Abstieg der Deizisauer Handballer „Wir haben etwas gutzumachen“
Bei den Handballern des TSV Deizisau herrscht nach dem Abstieg in die Verbandsliga riesige Enttäuschung. Die Mannschaft aber bleibt zusammen.
Bei den Handballern des TSV Deizisau herrscht nach dem Abstieg in die Verbandsliga riesige Enttäuschung. Die Mannschaft aber bleibt zusammen.
Dennis Prinz zerbricht sich „immer noch den Kopf darüber, wie es dazu kommen konnte“, Lukas Lohmann spricht vom „sportlichen Tiefpunkt meiner Karriere“. Der Kater bei den Handballern des TSV Deizisau nach dem Abstieg von der Ober- in die Verbandsliga ist heftig. Aber auch der Wille ist groß, „den Fehler zu korrigieren“, wie es Prinz vom Management ausdrückt. Kapitän Lohmann sagt dazu: „Ich hatte noch nie so wenig Lust auf die Pause. Ich würde am liebsten gleich wieder starten, denn das Gefühl des Wiedergutmachenwollens ist stark.“ Im Moment steht die Mannschaft zwar ohne Trainer da, der Kader bleibt aber weitestgehend zusammen.
Trotzdem wird allen Beteiligten wohl erst einmal ein bisschen Durchschnaufen gut tun. Und Verarbeiten. Nach der 28:29-Niederlage in der Woche zuvor gegen den TV Weilstetten hatten es die Deizisauer nicht mehr selbst in der Hand. Aber sie hatten noch Hoffnung. Dann spielten sie beim Schlusslicht TV Oeffingen nur 27:27 und Konkurrent SG Lauterstein gewann gegen den TSV Schmiden mit 34:31 – das war es. „Es stand keine Kiste Bier in der Kabine, es war sehr ruhig“, berichtet Lohmann. „Es war die pure Enttäuschung. Der Abstieg aus der Baden-Württemberg Oberliga tat weniger weh als jetzt der in die Verbandsliga.“
Denn davon, dass die Kenner der Szene und wohl auch die Deizisauer selbst den Kader eigentlich für zu stark hielten, um von der vierten in die sechste Liga durchgereicht zu werden, kann sich in Deizisau niemand etwas kaufen. Es wirft trotzdem Fragen auf. Worin sich alle einig sind: Zu viele Spieler haben zu selten ihr Leistungsvermögen abgerufen. Dazu brachte der Trainerwechsel Ende Januar von Georgios Chatzigietim zu Steffen Rost, der für seinen Heimatverein noch mal einsprang, am Ende auch nicht den Klassenverbleib. „Steffen war mit dem Herzen dabei“, betont Lohmann jedoch und auch die Vereinsführung ist weit davon entfernt, dem Urgestein irgendeine Art von Vorwurf zu machen. „Wir vom Führungsteam tragen die Verantwortung“, sagt Prinz stattdessen. Rost aber macht sich Gedanken. „Ich war für drei Monate Teil der Mannschaft. Für mich war das sehr, sehr enttäuschend. Es wird noch lange an mir knabbern“, sagt er und fragt sich vor allem, warum die Mannschaft es in den letzten beiden Spielen nicht schaffte, sich zu retten: „Ich habe versucht, eine gute Stimmung reinzubringen. Vielleicht hätte ich energischer sein müssen.“
Prinz versucht derweil, den Blick nach vorne zu richten. „Wir dürfen nichts schönreden, es ist brutal enttäuschend“, sagt er. „Aber wir werden daran nicht zerbrechen.“ Denn: „Die Handballabteilung ist zum Glück nicht mehr nur die erste Männermannschaft, das war mal so.“ Und: „Wir sind da von der zweiten Mannschaft über die Frauen bis zur Jugend exzellent aufgestellt.“ Auch Rost findet: „Diesbezüglich ist mir nicht bange.“
Die Suche nach einem neuen Trainer stockte zuletzt durch die Unsicherheit, was die Ligazugehörigkeit betrifft. Rost übernahm explizit nur die Rolle des Feuerwehrmanns und geht nun in die Jugendarbeit zurück. Nun werden die Gespräche wieder aufgenommen. „Wir müssen das in den nächsten ein bis zwei Wochen klären“, sagt Prinz. Zuversichtlich stimmt ihn, dass der Abstieg nichts an der Zusammenstellung des Kaders ändert. Alle Verträge wurden ligaunabhängig unterschrieben und Prinz hat in Gesprächen auch die Zusage erhalten, dass die Handballer bei der Stange bleiben. „Es wird jedem einzelnen Spieler, der es in dieser Saison vergeigt hat, Motivation sein, den Fehler auszubügeln“, betont Prinz. Lohmann bestätigt das: „Alle sagen, dass die Mannschaft zusammenbleibt. Es war des TSV Deizisaus nicht würdig, was wir gespielt haben. Wir haben etwas gutzumachen.“ Der Kapitän stellt auch gleich klar: „Ohne die Gegner in der Verbandsliga gering zu schätzen, sollten wir uns dort nicht allzu lange aufhalten.“
Die Abgänge von Lucas Schmid und Neil Jäger zum künftigen Ligakonkurrenten TSV Denkendorf standen ebenso bereits fest wie die Zugänge von Florian Touet (TSV Köngen) und Finn Beichter (SG Pforzheim/Eutingen). Mit einem Kreisläufer steht der Verein laut Prinz kurz vor dem Abschluss und angesichts des langen verletzungsbedingten Ausfalls von Nico Gross sind er und seine Mitstreiter noch auf der Suche nach einem Torhüter.
Die Deizisauer Handballer werden noch eine Weile brauchen, um ihre Wunden zu lecken. Lohmann hat bei aller Enttäuschung aber auch noch den Blick für das Positive: „Wie unsere Fans, vor allem die vielen Jugendlichen, uns in den vergangenen Wochen unterstützt haben, war etwas Großes und man sieht, dass die Abteilung lebt.“