spricht von einem „Traumjob“. Der 52-Jährige hatte es aber nicht immer leicht. So lernte er mit Schicksalsschlägen umzugehen. Und ging letztlich gestärkt aus ihnen hervor.
Der Start als 28-Jähriger im Rathaus habe ihn gefordert. „Eine Mutter hatte ihr Kind in die Kühltruhe gelegt – einen Tag später rief mich die Bild-Zeitung an“, erzählt der Rathauschef. Der Tod des Pleidelsheimer Babys im Jahr 2001 war für ihn ein prägendes Ereignis. „Ich lernte schnell zu reagieren und bin krisenerprobt.“
Ralf Trettner ist in der Gemeinde beliebt – auch wegen seiner nahbaren Art. Foto: Werner Kuhnle
Tatsächlich begleiteten Krisen den Bürgermeister weiter. Da waren die Millionen-Schulden, die sein Vorgänger Erwin Paulus hinterlassen hatte. Trettner fuhr einen harten Sparkurs und schloss sofort das Lehrschwimmbecken. Ein Jahr später kam ein Junge im Neckar ums Leben. In einem Leserbrief machte jemand ihn wegen des geschlossenen Schwimmbeckens verantwortlich.
Die Wahrheit laut Trettner: „Die Strömung im Neckar beim Elektrizitätswerk war so stark, dass der beste Schwimmer ertrunken wäre.“ Es habe ihm gutgetan, dass die Familie des Ertrunkenen ihn tröstete und sagte, der Sohn habe überhaupt nicht schwimmen lernen wollen.
Zuspruch annehmen – für den Bürgermeister ein wichtiges menschliches Moment. „Ich hätte damals sonst wohl einen Schaden davongetragen.“ Noch viel stärker habe ihn die Krebserkrankung seiner Frau vor sieben Jahren getroffen, erklärt Ralf Trettner auf Nachfrage. Auch hier habe er Unterstützung gebraucht. „Wenn es eng wird, weißt du, wer deine wahren Freunde sind.“
Nach dem Tod seiner Frau wieder verheiratet
Der Abschied von seiner Frau dauerte drei Jahre – er fiel in die Corona-Zeit. „Ich hatte nicht so viele Termine und konnte uns Freiräume schaffen.“ Im Prozess des Loslassens habe sie ihm gesagt: „Du bist noch jung genug, um dein Leben zu leben.“ Inzwischen ist Trettner glücklich wiederverheiratet und seit einem Jahr Großvater.
Im Ort genießt er Rückhalt. Wurde dreimal für jeweils acht weitere Jahre wiedergewählt. Jetzt macht er mit 52 Jahren Schluss. Was steckt dahinter? „Das ist vielschichtig“, sagt er und führt an, eine Kommune brauche immer mal wieder neue Impulse.
Doch was ist mit ihm? Die Frage, was beruflich in seinem Alter noch möglich ist, hat den Verwaltungschef beschäftigt. „Ich hätte niemals aufgehört, wenn ich nicht die Hoffnung hätte, für mich etwas Gutes zu finden.“ Was das sein könnte, darüber will Ralf Trettner aber noch nicht reden. Die Zeit dafür sei noch nicht reif, erklärt der Energieexperte, der beim Neckar-Energieverband (NEV) noch bis zum 31. August als Verbandsvorsitzender agiert und sein Amt als Kreisrat und stellvertretender Fraktionsvorsitzender der CDU weiter ausüben möchte.
Wegzuziehen wegen eines beruflichen Engagements komme für ihn nicht infrage. „Pleidelsheim ist meine Heimat: Hier habe ich mein Häusle gebaut, kenne viele Menschen, spiele im Verein Tischtennis und fühle mich wohl.“ Aus der Kommunalpolitik im Ort werde er sich aber – mit Ausnahme der kreispolitischen Felder – konsequent heraushalten. „Ich werde auch an öffentlichen Veranstaltungen erst mal nicht teilnehmen.“
Die Ostsumfahrung reduzierte den Verkehr
Nicht zaudern, sondern mit Entscheidungsfreude und Fleiß nach vorne gehen: Das sei seine Haltung gewesen, um die Gemeinde voranzubringen, sagt Trettner. Als sein wichtigstes Projekt sieht er die 2007 gebaute Ostumfahrung, die den Verkehr im Ort spürbar reduzierte. Zu lange gewartet und „auf Moll-Töne gehört“ habe er bei der Ansiedlung eines großen Supermarkts. Nach der Insolvenz des Bauunternehmens Paulus seien diese Pläne jetzt nur noch schwer umzusetzen.
Nach seinem offiziellen Abschied am Freitag, 25. Juli, um 19.30 Uhr in der Pleidelsheimer Sporthalle wird Ralf Trettner erst mal Urlaub machen. Mit dem Rucksack begibt er sich gemeinsam mit seiner Frau auf Schusters Rappen entlang der Mosel.
Werdegang von Ralf Trettner
Herkunft Geboren ist Ralf Trettner 1973 in Stuttgart-Bad Cannstatt. Er besuchte die Werner-Siemens-Schule in Stuttgart und machte dort sein Abitur. Als junger Leichtathlet feierte er mit der Teilnahme an den Deutschen Meisterschaften im 3000-Meter-Hindernislauf seinen größten Erfolg.
Ausbildung Trettner studierte an der Fachhochschule für Öffentliche Verwaltung in Ludwigsburg. Praktika absolvierte er in der damaligen Heimatgemeinde Schwieberdingen und in Kornwestheim. Nach dem Studium arbeitete er zunächst drei Jahre als stellvertretender Kämmerer in Schwaikheim, bevor er 2001 Bürgermeister in Pleidelsheim wurde.