Abschied von Ekkehard Fauth als Bürgermeister Der Kerle des Heckengäus

Hannes und der Bürgermeister: Ekkehard Fauth bei dem von ihm initiierten Heckengäutag. In Anlehnung an die beliebten Mundart-Sketche heißt das Schaf beim Hammellauf traditionell wie der Amtsbote Hannes. Foto: Eibner-Pressefoto/Dimi Drofitsch

In dieser Woche endet Ekkehard Fauths Zeit als Bürgermeister von Aidlingen. Wie blickt er auf 24 Amtsjahre zurück? Zumal die letzten Monate ziemlich turbulent waren.

Böblingen: Edmund Langner (edi)

Am 29. November, dem Tag seines 67. Geburtstags, ist Ekkehard Fauths letzter Arbeitstag als Aidlinger Bürgermeister. Ein Gespräch über 24 bewegte Jahre.

 

Herr Fauth, nach Verwaltungsstationen in Magstadt und Leonberg haben Sie Aidlingen zu ihrer privaten und beruflichen Heimat gemacht. Warum?

Ich habe die Perle des Heckengäus schätzen und lieben gelernt. Als nahezu reine Wohngemeinde hat Aidlingen mit seiner tollen Landschaft für mich einen sehr hohen Freizeit- und Erholungswert. Man ist aber auch schnell in Böblingen, Calw oder Stuttgart.

Was waren in Ihren 24 Jahren als Bürgermeister die wichtigsten Projekte?

Eines der wichtigsten Themen, das gleich zu Beginn meiner Amtszeit aufgeschlagen ist, war die Zentralisierung der Feuerwehr. Dieser Prozess ist mustergültig demokratisch abgelaufen und alle einstigen Abteilungen der Freiwilligen Feuerwehr in Aidlingen stehen noch heute voll dahinter. Ein großer Wurf war sicher die zentrale Enthärtungsanlage für unser Trinkwasser. Aidlingen war auch die erste Gemeinde im Landkreis, die als Fairtrade-Gemeinde zertifiziert wurde. Wir haben aber auch Weichen für den demografischen Wandel gestellt – zum einen mit dem Dachteler Samariterstift als Ergänzung zum Aidlinger Haus am Zehnthof. Zum anderen mit Angeboten wie der Seniorenmesse oder dem Seniorennetzwerk. Die Vernetzung aller Beteiligter ist hier einzigartig.

Ein Höhepunkt Ihrer ersten Amtszeit war sicher auch die „Eigenart“-Ausstellung anlässlich des Landesjubiläums. Wirkt dieses Projekt bis heute nach?

Ja, denn diese Kunstaktion in den Jahren 2002 und 2003 war tatsächlich richtungsweisend für unsere Gemeinde. Rund 100 000 Besucher sind damals auf den Venusberg gepilgert. Gleichzeitig hatten wir das Glück, dass die Heckengäuregion in das Landesförderprogramm Plenum aufgenommen wurde. Daraus sind etliche viel beachtete und vor allem nachhaltige Projekte hervorgegangen – allen voran der Heckengäutag. Ich könnte hier noch viel mehr aufzählen, das würde jedoch den Rahmen sprengen.

„Egoistisches Denken“ stimmt ihn traurig

Welche positiven und negativen Erlebnisse aus Ihrer Amtszeit bleiben Ihnen besonders im Gedächtnis?

Nach 24 Jahren schaue ich dankbar auf das, was ich mit den fünf Gemeinderäten, die ich erleben durfte, erreichen konnte. Wie gesagt: Es waren viele Projekte, bei denen dicke Bretter gebohrt werden mussten. Nicht so schön waren Zeiten, in denen übertriebener Lokalpatriotismus und Ortsteildenken die kommunalpolitische Entwicklung teilweise blockiert haben. Auch an die Pandemiezeit habe ich keine sehr angenehme Erinnerungen. Allerdings haben wir mit Gemeindeverwaltung, DRK Ortsverein und Feuerwehr ein Krisenmanagement vollbracht, auf das wir alle heute noch sehr stolz sind und das uns zusammengeschweißt hat. Für die Maßnahmen, die wir damals umsetzen mussten, waren wir zwar nicht die Urheber, aber als Überbringer der schlechten Nachricht hat uns natürlich damals der Unmut der Bevölkerung getroffen. Traurig stimmt es mich heute, wenn ich erlebe, wie teilweise egoistisches Denken wichtige Projekte verzögert. Ein Beispiel ist der Neubau eines Kindergartens in Dachtel, gegen den Anlieger Stimmung machen. So etwas hätte ich in meinen Anfangszeiten nie für möglich gehalten.

