Absenkung der Temperatur Stadtwerke kühlen Fernwärme ab
Mit einer abgesenkten Vorlauftemperatur reduzieren die Stadtwerke Böblingen den Energieverbrauch ihres Fernwärmenetzes. Vertreter auf Kundenseite begrüßen den Schritt.
Mit einer abgesenkten Vorlauftemperatur reduzieren die Stadtwerke Böblingen den Energieverbrauch ihres Fernwärmenetzes. Vertreter auf Kundenseite begrüßen den Schritt.
Die Stadtwerke Böblingen (SWBB) wollen den Energieverbrauch in ihrem Fernwärmenetz senken: Durch eine abgesenkte Vorlauftemperatur soll weniger Wärme beim Transport verloren gehen, ohne dass die Kunden dadurch Komforteinbußen haben. Im Rahmen des Projekts mit der Bezeichnung „Smart Heat“ haben die Stadtwerke 32 Installateure aus dem Kreis Böblingen geschult und zertifiziert. Damit sollen diese in die Lage versetzt werden, die Hausstationen optimal einzustellen. Die Fernwärmekunden sind in der Interessengemeinschaft Fernwärme (IGFW) organisiert, welche den Schritt grundsätzlich begrüßt.
Die Fernwärme in Böblingen war in der Vergangenheit immer wieder ein heißes Eisen. Um das Jahr 2016 entbrannte zwischen Kunden und Werken ein juristischer Streit, da Kunden die kräftigen Preiserhöhungen der Werke für deutlich überzogen und damit unzulässig hielten. Erst ein Mediationsverfahren brachte einen für beide Seiten tragfähigen Kompromiss.
Ein Fernwärmenetz funktioniert wie ein gigantischer Heizkreislauf: In einem oder mehreren Kraftwerken wird Wärme erzeugt und durch ein verzweigtes Rohrsystem an die Abnehmer verteilt, der sogenannte Vorlauf. Das abgekühlte Wasser kehrt im Rücklauf zur Wärmequelle zurück. Im gemeinsamen Netz von Böblingen und Sindelfingen wird die Wärme hauptsächlich aus dem Restmüllheizkraftwerk ausgekoppelt.
Durch eine Absenkung der Temperatur in dem Kreislauf könne der Energieverbrauch in der Erzeugung und die Verluste in der Verteilung der Wärme deutlich reduziert werden, sagt David Hoffmann, Teamleiter Netzstrategie bei den SWBB. Gleichzeitig werde die Gesamtleistung des Wärmenetzes verbessert. Hoffmann: „Dies bedeutet weniger Energieverbrauch, was sowohl für die Betreiber, Endverbraucher als auch für die Umwelt von Vorteil ist.“
Waren die Kundenvertreter der IGFW in der Vergangenheit nicht immer einer Meinung mit den Stadtwerken, befürworten sie das jetzige Projekt ausdrücklich. „Die Qualifizierung des Handwerks auf die Besonderheiten eines Fernwärmeanschlusses ist seit Langem eine Forderung“, sagt IGFW-Sprecher Ulrich Priebe. Fernwärmekunden hätten nicht immer positive Erfahrungen mit Handwerkern gemacht. Priebe: „Es würde dem Handwerk auch helfen, wenn eine Standardisierung den Wildwuchs der Anlagen begrenzen würde.“
Die Senkung der Vorlauftemperatur sei „überfällig und sinnvoll“, sagt er, gleichwohl aber eine Herausforderung für Kunden und Werke. Schließlich müssten Hausstationen umgestellt und die Steuerung angepasst werden. Teilweise seien die Anlagen der Kunden veraltet und fehlerhaft eingestellt. Sinkende Preise seien für die Kunden bei allen ökologischen Vorteilen allerdings nicht zu erwarten, sagt SWBB-Sprecherin Birte Engels: „Da die Wärmemenge gleich bleibt für den Kunden – unabhängig von der Temperaturabsenkung – ändern sich auch die Kosten nicht.“