Nach drei Amtszeiten tritt der Sindelfinger Oberbürgermeister Bernd Vöhringer nicht mehr zur Wahl am 11. Mai des kommenden Jahres an. Der 56-jährige will vorerst eine Auszeit nehmen.
Ein bisschen konnte man ahnen, was bei der Pressekonferenz am Dienstag im Sindelfinger Rathaus geschehen würde: Die Mitarbeiter von Bernd Vöhringers Stab waren sichtlich nervös. Der Sindelfinger Oberbürgermeister schenkte sich mit einer fahrigen Handbewegung ein Glas Wasser ein, bevor er begann: „Ich bin dafür bekannt, nicht lange um den heißen Brei herumzureden“, sagte er, „ich möchte Ihnen mitteilen, dass ich für eine vierte Amtszeit als Sindelfinger Oberbürgermeister nicht mehr zur Verfügung stehe“.
Eine Information, die er gegen 16 Uhr auch dem Sindelfinger Gemeinderat in öffentlicher Sitzung mitteilte. Somit wird die Amtszeit Bernd Vöhringers (CDU) in den letzten Julitagen zu Ende sein. Neu gewählt wird am 11. Mai, eine Stichwahl wäre am 25. Mai, die Stelle wird von 14. Februar bis 14. April ausgeschrieben.
„Mit Demut und Freude“
Vöhringer blickt mit Demut und Freude auf seine drei Amtszeiten zurück, 24 Jahre, in denen sich Sindelfingen an vielen Punkten weiterentwickelt hat, darunter Langzeitprojekte wie das Flugfeld-Areal und die Neuordnung der Kreiskrankenhäuser, Projekte an denen Sindelfingen gut 20 Jahre geplant hat. Dazu kamen große Projekte wie die Marktplatz- Tiefgarage, das Badezentrum, die Sanierung der Sportstätten, die Weiterentwicklung der Schulen, der Ausbau der Kindergärten und Kindertagesstätten.
Bernd Vöhringer bei der Einweihung des Hochhauses der Flugfeldklinik im Juli 2024 Foto: Eibner/Michael Memmler
Seine letzte Amtszeit bezeichnete er als die herausforderndste. Die Folgen des Ukraine-Krieges mussten bewältigt werden, die Verwaltungen mussten weiter laufen, als unter der Coronapandemie alles stillstand. Aber das waren nicht die einzigen Krisen, die über das Sindelfinger Rathaus hinweggezogen sind. Vielleicht schon halb vergessen sind die schweren Jahre 2008 und 2009 während der Finanz- und Wirtschaftskrise, als das weltweite Finanzsystem kurz vor dem Kollaps stand.
Mehr persönliche als politische Gründe
Vöhringer fügte mehr persönliche als politische Gründe an, warum er nicht mehr kandidieren werde. Sein Entschluss, von der Lokalpolitik Abschied zu nehmen, sei in den letzten Jahren für ihn immer klarer geworden. Er wünscht sich ein Leben, in dem er mehr über seine Freizeit verfügen kann, gleichzeitig möchte er einfach eine Auszeit nehmen. „Und wer weiß, wenn mir die Auszeit gefällt, dann bleibe ich dabei“. Berufliche Ambitionen habe er zurzeit keine und vor allem wolle er sich als künftiger Alt-Oberbürgermeister nicht an der Sindelfinger Lokalpolitik beteiligen: „Ich werde weder für den Gemeinderat kandidieren noch anfangen, Leserbriefe zu schreiben“, scherzte er. Nicht, dass er keine Chancen hätte. Politisch war Vöhringer sehr erfolgreich: So zog er in der letzten Kreistagswahl als Stimmenkönig in das Gremium ein, für die jetzige Amtsperiode wurde er mit rund 94 Prozent aller abgegebenen Stimmen gewählt.
Die meisten seiner anderen Mandate will er jedoch behalten: Das heißt, er wird weiterhin Vizepräsident des Roten Kreuzes Kreis Böblingen bleiben, weiterhin seine Mandate im Kreistag und in der Regionalversammlung ausüben. Sein Amt als Präsident der Lokalkammer des Europarats, in der er sich stark für lokale Demokratie eingesetzt hat und für 100 000 Gebietskörperschaften in 46 Ländern zuständig war, das wird er aufgeben – aufgeben müssen, denn es ist an sein Amt als Oberbürgermeister gekoppelt.
Als Erfolge seiner Tätigkeit sieht er nicht nur Dinge, die in Bebauungsplänen zu finden sind. Für ihn war es wichtig, dass die Stadtgesellschaft in den vergangenen Jahren zusammen gerückt ist. Das habe seinen Ausdruck gefunden im Jubiläumsjahr 2023, und das würde auf kulturellem Gebiet bis heute Früchte tragen, sei es in der Biennale oder in der Musical-Gala der Jungen Bühne.
Das Kennzeichen der Demokratie ist der Wandel
Für Vöhringer gibt es keinen richtigen Zeitpunkt aufzuhören und auch keinen falschen. Das Kennzeichen der Demokratie ist für ihn der Wandel, in der Lokalpolitik seien die Projekte und die Prozesse stets im Fluss. Man könne einfach keinen Zeitpunkt bestimmen, an dem man sagen könnte, „jetzt habe ich meine Herzensangelegenheiten erledigt“. Zeit dazu hätte er gehabt: Vöhringer ist 56 Jahre alt.
Mit „Dankbarkeit und Demut, Freunde und innerer Zufriedenheit“ blickt Vöhringer auf die 24 Jahre im Rathaus zurück, in denen er ein Amt bekleidete, das er mit einem Satz beschreibt: „Das schönste Amt der Stadt.“