Abschiedsspiel Ein Abend, der zu Manuel Späths Karriere passt

So kennt man ihn: Manuel Späth setzt sich noch mal am Kreis durch. Foto: Hebert Rudel

Der 39-Jährige feiert in Nellingen mit Prominenten, Freunden, Wegbegleitern sowie Spaß und Emotionen seinen Abschied vom aktiven Handball.

Reporter: Sigor Paesler

Manuel Späth atmetet erst einmal tief durch. „Ich bin einfach nur dankbar“, sagte er und die Stimme sackte ihm dabei ein bisschen weg. Dicht neben ihm auf dem Sofa, das einige der vielen fleißigen Helfer in die Halle getragen hatten, saßen seine Frau Vanessa und sowie die Töchter Nora und Dahlia. Es war der emotionale Abschluss eines schönen Abschiedsspiels, zu dem der langjährige Handball-Profi viele Weggefährten bei seinen „Urmel’s Allstars“ und den „Filder Allstars“ in die Nellinger Sporthalle 1 geladen hatte. „Es war ein richtig urmel-mäßiger Abend“, sagte einer von ihnen in Anspielung auf den Spitznamen des gefeierten Gastgebers. Wobei, der Abschluss war es noch nicht – denn es wurde noch eine lange Nacht, in der die eine oder andere Anekdote ausgetauscht wurde. Es war ein Abend, der zu Späths Karriere passte.

 

Ergebnis Ja, ein Ergebnis stand am Ende tatsächlich auf der Anzeigetafel – auch wenn das natürlich nebensächlich war. Es waren sogar zwei Ergebnisse. Denn in einem Vorspiel hatte die A-Jugend der JANO Filder die – kurzfristig für Frisch Auf Göppingen eingesprungene – JSG Balingen-Weilstetten mit 34:32 besiegt. Im Allstar-Match setzte sich anschließend Späths Urmel-Auswahl mit 52:37 durch. Der 39-Jährige selbst erzielte von den ersten zehn Treffern seines Teams fünf und am Ende zehn – und wurde für jeden einzelnen gefeiert.

Urmel’s Allstars Die vielen Kids in der Halle hatten wohl vor allem in der Halbzeit Spaß, als Johannes Bitter, mit dem Späth beim TVB Stuttgart und beim HSV Hamburg zusammengespielt hatte, früher aus der Kabine kam und sich für Würfe des Nachwuchses ins Tor stellte. Die anderen „Promis“ zeigten während des Spiels, dass sie voll im Saft stehen – Marcel Schiller und Kai Häfner etwa – oder dass sie noch das eine oder andere Kunststückchen draufhaben – Michael Kraus und Dragos Oprea taten sich dabei besonders hervor. Sichtlich Spaß hatten sie alle. „Wir sind gerne gekommen“, sagte Lars Kaufmann, Späths ehemaliger Kamerad in Göppingen und wie Bitter und Kraus Weltmeister von 2007. Ihm gefiel auch, dass es gegen eine Filder-Auswahl ging: „Das zeigt den Weg, den Manu gegangen ist.“ Danach gab es jede Menge Autogramme. „Da ist noch mal ein Weltmeister, von dem du eins holen kannst“, sagte etwa ein Vater, der die 2007-Helden noch besser kannte, zu seinem Sohn.

Filder Allstars Auch hier liefen Spieler auf, die noch aktiv sind, und welche, die die Handballschuhe entstauben mussten oder sich gar extra neue gekauft hatten. Und auch sie waren voller Elan dabei und zeigten das eine oder andere Kabinettstückchen. Linksaußen Marco Schwab etwa lief – trotz Trainingsrückstand – zu Höchstform auf und wurde wie seine Kameraden für jedes seiner Tore gegen Bitter, Enid Tahirović, Primož Prošt oder Nikola Marinovic frenetisch gefeiert. „Es war richtig schön, so viele Leute wiederzutreffen“, sagte Simon Wohlrabe, früherer Spieler des TSV Neuhausen und schon lange in Düsseldorf wohnhaft, „es war ein gebührender Abschied für Urmel.“ Markus Fuchs erklärte die Wechseltaktik des Teams: „Die war klar geregelt – wenn einer nicht mehr konnte, kam er raus.“

Foto: Herbert Rudel

Drumherum 950 Karten waren verkauft, in der Halle waren aber weit mehr Menschen. Neben Vanessa Späth und den Töchtern waren noch weitere Familienmitglieder gekommen, dazu Freunde. Alle gemeinsam genossen den Abend mit den Spielen, Kaltgetränken und perfekt gegrillten Roten. Die vielen Helfer hatten für einen schönen Rahmen gesorgt. Dazu trugen unter anderem auch Hallensprecher Jens Zimmermann sowie die „Zeitnehmer-Legenden“ Wolfgang Heinz und Günter Hock bei. Diese Bezeichnung stammt von den ehemaligen internationalen Spitzenschiedsrichtern Holger Fleisch und Jürgen Rieber, die zehn Jahre nach ihrem Karriereende noch mal die Pfeife in den Mund nahmen und Späth hinterher ein Schiri-Trikot überreichten. Nicht ganz zu unrecht übrigens. „Manu hat mal einen Kurs bei mir besucht“, berichtete Rieber.

Siebenmeter An einem Höhepunkt des Abends waren Fleisch und Rieber nicht ganz unbeteiligt. Kurz vor Schluss zeigte Rieber deutlich eine „Abwehr im Kreis“ und gab Siebenmeter für Urmel’s Allstars. „Das war eine klare Fehlentscheidung und das auch noch für die führende Mannschaft – die hätte das wirklich nicht nötig gehabt“, echauffierte sich Filder-Allstar Daniel Hebisch im Spaß. Jedenfalls tat Späth etwas, was er in den vielen Jahren seiner Karriere nie getan hatte: Er trat von der Linie an – und traf unter riesigem Jubel von den Rängen auch. Kurz darauf gab es noch mal einen Siebenmeter – diesmal hielt „Hexer“ Markus Scherbaum.

Emotionen Es war viel Spaß im Spiel. Und es wurde noch ein lustiger Abend. Nach „Urmels“ letzter Schlusssirene aber wurde es emotional. Manuel Späth umarmte unter Standing Ovations alle Spieler und war sichtlich gerührt angesichts der vielen Menschen, die gekommen waren, und angesichts der Wertschätzung, die ihm entgegengebracht wurde. „Ich hätte es mir nicht besser vorstellen können“, sagte er und meinte damit wohl gleichermaßen sein Abschiedsspiel und seine ganze Karriere. „Mehr als die Pokale bedeuten mir die Freundschaften, die entstanden sind.“ So klingt einer, der voller Dankbarkeit ist.

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