Flüchtlingsunterbringung, Wassergebühren, Proteste gegen den besagten Kindergartenneubau in Dachtel und noch einiges mehr – zum Ende Ihrer Amtszeit wurde es immer wieder ziemlich ungemütlich. Hand aufs Herz: Sind Sie manchmal auch froh, dass Sie das alles bald nichts mehr angeht?

Zuletzt sind einige Dinge mit viel Konfliktpotenzial aufgeploppt. Diese Themen haben mich natürlich sehr intensiv begleitet. Jetzt einfach zu sagen, das geht mich jetzt nichts mehr an, entspricht aber ganz bestimmt nicht meinem Naturell. Ich bin sehr froh, dass wir meine Nachfolgerin, Frau Österle, schon in die Problemlösungen dieser teilweise sehr komplexen Themen involvieren konnten und sie auch weiß, um was es konkret geht. Doch auch wenn ich in den Ruhestand eintrete, werde ich nicht einfach den Schalter umlegen und die Vergangenheit einfach nur hinter mir lassen. Wenn mein Wissen und meine Erfahrung von Nöten sind, stehe ich selbstverständlich mit Rat und Tat gerne zur Verfügung. Das weiß auch meine Nachfolgerin. Natürlich werde ich auch die weitere Entwicklung unserer Gemeinde mit großem Interesse mitverfolgen.

Was raten Sie Ihrer Amtsnachfolgerin Helena Österle?

Frau Österle und ich pflegen einen engen und regen Austausch. Sie ist hoch motiviert und wird, da bin ich mir sicher, im Dezember mit Volldampf durchstarten. Über die wichtigsten Themen ist sie informiert. An erster Stelle sehe ich hier das MedZentrum, also unser Ärztehaus, das wir zur dauerhaften Sicherstellung der medizinischen Versorgung dringend benötigen. Die Weichen sind soweit gestellt, dass sie das Projekt zu einem guten Ende bringen kann.

Wie sieht es bei eher kontroversen Projekten wie Kitabau und Windpark aus?

Den neuen Kindergarten in Dachtel brauchen wir ganz dringend, um den Kleinsten in unserer Gemeinde die besten Rahmenbedingungen zu bieten. Bebauungsplanverfahren und Planung laufen derzeit parallel und ich bin sicher, dass es Frau Österle mit diesen guten Vorarbeiten dann noch trotz des regelmäßigen Störfeuers aus der Nachbarschaft gelingt, den Kindergarten baldmöglichst fertigzustellen. Auch für den vorgesehenen interkommunalen Windpark Aidlingen/Grafenau formieren sich schon Anhänger und Gegner. Frau Österle war in der jüngsten Sitzung des Gemeindeverwaltungsverbandes Aidlingen-Grafenau, dem sie zukünftig vorstehen wird, anwesend und ist auf dem aktuellen Stand. Über alle anderen anstehenden Themen habe ich mit Frau Österle gesprochen. Soweit möglich, habe ich ihr den Weg so bereitet, dass sie nahtlos anknüpfen kann. Ich drücke ihr fest die Daumen, dass sie dafür stets ein glückliches Händchen haben wird.

Auf Sie wartet jetzt eine Menge Freizeit. Was werden Sie damit anfangen?

(lacht) Ob ich jetzt tatsächlich so viel Freizeit haben werde, das weiß ich noch nicht so genau. Ich bin seit wenigen Wochen stolzer Opa und mein Enkel wohnt in Freiburg. Dorthin werde ich künftig regelmäßig pendeln. Außerdem werde ich jetzt intensiver als bisher möglich in meine Ehrenämter investieren – zum Beispiel als Präsident des Sportkreises. Und dann sind da noch meine Hobbys, die ich aus zeitlichen Gründen bisher etwas vernachlässigen musste. Auch hier hoffe ich doch sehr, dass sich etwas positiv verändern wird. Und was ich mit dem Rest meiner Freizeit anfange . . . das bleibt mein Geheimnis.

Wechsel im Aidlinger Rathaus

Amtsinhaber
 Ekkehard Fauth (geboren am 29. November 1957) ist seit Dezember 2000 Bürgermeister der Gemeinde Aidlingen. Der parteilose Diplom-Verwaltungswirt ist verheiratet und hat zwei Kinder. Geboren und aufgewachsen ist er in Bietigheim-Bissingen. Er ist seit 2010 Präsident des Sportkreises Böblingen. Fauths Amtszeit endet am 30. November.

Abschied
 Am Donnerstag, 28. November, um 19 Uhr findet in der Aidlinger Sonnenberghalle die offizielle Verabschiedung von Ekkehard Fauth statt. Am Montag, 2. Dezember, findet die Amtseinsetzung von Helena Österle als Bürgermeisterin statt .  

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