Abschluss des Solo-Tanz-Festivals Ein mutiges Solo gewinnt
Trotz Sparzwang hat die 30. Ausgabe des Solo Tanz Theater Festivals im Treffpunkt Rotebühlplatz ein ausgezeichnetes Programm geboten – und starke Gewinner ausgezeichnet.
Trotz Sparzwang hat die 30. Ausgabe des Solo Tanz Theater Festivals im Treffpunkt Rotebühlplatz ein ausgezeichnetes Programm geboten – und starke Gewinner ausgezeichnet.
Zum 30. Mal sind am Sonntagabend im Stuttgarter Treffpunkt Rotebühlplatz Preise im Rahmen des Internationalen Solo Tanz Theater Festivals verliehen worden. Dass sich das von Marcelo Santos 1997 gegründete Festival für den Choreografie-nachwuchs in der Tanzstadt Stuttgart neben und in Kooperation mit dem Stuttgarter Ballett als feste Größe im Kulturkalender etabliert hat, ist ein Grund zum Feiern. Doch die Macher der renommierten Schau mussten im Zuge des knappen Doppelhaushaltes herbe Kürzungen verkraften. Vor allem beim geplanten Rahmenprogramm, sagt Sonia Santiago, Projektleitung von Noverre: Junge Choreografen beim Stuttgarter Ballett und Moderatorin des Abends. Spenden sind deshalb willkommen.
Den Sparzwängen zum Trotz hat das Team auch in diesem Jahr ein vielfältiges Programm auf die Beine gestellt, mit Tanzschaffenden aus Ländern wie Tschechien, Israel, Italien, China, Portugal, Großbritannien, den USA und der Schweiz. Insgesamt 24 Arbeiten waren vom 11. bis 14. März im Treffpunkt Rotebühlplatz zu sehen. Acht davon konkurrierten im Finale am Sonntagabend um jeweils drei Preise in den Kategorien Choreografie und Tanz sowie um zwei Publikumspreise.
Den ersten Preis sowohl in der Kategorie Tanz als auch in der Kategorie Choreografie gewann Liam Meier aus der Schweiz mit dem Stück „Any (ID)ea?“. In übergroßem Jackett, Faltenrock und mit kurz geschorenen Haaren verhandelt Meier die Beziehung zum eigenen Körper und Geschlecht. Meiers Choreografie zeichnet sich durch expressive Mimik und eine bissig witzige Bewegungssprache aus, in der sich Elemente aus klassischem Ballett und Hip-Hop mit Pantomime und geschlechtsspezifischen Posen mischen. Zum Ende der Darbietung tanzt Liam Meier mit nacktem Oberkörper und sichtbaren Narben nach einer Mastektomie. Die Jury würdigte nicht nur die hohe artistische Qualität und den kreativen Umgang mit tänzerischen Ausdrucksformen, sondern auch den Mut, mit dem Liam Meier das Thema Geschlechterdiversität bearbeitet hat.
Das eigene Innenleben macht auch Klil Ela Rotshtain aus Israel im Solo „I Could Also Be A Black Swan“ physisch sichtbar. Statt einer Musik verwendet die Tänzerin und Choreografin von ihr selbst eingesprochenen Text, hangelt sich von Selbstbeschreibungen – „ugly, sexy, a woman, a virgin, a slut“ – zu komischen Assoziationsketten. Da verwandelt sich der nackte Rücken der Tänzerin im Zusammenspiel mit den Worten etwa in ein kopfloses gerupftes Huhn, dessen federlose Flügel grotesk rudern. Die Jury zeichnete das originelle Solo mit dem 2. Preis für Choreografie und dem 3. Preis für Tanz aus.
Das Politische mit dem Persönlichen verbindet die Französin Ondine Malfoy in ihrer Arbeit „I believe it because it’ s absurd“ über das Thema Migration. Mit dem Satz „Ich habe nichts getan“ und der Geste erhobener Hände koppelt Malfoy das Spiel von Kindern mit dem Schicksal von Geflüchteten, denen niemand helfen will. Für die verblüffende Klarheit ihrer Darstellung wurde Ondine Malfoy mit dem 3. Preis für Choreografie ausgezeichnet.