Abstellbahnhof für Stuttgart 21 Bahn darf mit Eidechsenumzug starten

Die Mauereidechsen aus dem Güterbahnhofsgelände in Untertürkheim sollen umgesiedelt werden. Das kann bis zu 15 Monaten dauern. Foto: dpa/Sina Schuldt

Das Eisenbahnbundesamt hat eine Vorabgenehmigung erteilt. Die Behörde sagt, ein öffentliches Interesse am baldigen Beginn der Baumaßnahme für Stuttgart 21 sei anzunehmen.

Stuttgart - Für hochgerechnet 4350 erwachsene Mauereidechsen, die sich bisher auf dem Gelände des früheren Güterbahnhofs in Untertürkheim tummeln, steht ein vorgezogener Umzug an. Auf der Fläche soll der Abstellbahnhof für das Infrastrukturprojekt Stuttgart 21 entstehen.

 

Das Eisenbahnbundesamt (Eba) hat entschieden, dass die Bahn die streng geschützten Tiere noch vor der eigentlichen Entscheidung über den Bau der Abstellanlage einsammeln und auf fünf neue Standorte in Zazenhausen, Münster, Bad Cannstatt, Untertürkheim und entlang der Panoramabahn (der innerstädtischen Gäubahnstrecke) umsetzen lassen darf.

Öffentliches Interesse festgestellt

Das Eba begründet seine vorläufige Anordnung damit, dass ein öffentliches Interesse am baldigen Beginn der Maßnahmen anzunehmen sei. Der Abstellbahnhof habe „Relevanz für die Inbetriebnahme des Gesamtvorhabens Stuttgart 21“, die Ende 2025 sein soll. Für den Eidechsenumzug seien voraussichtlich drei Absammelperioden zwischen März und Oktober oder „wenigstens eineinhalb Jahre“ nötig.

Laut dem im Oktober 2020 im S-21-Lenkungskreis vorgestellten Zeitplan will die Bahn im zweiten Quartal 2022 mit dem Bau der Abstellgleise beginnen, der langwierige Eidechsenumzug wäre demnach dringlich. Das Eisenbahnbundesamt spricht von einem „Beschleunigungspotenzial von 1,5 Jahren“. Außerdem könne die Bahn mit einer Genehmigung des Baus rechnen, das sei „überwiegend wahrscheinlich“.

Bahn benennt zusätzliche Fläche

Die DB hatte die Flächen entlang der Gäubahn, die im Landschaftsschutzgebiet und einem gesetzlich geschützten Biotop liegen, erst im Juli 2020 ins Spiel gebracht. Bis dahin fehlten ihr 5,4 Hektar Ersatzhabitate für die Tiere, die sich bisher auf 10,1 Hektar ausbreiten. Mit den Gäubahnflächen sei nun eine „Umsiedlung ohne Verdichtung“ möglich“, so das Eba. Die Bahn hatte zuvor beantragt, Tiere zur Not auf dem alten Gleisgelände zu belassen. Die „Verletzung und Tötung von im Baufeld verbliebenen Exemplaren“, dürften als Ausnahme vom Bundesnaturschutzgesetz „erteilt werden, weil eine Ausnahmelage gegeben sein dürfte“, schreibt das Eba in seiner vorläufigen Anordnung. Um die Tiere auf die Gäubahnflächen umsiedeln zu können, hatte die Bahn auf diesen im Februar eine „Vegetationspflege“ vollzogen. Vom Kahlschlag waren einige Anwohner entlang der Strecke in Heslach entsetzt. Das Biotop, das die Bahn für die Mauereidechsen herstellen wolle, bestehe längst, so ein Anwohner. Durch die Umsiedlung der Mauereidechsen würden andere geschützte und seltenere Arten wie die Smaragdeidechse verdrängt.

Kahlschlag entsetzt Anwohner

Das Eba widerspricht in seiner Anordnung, bezieht sich dabei aber auf Zauneidechsen. Die regelmäßig diskutierte Verdrängung sei „bislang wissenschaftlich nicht belegt“. Die Bahn habe zugesagt, bei der Flächenauswahl auf Zauneidechsenpopulationen Rücksicht zu nehmen.

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