Abstiegskampf – und dann? Was dem VfB passieren könnte

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Manchmal ist der Abstieg aus der Fußball-Bundesliga eine Chance zur Rehabilitation. Eintracht Frankfurt hat zum Beispiel die richtigen Schlüsse gezogen, 1860 München nicht. Beim VfB Stuttgart will man es aber gar nicht erst so weit kommen lassen.

Auch unter Sportdirektor Gerhard Poschner kehrt bei 1860 München keine Ruhe ein. Foto:   11 Bilder
Auch unter Sportdirektor Gerhard Poschner kehrt bei 1860 München keine Ruhe ein. Foto:  

1860 München

Stuttgart - Es sind schon große Vereine aus der Fußball-Bundesliga abgestiegen – was jetzt auch dem VfB Stuttgart droht. Einige wie Eintracht Frankfurt sind daraus sogar gestärkt hervorgegangen, andere wie 1860 München haben sich nicht mehr erholt. Eine Bestandsaufnahme aus der Abstiegszone.

Beispiel 1860 München

Als die Mannschaft von 1860 München im Mai 2004 aus der Bundesliga abgestiegen ist, lautete das Motto: Ein Jahr zweite Liga – und dann sind wir wieder oben! Ein schnell zu reparierender Betriebsunfall sollte das also sein. Aber aus diesem einen Jahr sind inzwischen fast schon elf Jahre geworden. Ein Ende ist nicht in Sicht, denn von ihrem ursprünglichen Ziel sind die Löwen, Meister von 1966, weiter entfernt denn je.

Wenn ein Traditionsclub in Schieflage gerät, hat das fast immer ähnliche Gründe. Überforderte Vereinsführungen produzieren Managementfehler, die sich in der Zusammenstellung der Mannschaft niederschlagen. Und wenn ein solcher Traditionsclub dann nicht mehr auf die Beine kommt, liegt das daran, dass die alten Defizite nicht behoben werden können. So fügt sich das eine zum anderen – wofür der TSV von 1860 geradezu ein Musterbeispiel ist.

Der Niedergang wurde noch zu seligen Bundesligazeiten ausgelöst durch interne Turbulenzen, da der Präsidentensohn Karl-Heinz Wildmoser junior im März 2004 wegen Bestechungsvorwürfen im Zuge des Stadionbaus festgenommen und zu einer Haftstrafe verurteilt wurde. Karl-Heinz Wildmoser senior trat deshalb zurück – und unter seinem Nachfolger Karl Auer brach endgültig das große Chaos aus, das bis in die Gegenwart anhält.

Präsidenten kamen und gingen (Karl Auer, Alfred Lehner, Albrecht von Linde, Rainer Beeck usw.), Sportdirektoren kamen und gingen (Stefan Reuter, Miroslav Stevic usw. – Gerhard Poschner ist noch da), Trainer kamen und gingen (Rudi Bommer, Reiner Maurer, Walter Schachner usw.) – von den Spielern ganz zu schweigen. Mehrmals stand 1860 vor der Insolvenz. Dazu passt die Geschichte mit Hasan Ismaik, der im Mai 2011 als Investor eingestiegen ist und bis 2014 mehr als 30 Millionen Euro zur Verfügung stellen wollte. Damit sollte das Team so aufgerüstet werden, dass endlich der Aufstieg gelingt, doch auch dieser Schuss ging nach hinten los.

Das Präsidium und Ismaik zerstritten sich, weil der Geldgeber aus Jordanien bei allen Entscheidungen das letzte Wort haben wollte. Anfang 2013 zog sich Ismaik weitgehend wieder zurück. Bis dahin hatte er 27 Millionen Euro in den Verein gesteckt – womit Fehleinkäufe wie Malik Fathi, Rob Friend, Ola Kamara oder Marin Tomasov bezahlt wurden. Momentan kämpft 1860 gegen den Abstieg aus der zweiten Liga. Nicht dass es bald heißt: Ein Jahr dritte Liga – und dann sind wir wieder oben!

Beispiel Eintracht Frankfurt

Eintracht Frankfurt

Dieser Fall ist ebenfalls geradezu ein Musterbeispiel – aber dafür, wie es funktionieren kann, wenn ein Traditionsclub abgestürzt ist. Nachdem der Eintracht das im Mai 2011 als Folge einer katastrophalen Rückrunde mit nur acht Punkten passiert ist, lautete das Motto zwar so wie bei 1860 München im Mai 2004, aber der Umgang mit dem Thema war ein anderer als bei den Löwen. In Frankfurt beschränkte sich die Krise auf die sportliche Ebene, da der im März als Feuerwehrmann verpflichtete Trainer Christoph Daum den Brand nicht löschen konnte. Vielmehr kamen die Flammen unter ihm erst richtig zum Ausbruch.

Aber so war das Problem mit einem Trainerwechsel relativ leicht zu lösen, zumal an der Spitze des Vereins ein Mann die Übersicht behalten hat: Heribert Bruchhagen. Er überstand den Abstieg schadlos, da er zuvor schon bewiesen hatte, dass er in der Lage ist, einen Profiverein zu dirigieren. Die Konstante Bruchhagen bildete somit die Basis für den Aufschwung. Deshalb handelte es sich hier dann wirklich nur um einen Betriebsunfall, der schnell repariert werden konnte – weil die richtigen Lehren und Konsequenzen gezogen wurden.

Als Erstes richtete Bruchhagen seine Fußballabteilung neu aus – mit dem Trainer Armin Veh, der als Verstärkung den Manager Bruno Hübner mitbrachte. Das war das Signal für eine Aufbruchstimmung, die vor allem Veh mit seinem lockeren Umgangston erzeugte. Mit dieser Art verstand er es in kurzer Zeit, die Depressionen im Club und im Umfeld zu vertreiben. Die Hoffnung kehrte zurück und der Mut, was Bruchhagen noch heute als wichtigstes Kriterium für die Wende bezeichnet.

Es wurde jedoch auch gehandelt. So blieben aus dem 31 Spieler zählenden Abstiegskader nur 13 übrig, aber diese 13 gehörten zu den Besten wie Alexander Meier, Pirmin Schwegler, Sebastian Rode und Sebastian Jung. Souverän gelang der sofortige Wiederaufstieg. Die Eintracht ging sogar gestärkt aus dem Niedergang hervor.

So wurden die Weichen gestellt, nach der Rückkehr in die Bundesliga mit der Verpflichtung von herausragenden Zweitligaspielern wie Stefan Aigner, Carlos Zambrano, Kevin Trapp und Takashi Inui. Gleich in der ersten Saison qualifizierte sich die Mannschaft über den sechsten Tabellenplatz für die Europa League – und im Augenblick liegt sie zumindest im gesicherten Mittelfeld. Ein Jahr zweite Liga und dann sind wir wieder oben – die Eintracht hat gezeigt, wie das geht.




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