In viel zu vielen entscheidenden Momenten dieser Spielzeit konnten einzelne Spieler, konnte aber auch die Mannschaft als Kollektiv nicht das abrufen, was es braucht, um in der besten Handballliga der Welt zu bestehen. Insofern gilt: Gerade nochmal gut gegangen. Und: Vieles muss im sportlichen Bereich künftig besser laufen.
Denn ausgerechnet das eigentliche Kerngeschäft ist schon seit Jahren das größte Problemfeld der Emporkömmlinge aus Waiblingen-Bittenfeld. Auf allen anderen Ebenen hat der Club unter seinem Geschäftsführer Jürgen Schweikardt einen richtig guten Job gemacht.
Der Umzug nach Stuttgart gelang, die Porsche-Arena ist dank großer Bemühungen immer wieder (fast) voll besetzt. Die Corona-Pandemie wurde wirtschaftlich ebenso überstanden wie die Insolvenz eines Hauptsponsors. Zuletzt konnte der Club einen wichtigen und lukrativen Sponsorendeal an Land ziehen, zudem wird die Nachwuchsarbeit mit einem eigenen „Next Generation Performance Center“ aufgewertet.
Erleichterung pur: TVB-Geschäftsführer und -Interimstrainer Jürgen Schweikardt mit seiner Familie. Foto: Pressefoto Baumann
Dass Stuttgart ein attraktiver Handball-Standort sein kann, zeigt auch der Wechsel von Misha Kaufmann zum TVB zur kommenden Saison, zu dem sich der bisherige Erfolgscoach des ThSV Eisenach früh bekannt hat. Umso bitterer wäre es gewesen, wenn der Schweizer nun erst einmal den Wiederaufstieg hätte schaffen müssen, um danach die eigentlichen Ziele angehen zu können.
Kaufmann muss nun erreichen, was beim TVB in all den Bundesligajahren nie gelungen ist: eine Mannschaft zu formen, die sich Schritt für Schritt nach oben entwickelt. Nach den Anfangsjahren im Oberhaus sollte stets der Sprung ins gesicherte Mittelfeld, später auch in die obere Tabellenhälfte gelingen. Meist war nach wenigen Spieltagen aber klar: Es geht wieder nur gegen den Abstieg. Platz zwölf in der abgebrochenen Corona-Saison 2019/2020 und Platz elf in der Spielzeit 2023/2024 – das waren schon die Ausreißer nach oben. Ansonsten kam der TVB immer auf Rang 14 oder 15 ins Ziel – ehe nun der knappe Nichtabstieg als 16. folgte.
Die Fehleinschätzungen auf sportlicher Ebene brachten die Stuttgarter auch diesmal in Schieflage und Schweikardt mal wieder in eine ungute Doppelrolle als Geschäftsführer und Trainer. Für die Zukunft des TVB Stuttgart braucht es nun eine bessere und nachhaltigere Personalplanung im sportlichen Bereich – um auf dem Spielfeld endlich das zu erreichen, was man sich am Handball-Standort Stuttgart ansonsten längst erarbeitet hat.