Abschied von Stuttgarts La Fenice Vom Wirt zum Landwirt: La Fenice-Gastgeber kehrt nach Italien zurück

Nach 29 Jahren hört er auf: Vincenzo Gorgolionevom La Fenice. Foto: Ruckaberle, Foto: Kovalenko

Fast drei Jahrzehnte lang war er Vincenzo Gorgolione Gastgeber im La Fenice – und für viele Gäste eine feste Größe in Stuttgart. Ende Juni schließt ein Kapitel.

Freizeit & Unterhaltung: Anja Wasserbäch (nja)

Mit 65 Jahren hört der Gastgeber Vincenzo Gorgolione im La Fenice nach 29 Jahren auf. Doch statt Ruhestand wartet ein Neuanfang – zurück in Süditalien, zurück zur Landwirtschaft. Für sein Restaurant hat er einen Nachfolger gefunden.

 

Herr Gorgolione, Ende Juni ist Ihr letzter Arbeitstag im La Fenice. Warum jetzt?

Ich habe das vergangenes Jahr entschieden. Da habe ich gemerkt: Die Zeit geht mir viel zu schnell. 29 Jahre haben sich angefühlt wie zehn. Und ich dachte, ich muss noch etwas anderes machen – sonst merke ich gar nicht, wie das Leben vorbeigeht. Ich wollte nicht einfach weitermachen aus Gewohnheit. Man muss im Leben mehr kennen als nur dieses eine. Deshalb habe ich gesagt: Es reicht.

Vincenzo Gorgolione (links) und sein Bruder Angelo, der im La Fenice gekocht hat. Und ihn mit nach Italien begleitet. Foto: MAX KOVALENKO

Sie gehen zurück nach Italien. Was erwartet Sie dort?

Ich gehe in meine Heimat, nach Apulien, in die Region Gargano, nach San Giovanni Rotondo. Dort werde ich Landwirt.

Ein radikaler Schritt.

Eigentlich nicht. So bin ich aufgewachsen. Wir hatten eigenes Gemüse, eigenes Brot, eigenes Getreide. Der Onkel war Fischer, wir hatten eine Jagd. Es gab von allem reichlich. Meine Mutter hat zweimal am Tag frisch gekocht. Wir hatten alles – nur kein Geld.

Was wollen Sie anbauen?

Gemüse, verschiedene Kartoffelsorten, Bohnen, alte Getreidesorten. Ich habe vier Hektar Land und ein kleines Haus. Das möchte ich gestalten, mit vielen Pflanzen.

Sie sind 1977 nach Stuttgart gekommen. Wie hat alles begonnen?

Am 3. August 1977. Ich habe sofort in der Gastronomie gearbeitet. Angefangen habe ich schon mit 15 Jahren in Italien. 1989 habe ich mich selbstständig gemacht. Damals war mein Restaurant in Botnang. Das La Fenice habe ich vor 29 Jahren übernommen – und komplett selbst aufgebaut. Das war ein heruntergekommenes Objekt. Ich habe alles neu gemacht: Wände, Boden, Küche. Alles auf eigene Kosten.

War das nicht ein großes Risiko?

Ja. Aber ich war jung und vermutlich auch sehr naiv. So etwas kann man nur machen, wenn man naiv ist. Ich bereue nichts.

Wie hat sich Ihr Berufsbild verändert?

Früher war ich Wirt. Heute ist man Unternehmer.

Was war Ihr Anspruch in der Küche? Viele sprechen heute von gehobener italienischer Küche.

Ich wollte eine gepflegte Küche machen. Gute Produkte, schön angerichtet. Mehr nicht. Ich nenne es nicht gehoben. Qualität ist Qualität. Ich wollte es immer noch ein bisschen besser machen.

Was macht einen guten Gastgeber aus?

Dass der Gast sich sicher fühlt. Geschützt. Dass man sich kümmert. Das ist meine Aufgabe.

Ihre Weinkarte gilt als besonders sorgfältig zusammengestellt. Welche Rolle spielt Wein für Sie?

Eine große. Wein darf man nicht unterschätzen. Dahinter steckt viel Arbeit, viel Landwirtschaft. Am Ende ist das ein Handwerk wie meines. Die Weinkarte habe ich selbst gemacht, mit viel Zeit und Überlegung.

Worauf haben Sie Wert gelegt?

Auf Qualität und darauf, dass es zusammenpasst. Wein gehört zum Essen dazu. Das ist ein Teil des Ganzen.

Gab es Zeiten, in denen es besonders schwierig war?

Ja, immer wieder. Wenn Veranstaltungen in der Stadt sind, kommen weniger Gäste. Es gibt Sommerlöcher. Das gehört dazu.

Wie sind Sie damit umgegangen?

Man muss durchhalten. Ich bin immer dageblieben.

Ihre Familie ist stark in der Gastronomie verwurzelt.

Ja, wir sind zwölf Geschwister. Viele sind in der Gastronomie gelandet. Meine Schwester Rosa hat hier im La Fenice 25 Jahre gekocht. Meine Schwester Giovanna Di Tomasso hat viele Jahre das Nannina in Gablenberg betrieben. Für die letzten Monate im La Fenice wird sie hier zu finden sein und ein Gastspiel haben.

Was haben Sie von zu Hause mitbekommen?

Leidenschaft und Respekt vor Lebensmitteln. Unsere Mutter hat immer frisch gekocht, alles aus eigenem Anbau.

Gab es einen Moment, der Ihnen im La Fenice besonders im Gedächtnis geblieben ist?

Da gab es einige. Aber erst gestern Abend war so einer. Auch nach 29 Jahren hatte ich wieder dieses Gefühl: Das ist ein schöner Ort. Gäste, die sich ehrlich bedanken – das ist etwas Besonderes.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft des La Fenice?

Dass es gut weitergeht. In diesem Haus steckt meine Seele. Ich habe einen Nachfolger gefunden, kann aber noch nicht sagen, wer es ist. Das Restaurant wird weitergeführt. Ich übergebe alles – und nehme mir Zeit für eine richtige Übergabe und werde jeden Lichtschalter erklären.

Restaurant La Fenice

La Fenice
Rotebühlplatz 29 / Ecke, Sophienstraße, 70178 Stuttgart

Telefon: 0711 6151144; ristorante-la-fenice.de

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