Abschied von Stuttgarter Jugendamtsleiterin Susanne Heynen freut sich auf Rollenwechsel im Ruhestand

Susanne Heynen wird am 18. Juli verabschiedet. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Energiegeladen ist sie im Sommer 2016 ins Amt gestartet, genauso hört sie acht Jahre später auf. Ihre Arbeit habe ihr immer viel Spaß gemacht, sagt die scheidende Jugendamtsleiterin Susanne Heynen. Warum geht sie dann vorzeitig in den Ruhestand?

Familie/Bildung/Soziales: Viola Volland (vv)

Leicht fällt es Susanne Heynen nicht loszulassen. Vielleicht ist ihr Kalender deshalb so knallvoll bis zum Schluss. Aber am 18. Juli ist wirklich Schluss, dann wird die promovierte Psychologin, die die Geschicke des Stuttgarter Jugendamts acht Jahre gelenkt hat, von Oberbürgermeister Frank Nopper offiziell in den Ruhestand verabschiedet. Sie geht vorzeitig, aber das liege nicht an der Arbeit, die sie einfach „sehr gerne“ mache, wie die 63-Jährige sagt. Man nimmt es ihr ab.

 

„Humorvoll, resilient und unprätentiös“ – so beschreibt Stuttgarts Bildungsbürgermeisterin Isabel Fezer die scheidende Jugendamtsleiterin Susanne Heynen. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Susanne Heynen hat ihr Haus angesichts der vielfältigen Herausforderungen erstaunlich geräuschlos gesteuert. Sie hat in den acht Jahren einiges auf den Prüfstand gestellt und umstrukturiert. Dabei sei es ihr gelungen, „die Kolleginnen und Kollegen mitzunehmen“, lobt Bildungsbürgermeisterin Isabel Fezer (FDP) die scheidende Amtsleiterin. Die beiden schätzen sich und konnten gut miteinander. Wenn die eine der anderen etwas anvertraute, konnte sie sich darauf verlassen, dass es unter ihnen blieb.

Im ersten Beruf Ergotherapeutin

Hört man sich um, wird Susanne Heynens Führungsstil übereinstimmend als kooperativ beschrieben. Sie soll ihre Abteilungsleiter mehr machen haben lassen als ihr Vorgänger Bruno Pfeifle. Sie hat nicht jede Verhandlungsrunde selbst geführt, was ihr aber positiv ausgelegt wird. „Sie war führend, aber nicht so offensiv, immer sehr wertschätzend im Umgang“, berichtet ein Vertreter der freien Träger. „Sie war sehr partnerschaftlich, auf Augenhöhe und interessiert“, lobt eine Mitarbeiterin aus dem Jugendamt. Als „humorvoll“, „resilient“ und „unprätentiös“ beschreibt Isabel Fezer die scheidende Amtsleiterin, die in Stuttgart stets mit dem Klapprad unterwegs ist.

Susanne Heynen sagt, sie habe in ihrer Stuttgarter Zeit sehr viel gelernt – und sie ist eine, die gerne lernt. Ihre Berufslaufbahn begann mit einer Ausbildung zur Ergotherapeutin. Vier Jahre arbeitete die gebürtige Hamburgerin in der Frühförderung, bevor sie in Freiburg ihr Psychologiestudium aufnahm und promovierte. Sie blieb der Forschung auch in ihren 30 Jahren in der Jugendhilfe in Karlsruhe und Stuttgart verbunden, ist anerkannte Fachfrau bei den Themen häusliche Gewalt und Femizide.

Die Krisen waren für sie auch die Höhepunkte

Bei ihrem Start in Stuttgart im Juli 2016 zeichnete Susanne Heynen noch für 3900 Mitarbeitende verantwortlich – inzwischen sind es an die 5000. Ein enormer Zuwachs, der auch der Personalgewinnung in den Kitas geschuldet ist. Dennoch klafft weiter die große Lücke bei den Kitaplätzen. „Das sind Herausforderungen, die bleiben“, sagt Heynen. Etwas entspannt habe sich die Lage zuletzt in Bezug auf die Inobhutnahmen. Vor allem 2022 und 2023 waren die Hilfen zur Erziehung stark belastet – die Anzahl der unbegleitet minderjährigen Geflüchteten waren stark in die Höhe geschnellt. Da habe man die Aufnahme ausgebaut, zudem gingen die Zahlen zuletzt zurück.

Die Corona-Pandemie beschreibt Susanne Heynen als eine der größten Herausforderungen in ihrem Arbeitsleben. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Besonders herausfordernd sei für sie die Pandemie gewesen. Als sie von dieser Zeit erzählt, berichtet sie von sehr kurzen Nächten, aber auch von Glücksgefühlen. Wenn sie mit ihrem Krisenstab konferierte, die Probleme auf den Tisch kamen, sie sich die Bälle gegenseitig zuspielten und zusammen Lösungen entwickelten, hat sie das als erfüllend empfunden. Rückblickend waren für sie „die Krisen auch die Höhepunkte“.

Acht Jahre ist sie aus Karlsruhe nach Stuttgart gependelt

Öffentlichen Gegenwind kassierte Heynen für ihre Entscheidungen, das Elternseminar neu aufzustellen und die Doppelstruktur in der Kindertagespflege aufzulösen. Hinter beidem steht sie; beides sei richtig gewesen. „Man darf sich vor notwendigen Veränderungen nicht scheuen“, auch das gehört für sie zu guter Führung dazu.

„Ich bin jeden Tag gerne ins Jugendamt gekommen“, betont Susanne Heynen. Dass sie dennoch schon aufhört, hat vor allem private Gründe. Sie lebt in Karlsruhe. Acht Jahre Pendeln seien genug, zumal Verspätungen und Ausfälle auf der Strecke zugenommen haben. Ihr Mann ist zudem bereits seit eineinhalb Jahren im Ruhestand, er war Sozialarbeiter. Auch für ihre kranke Mutter will sie sich mehr Zeit nehmen.

Katrin Schulze wird neue Jugendamtsleiterin – die Wunschkandidatin von Susanne Heynen für ihre Nachfolge. Foto: Lichtgut/Leif /Piechowski

Es sei aber nicht nur für sie, sondern „auch für das Amt ein guter Zeitpunkt“. Der neue Gemeinderat ist gewählt, rechtliche Neuerungen wie der Rechtsanspruch auf Schulkindbetreuung, sind noch weit genug weg, um die Umsetzung guten Gewissens der Nachfolgerin zu überlassen. Dass es mit ihrer Abteilungsleiterin Katrin Schulze ihre Wunschkandidatin geworden ist, deren Kompetenz und Engagement sie schätzt, freut Heynen. Sie empfinde es als „großes Geschenk, diesen Übergang so gut gestalten zu können“. Ohne viele Worte kriegten sie das super hin.

Isabel Fezer über Susanne Heynen: „Sie weiß, wie die Stadtverwaltung tickt“

Nach der Verabschiedung wird sie mit ihrem Mann gen Baltikum reisen – mit Zug, Bus, Fahrrad und zuletzt mit der Fähre werden sie unterwegs sein. So reist sie gerne. Danach beginnt der neue Lebensabschnitt. Susanne Heynen wurde für die Grünen in den Karlsruher Gemeinderat gewählt. Sie freut sich auf den Rollenwechsel. Die Jugendhilfe will sie nicht inhaltlich übernehmen, stattdessen reizen sie Themen wie Stadtentwicklung und Verkehrsplanung. Isabel Fezer ist sich sicher: „Sie wird eine echte Bereicherung für den Karlsruher Gemeinderat – sie weiß, wie die Stadtverwaltung tickt.“

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