Die gebürtige Holländerin Aisata Blackman verabschiedet sich am 22. September im Apollo-Theater als Tina Turner – will aber weiterhin in Stuttgart leben. Foto: dpa/Christoph Schmidt
Geboren ist sie in Amsterdam und nun zum glühenden Fan von Stuttgart geworden: Mit dem Musical „Tina“ erlebt Aisata Blackman, wie emotional das Publikum hier ist. Nach der Dernière am 22. September bleibt die Holländerin in der Stadt, die sie lieb gewonnen hat.
In Stuttgart hat sie gelernt, dass man zu Strohhalmen „Röhrle“ sagt und wie einzigartig das Publikum in dieser außerhalb wohl noch immer unterschätzten Stadt ist. Aisata Blackman wunderte sich, als auswärts Kollegen von ihr sagten, die Menschen in Stuttgart seien zurückhaltend mit ihren Emotionen. „Das totale Gegenteil ist der Fall“, entgegnet die Niederländerin mit karibischen Wurzeln, „die Leute rasten aus, stehen auf, hüpfen, singen und tanzen.“
Ihr Fazit nach anderthalb Jahren als Tina Turner auf der Bühne des Apollo-Theaters: „Stuttgart gehört für mich definitiv zu den Städten, in denen mir die Zuschauerinnen und Zuschauer nahezu in jeder Minute zeigen, was sie gerade empfinden – das ist einfach unglaublich schön!“
Dass das Stuttgarter Publikum so heftig reagiert, liegt freilich auch an ihr: Wenn Aisata Blackman, die privat kurze Haare trägt, die Perücke aufsetzt, im Mini-Rock mit langen Beinen über die Bühne schreitet, dabei einen Orkan entfacht, mag man sich die Augen reiben: Ist das nicht . . . Tina, die Echte?
Ja, auch Aisata Blackman ist „simply the best“! Die letzten Wochen in der Rolle ihres Lebens stehen bevor. Am 22. September feiert ein unglaublich motiviertes Ensemble, das sich mit Leidenschaft vor dem Lebenswerk von Tina Turner verneigt, Dernière in Stuttgart – in der Stadt, in der die US-Sängerin 1976 auf der Flucht vor Ike Turner lebte, wie unsere Zeitung herausgefunden hat. Über die überdurchschnittliche Auslastung der 600 Vorstellungen von „Tina“ in 18 Monaten ist die Stage Entertainment „wahnsinnig happy“, wie Unternehmenssprecher Stephan Jaekel sagt.
Das siebte Jahr von „Tina“ in London
Die Show ist eine Eigenproduktion des deutschen Musicalmarktführers und wurde mit der bis zu ihrem Tod in der Schweiz lebenden Queen of Rock entwickelt. In London wird „Tina“ bereits im siebten Jahr aufgeführt.
Dass in Stuttgart mit dem Erfolgsstück bald Schluss ist, liegt nicht so sehr am mangelnden Interesse des Publikums – aber Disneys „Die Eiskönigin“ steht nun vor der Tür, der nächste Musicalhit feiert am 26. November Premiere im Apollo. Nach heißen Tanzszenen rund um „Private Dancer“ und „We Don’t Need Another Hero“ werden nun Eis, Schnee und Frost auf die Bühne gezaubert.
Privat trägt Aisata Blackman kurze Haare (hier bei der Premiere des Musicals „Tarzan“ in Stuttgart). Foto: Lichtgut//Julian Rettig
„Auf die Hammer-Performance von Aisata sind wir sehr stolz“, sagt Stage-Sprecher Stephan Jaekel, „und wir hoffen ganz stark, dass wir sie in Zukunft auch in anderen Rollen in unseren Stuttgarter Theatern sehen werden.“
Aisata Blackman will nach dem 22. September das tun, was sie sich nach ihrem Power-Einsatz in 18 Monaten auch verdient hat: Sie gönnt sich Ruhe. „Meine Stimme und mein Körper bekommen nun eine Pause“, sagt die 44-Jährige, „ich muss die Batterien aufladen.“ Stuttgart sei dafür ein guter Platz. Die gebürtige Amsterdamerin wird in der Stadt bleiben, die ihr sehr gut gefällt, von der sie aber noch vieles nicht weiß.
Vor neun Jahren kam sie zum ersten Mal für „Rocky“ nach Stuttgart. Auch in „Bodyguard“ spielte sie hier die Hauptrolle, quasi die Whitney Houston. Weil sie immer viel gearbeitet hat – zwischendurch ging’s für ein längeres Engagement nach Hamburg –, blieb wenig Zeit, ihre Wahl-Heimat näher zu erkunden. „Kürzlich hab’ ich zum ersten Mal den Max-Eyth-See gesehen“, erzählt sie, „ich wusste gar nicht, dass es hier so schöne Seen gibt.“ Für ihre Musicalpause, für die Zeit des Aufladens der Batterien, will sie etliche Schönheiten der Stadt ansteuern. „Ich hab’ mir schon eine Liste gemacht“, erzählt Aisata Blackman. Ein festes Engagement werde sie in nächster Zeit nicht annehmen, aber das ein oder andere Konzert geben.
Energie für harte Zeiten
Dank ihrer Rolle als Tina, sagt die Sängerin, habe sie viel über sich selbst gelernt. Die US-Sängerin, die im Mai vergangenen Jahres gestorben ist, wenige Wochen nach der Musicalpremiere in Stuttgart, habe vorgelebt, dass man niemals aufgeben darf, auch aus den tiefsten Tiefen zurück nach oben ins Glück gelangen kann. „Das Musical vereint verschiedene Stile, Blues, Rock, Disco, Schauspiel“, sagt Aisata Blackman, „da reift man auch als Darstellerin.“ Ihr gefällt es, wenn sie dem Publikum gute Laune schenken kann – und Energie für harte Zeiten.