Abschied von Allianz MTV Stuttgart Wie groß ist Ihre Wehmut, Maria Segura Palleres?

Unermüdliche Antreiberin: Maria Segura Pallerés, Volleyballerin von Allianz MTV Stuttgart. Foto: Baumann/Hansjürgen Britsch

Auch Maria Segura Pallerés, die mit Krystal Rivers und Roosa Koskelo bei Volleyball- Bundesligist Allianz MTV Stuttgart eine Ära geprägt hat, wird ihre Karriere beenden – diesmal definitiv. Verabschieden will sie sich, wie es ihrer Mentalität entspricht: mit der Meisterschale.

Titelverteidiger Allianz MTV Stuttgart will an diesem Samstag (17.15 Uhr/Sport 1) beim Dresdner SC den Einzug in die Play-off-Finalserie um die Meisterschaft perfekt machen. An der Motivation von Außenangreiferin Maria Segura Pallerés wird es nicht scheitern. Die 32-jährige Spanierin bestreitet nach fünf Jahren ihre letzten Spiele für den Volleyball-Topclub und sagt: „Jetzt geht eine Ära zu Ende – zuvor wollen wir noch einmal die Schale holen.“

 

Frau Segura Pallerés, vor einem Jahr haben wir schon einmal ein Abschiedsinterview geführt, am Ende ging Ihre Karriere trotzdem weiter. Wird diesmal endgültig Schluss sein?

(Lacht) Ja.

Wirklich?

Definitiv. Meine Entscheidung ist gefallen.

Was ist anders als vor einem Jahr?

Ich habe meinen Frieden mit mir selbst gefunden. Der Wille, öfter daheim zu sein, andere Dinge zu sehen und mehr Zeit für mich zu haben, ist viel ausgeprägter. Und die berufliche Aufgabe für die Zeit nach der Karriere ist viel besser vorbereitet.

Gehen Sie zurück nach Barcelona?

Nein. Ich werde in Stuttgart bleiben, in meiner Wohnung im Osten, mit Krystal Rivers als Nachbarin. Ich habe in Stuttgart eine neue Heimat gefunden.

Welchen Job werden Sie beginnen?

Ich werde künftig für die Max-Agency meiner Beraterin Julie Rumes und die Marketing-Agentur SSM arbeiten.

Das ist derselbe Plan wie vor einem Jahr.

Stimmt. Aber es gibt einen Unterschied.

Welchen?

Wir haben uns im Sommer 2024 mit der spanischen Nationalmannschaft erstmals nach ewig langer Zeit wieder für die WM 2025 qualifiziert. Für mich war sofort klar, dass ich mein Team dort als Kapitänin anführen will. Das Turnier findet ab dem 22. August in Thailand statt – dort werde ich meine letzten Spiele als Volleyballerin machen.

Nach der WM-Qualifikation mussten Sie schnell einen Verein für die Saison 2024/25 suchen. Wie kam es zur Rückkehr zu Allianz MTV Stuttgart?

Ich hatte mehrere Angebote, aber es hätte sich nicht richtig angefühlt, an einem anderen Ort als in Stuttgart zu spielen. Ich bin dem Verein sehr, sehr dankbar, dass er mir diese Möglichkeit gegeben hat.

Obwohl Sie die fünfte Außenangreiferin im Kader waren.

Richtig. Wir sind uns einig gewesen, dass ich vor allem zurückkomme, um die jungen Kolleginnen Mija Siftar und Jolien Knollema zu unterstützen – und ihnen weiterhin vorzuleben, was es bedeutet, für einen so großen, erfolgreichen Club zu spielen.

Dann ist Mija Siftar überraschend gegangen – und Sie waren wieder im Spiel.

Ja. Auch weil ich zu Coach Konstantin Bitter von Anfang an gesagt habe, dass ich alles geben werde, um im Training auf möglichst hohem Niveau zu performen.

Jolien Knollema (li.), Maria Segura Pallerés: Gibt es noch einmal eine gemeinsame Meisterschaftsfeier? Foto: Baumann/Cathrin Müller

Das scheint ganz gut geklappt zu haben. Derzeit laufen die Play-offs – und Sie sind in Topform. Was ist das Ziel?

Meister werden. Ich erinnere mich gut an Ilka Van de Vyver. Sie wusste im Frühjahr 2022, dass sie Stuttgart verlassen wird, und sagte zu mir: Ich werde nicht ohne diesen Titel gehen. Ich habe dieselbe Mentalität.

Ähnlich äußern sich Krystal Rivers und Roosa Koskelo. Gibt es eine Absprache?

Nein. Unter ehrgeizigen Sportlerinnen ist das eine Selbstverständlichkeit. Wir drei haben es geschafft, hier bei Allianz MTV Stuttgart eine großartige Zeit zu kreieren. Jetzt geht eine Ära zu Ende – zuvor wollen wir noch einmal die Schale holen.

Wie wichtig wäre es, schon an diesem Samstag in Dresden in die Finalserie einzuziehen?

Sehr wichtig. Wir hätten dann eine Woche Zeit, um uns auf das erste Endspiel vorzubereiten. Aber in Dresden zu gewinnen ist alles andere als einfach. Wir müssen zu 100 Prozent fokussiert sein.

In der Finalserie würde es dann vermutlich gegen den SSC Schwerin gehen.

Das wäre superschwierig. Schwerin spielt gut und schnell, hat ein junges Team mit viel Charakter. Und wir müssten mindestens einmal auswärts gewinnen. Das wird hart. Vor einem Jahr hatten wir ein überragendes Team, das viel besser war als Schwerin – und wir haben trotzdem fünf Spiele gebraucht, um den Titel zu holen. Das sagt alles aus.

Sie haben die Abschiedszeremonie in Stuttgart schon hinter sich. Wie emotional war dieser Abend in der Scharrena?

Sehr emotional. Ich fand es superschön, allen Danke sagen zu können. Eine Besonderheit war, dass meine Familie dabei gewesen ist und spüren konnte, welche Liebe die Leute in Stuttgart mir entgegenbringen und wie mir die Fans applaudiert haben. Das war toll.

Wusste Ihre Familie nicht, wie sehr Sie hier geschätzt werden?

Doch. Aber es ist ein Unterschied, es zu wissen oder es zu fühlen.

Sie haben nun nur noch ein paar Spiele mit Allianz MTV Stuttgart vor sich. Wie groß ist die Wehmut?

Ich fühle mich gerade wie in einem Konzert. Der letzte Song ist vorbei, es läuft die Zugabe – und alle genießen sie, obwohl sie wissen, dass es bald zu Ende sein wird. Für mich ist diese letzte Saison wie eine Zugabe. Alles, was ich erlebe, macht mich glücklich. Ich genieße jedes Spiel, weil mir bewusst ist, dass es solche Emotionen im normalen Leben nicht gibt. Zugleich weiß ich, dass es besser ist zu gehen, bevor die Leidenschaft irgendwann nicht mehr ganz so groß sein wird.

Wie wird es, die Karriere bei der WM in Thailand endgültig zu beenden?

Volleyball ist dort sehr groß, und meine ganze Familie wird erneut vor Ort sein. Es wird emotional, aber ich bin mit mir im Reinen.

Maria Segura Pallerés mit Cheftrainer Konstantin Bitter. Foto: Baumann/Hansjürgen Britsch

Und wenn anschließend Konstantin Bitter anruft und Sie um eine Rückkehr zu Allianz MTV Stuttgart bittet?

Dann werde ich nein sagen. Nicht wegen ihm oder dem Club, sondern weil ich mein Leben nach der Karriere starten will. Definitiv.

Werden Sie nächste Saison öfter in der Scharrena zu Gast sein?

Selbstverständlich! Mich interessiert sehr, wie sich die neue Stuttgarter Volleyball-Generation schlägt, zudem gehört neben anderen Bundesliga-Spielerinnen, die ich betreue, auch Pauline Martin zur Max-Agency. Volleyball bleibt mein Leben – nur künftig eben in einer anderen Rolle.

Weitere Themen